Abo

MediteranaHinter den Kulissen kracht es weiter

3 min

Ein Bild aus besseren Zeiten: Vor dem Zerwürfnis 2012 war Siegfried Reddel zehn Jahre lang „Mr. Mediterana“.

Bergisch Gladbach – Zuerst die gute Nachricht: Das Mediterana, neben den Nobelherbergen in Bensberg und Lerbach einer der Gründe, der Bergisch Gladbach auch für Fremde eine Reise wert macht, gedeiht weiterhin. 2012 hatte der Wellness-Tempel 528 200 Besucher. Das waren 200 000 mehr als im Jahr 2002. Heute Abend um 18 Uhr empfangen die Entspannungs-Experten gleich 50 schöne Frauen, die sich an einer deutschlandweiten Miss-Wahl beteiligen, ihre PR-Tour mit einem Aufenthalt im Thermalbad krönen und wohl auch damit den Namen weiter bekanntmachen.

Die schlechte Nachricht: Der Schein ist schön, aber hinter den Kulissen kracht es weiterhin gewaltig. Es ist weiterhin Hängen im Schacht, was die geplante Erweiterung um ein 120-Betten-Hotel angeht. Das Zerwürfnis zwischen dem geistigen Vater des Wellness-Tempels, Siegfried Reddel, und seinem Finanzier Ernst Werner Ruhbaum blockiert eine Investition, die Ruhbaum gestern auf 25 Millionen Euro bezifferte. Ruhbaum hat Reddel im November 2012 als Geschäftsführer abberufen und entlassen. Was daran rechtens war und was nicht, will im März 2015 in zweiter Instanz das Oberlandesgericht Frankfurt entscheiden. Aber es gibt weitere Konfliktpunkte im Zusammenspiel der verschiedenen Mediterana-Gesellschaften.

Das ist zum einen die Gesellschaft „Mediterana GmbH und Co KG, die den Betrieb führt. Hier hat Ruhbaum als Kommanditist mit einer Einlage von 2,95 Millionen Euro das Sagen, wie er mit der Abberufung Reddels demonstriert hat.

Doch daneben gibt es eine zweite Gesellschaft: Der „Grundbesitz Saaler Mühle GmbH und Co. KG“ (GSM) gehören die Grundstücke am Saaler Mühlensee. Und hier hat es eine bemerkenswerte Entwicklung gegeben: Aus der Gesellschaft, an der Ende 2012 noch Ruhbaum und Reddel als Kommanditisten mit je 180 000 Euro beteiligt waren, ist Ruhbaum nach Darstellung der Anwälte Reddels ausgeschlossen worden. Ruhbaum dürfe nicht länger für die GSM sprechen und müsse die Geschäftsunterlagen herausgeben.

Den entsprechenden Beschluss der GSM-Gesellschafterversammlung habe das Frankfurter Landgericht per Einstweiliger Verfügung vom 20. August bestätigt, so Reddels Anwalt Ralph Douven von der Kölner Kanzlei CMS Hasche Sigle, denn es habe wichtige Gründe für den Ausschluss gegeben. Ruhbaum habe sich „böse verhalten“. Konkret sei es dabei etwa um das Entgelt gegangen, das die Betreibergesellschaft der GSM jährlich zahlen müsse.

Der Vertrag der beiden Gesellschaften laufe Ende 2015 aus. Bisher sei das Entgelt aus steuerlichen Gründen sehr gering gewesen. Während Reddel nun das Zehnfache für angemessen halte, habe Ruhbaum vorgeschlagen, den Betrag nur geringfügig zu erhöhen. So gehe das nicht.

Ein Sprecher des Frankfurter Landgerichts bestätigte auf anfrage, dass mit dem Datum vom 20. August ein entsprechender Richterspruch zum Ausschluss Ruhbaums ergangen sei.

Ruhbaum selbst stellt die Sache anders dar: Die Entscheidung sei nur vorläufig ergangen. Ohnehin habe er für seinen Sohn das Feld geräumt. Die Hauptsacheentscheidung werde es im Frühjahr 2015 geben, Rechtsmittel seien gleichwohl eingelegt.

Weiter sagte Ruhbaum, dass er mit dem Hotel in den Startlöchern stehe, dass aber noch die Sache mit Reddel geklärt werden müsse. „Wir sind baurechtlich, bautechnisch und finanziell startklar.“ Ein „kultiviertes Hotel zum Wohlfühlen“ solle es werden, mit 36 und 42 Quadratmeter großen Zimmern, so dass es auch mal regnen dürfe. Die Krönung sollen sieben Penthäuser mit Dachgärten werden.