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Malerin Erika ZehBilder wecken Erinnerungen

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Im Atelier seiner Frau hat Dae Baird ihre letzten Gemälde aufgehängt. Seine Lieblingsbilder von Erika Zeh: das Frauenbildnis auf der Staffelei.

Overath – Sonnenbeschienene Küsten, überfließende Himmel, stürzende Gestade. Eine Lilie, die in einem weißblauen Strudel explodiert. Schemen von Stein hinter grau verhangenen Wolken: „Ja, das war ein total verregneter Urlaub an der schottischen Küste“, erinnert sich Dae Baird und deutet auf eine Bilderserie im Flur. „Meine Frau hat aus dem Auto heraus gemalt.“

Der kalifornische Pianist strebt ins Schlafzimmer, wo hoch über dem Kleiderschrank „Das Schweigen“ hängt, das melancholisch verschattete Gemälde einer jungen Frau mit langem Haar. Kein Selbstbildnis. „Aber ich habe immer gefunden: Das ist sie.“ Erika Zeh, die Overather Künstlerin. Im November 2010 ist sie in einem Brasilien-Urlaub überraschend im Alter von 75 Jahren ums Leben gekommen. Jetzt arbeitet Dae Baird ihr künstlerisches Werk auf – zusammen mit Tochter Manuele Klein, die ebenfalls als Künstlerin keine Unbekannte ist.

Das verwunschene Landhaus des Künstlerpaars auf den Overather Höhen ist quasi tapeziert mit den Arbeiten von Erika Zeh, die von Rezensenten als „Malerin des Lichts“ bezeichnet worden ist. 130 Bilder, schätzt Dae Baird, sind hier dicht an dicht von seiner Frau arrangiert; im Wohnsalon hängen die lichtflirrenden impressionistischen Großformate, im Wintergarten-Atelier die letzten Arbeiten in kräftig verwirbelnden Spachtelfarben und ungewöhnliche Shoah-Visionen, die für die Schau „Abgefahren“ zur Eröffnung des Overather Kulturbahnhofs entstanden sind.

Ob Küche, Treppenhaus oder Arbeitszimmer – kein Raum ohne Zehs. Im Keller lagern noch einmal so viele Bilder. Im Garten, den die Hausherrin mit Leidenschaft gepflegt hat, stehen drei filigrane, weit in den Himmel ragende Eisenskulpturen – kurz vor ihrem Tod hat die Meisterin der Blumen und Landschaften mit großen Plastiken angefangen, die Titel tragen wie „Die Freiheit verteidigen“.

Es fällt den beiden nicht leicht, inmitten dieser emotionalen Intensität spröde Katalogisierungsarbeit zu leisten. „Ich sehe und spüre in jedem Bild meine Mutter“, sagt Manuele Klein. „Und mir wird auch eine starke Beziehung zu meinen eigenen Arbeiten klar, obwohl diese stilistisch ganz anders sind.“ Erinnerungen werden wach: „Als kleines Mädchen saß ich fasziniert dabei, wenn sie Mosaike legte und später an der Staffelei arbeitete. Sie war mein Vorbild.“

Vom 1. Mai erzählt Dae Baird, wenn Bekannte und Kunstfreunde zur neuen Ausstellung ins Haus kamen, von ihren Auftritten, er am Klavier, sie mit ihren Bildern. Dann wieder ein Zwischenstopp vor einem kalifornischen Strandstück: „Da musste ich Malerin und Staffelei vor der Flut retten.“ Erika Zeh ist allgegenwärtig in diesem Haus.

In den 70ern wurde die blonde Frau mit dem fröhlichen Lachen nach ihren ersten größeren Ausstellungen in Paris, London oder Spanien als Virtuosin der Lichtführung und Poetin der Abstraktion gerühmt. Gleichzeitig geriet ihre Kunst aber im Sog von Fluxus, Pop-Art, Performance und Konzeptkunst ins Abseits der Kulturkritik. Natur und Gefühl waren out. Doch „in den letzten Jahren hat meine Frau sehr viel verkauft“, bestätigt Dae Baird einen gegenläufigen Trend. Erika Zehs eindringliche Porträts waren gefragt, die Landschaften und nicht zuletzt jene düster-meditativen Kreuzbilder der jüngeren Zeit.

„Es wäre schön, wenn das alles irgendwann in einem Gesamtkatalog dokumentiert wäre“, wünscht sich Erikas Zehs Ehemann und denkt an eine „richtige Retrospektive“. Manuele Klein möchte jenen Traum verwirklichen, den sie zuletzt mit ihrer Mutter geträumt hat: Eine gemeinsame Ausstellung zweier Künstlerinnen auf Augenhöhe.