Leichlingen – Die Eiskappen schmelzen, Menschen sind auf der Flucht – „das ist doch kein Stoff für eine Komödie“, findet Tina Teubner. Die Kleinkünstlerin prangerte im Kulturcafé am Montagabend lieber die kleinen Dinge des Lebens an. An sich selbst zu arbeiten schlägt sie als ersten Ansatzpunkt vor.
Das legt sie besonders Ben Süverkrüp ans Herz, ihrem Bühnenpartner. Der Pianist und Komponist führte Dialoge mit Teubner, am besten indem er in die Tasten schlug. Mehr als Kabarett brachten die beiden auf die kleine Bühne im Café am Stadtpark, Chansons und kreative Töne untermalten ihr Programm.
„Wenn du mich verlässt, komm ich mit“, kündigte Teubner immer wieder an. So lautete auch der Titel ihres Programms. Streit in der Ehe, Probleme mit den Kindern und Angst vor hyperaktiven Rentnern plage sie. Die Frau hat Haare auf den Zähnen und weiß, was sie will. Doch so bestimmt ihre Parolen gegen die Männerwelt und den Kapitalismus auch sind, so weich verpackt Teubner sie in ihren aber leider meist sehr ähnlich klingenden Melodien. „Massenachtsamkeit“ und „immer dieses optimierte Leben“ könne doch nicht nachhaltig sein. Diese meditierenden Manager seien vielmehr ein beunruhigendes Oxymoron.
Doch eines scheint die Kleinkünstlerin besonders in den Wahnsinn zu treiben: Selbstgemachte Marmelade geschenkt zu bekommen. Trend sei es, die wildesten Kombinationen auszuprobieren. Doch wo wachsen in Köln, Teubners Heimat, die meisten Brombeeren und Brennnesseln? Ein Tipp: Sie könnten nach Abgasen schmecken.
Bach auf Facebook
Süverkrüp blühte auf, als er sich über Soziale Netzwerke auslassen durfte. Enthusiastisch riss er die Musikgeschichte in wenigen Minuten ab: „Johann Sebastian hat dich eingeladen, seine Matthäus Passion zu liken.“
Aber auch Teubners Repertoire war mit Wortkunst und Singen noch nicht ausgeschöpft. Die Violine und sogar eine riesige Säge kann sie spielen. Ein origineller Einschub, das metallene Blatt mit ihrem Geigenbogen zum Schwingen zu bringen. Rammstein lässt sie mit diesem Trick links liegen, denn ihre Säge-Töne klingen tatsächlich harmonisch. Ein bisschen mehr Pep dieser Art könnte auch in ihre Anekdoten einfließen, die Teil ihres Programms von 2016 sind.