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„Nina“Frühwarn-App lässt regelmäßig Leitungen von Polizei und Feuerwehr kollabieren

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Über das Smartphone oder Tablet können die Bürger Warnmeldungen erhalten, wenn sie die App „Nina“ installiert haben.

Rhein-Berg – „Nina“ ist die bundesweite Geheimwaffe für die besonders brenzligen Situationen. Die bundesweit immer populärere Warn-App informiert Smartphone- und Tabletbesitzer, wenn es in deren Umgebung einen Chemie-Unfall gibt, einen Großbrand mit giftigen Dämpfen oder – wie vor elf Monaten in München – eine vermeintliche Terrorlage, die sich als Amoklauf entpuppt.

Nach der Amoktat von München bekam „Nina“ auch in Rhein-Berg immer mehr Nutzer. Im Kreistag machte die Koalition aus CDU und Grünen Dampf, und im November schien alles geregelt zwischen Leichlingen und Overath.

Das ist aber ein Trugschluss: Ganz nach dem Prinzip von Radio Eriwan funktioniert „Nina“ nur im Prinzip, technisch zwar, nicht aber faktisch. Denn es gibt ein Zuständigkeits- und Finanzproblem zwischen dem Kreis und den Kommunen, über das Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden am Mittwochabend spontan den Kreis-Gesundheitsausschuss informierte.

Beispiel in Leverkusen

Laut Weiden sind sich die Feuerwehr-Chefs darüber einig, dass eine Alarmierung der Bevölkerung über „Nina“ nur dann sinnvoll ist, wenn die App-Botschaft auch eine Telefonnummer enthält, an die sich die Alarmierten mit Nachfragen wenden können. Gäbe es diese Nummer nicht, würde die Feuerwehrleitstelle lahmgelegt.

Weiden: „Wir hatten diese Situation bereits in Leverkusen, wo bei einem Brand mit viel Rauch sowohl die Kölner als auch die Leverkusener Leitstelle »Nina« in Anspruch nahmen. Zugleich gab es im Leverkusener Rathaus ein Software-Problem, so dass das Bürgertelefon nicht funktionierte. Das hat fast zu einem Kollaps des Einsatzes geführt.“

Diese Gefahr sehen die Feuerwehr-Chefs auch für Rhein-Berg. Denn in der hiesigen Rettungs-Leitstelle könnten zwar, so der Kreisbrandmeister gestern auf Nachfrage dieser Zeitung, in kürzester Zeit vier Telefonplätze gleichzeitig besetzt werden, doch auch das reiche bei einem Massenanfall von Anrufen nicht aus. Dasselbe Schicksal wie der Feuerwehr drohe auch der Polizei.

Das sei im Übrigen keine rheinisch-bergische Spezialität, sondern auch schon in Großstädten wie München und Berlin passiert. Aus Sicht der Feuerwehr-Einsatzkräfte führt damit um eine spezielle Bürgertelefonnummer kein Weg herum, doch genau hier beginne das Problem. Wie ihm seine Feuerwehr-Kollegen aus dem Kommunen in einer Besprechung unmittelbar vor der Ausschuss-Sitzung gesagt hätten, seien die Signale in den Kommunen, in denen die Wehren bereits gefragt hätten, alles andere als ermutigend gewesen.

Der Tenor laut Weiden: „Wenn ihr »Nina« auslösen wollt – okay. Aber wir können keine Telefone besetzen.“ In welchen der acht Rathäuser den Feuerwehren bereits die kalte Schulter gezeigt worden sei, wollte Wolfgang Weiden gestern nicht sagen: „Wir stehen am Anfang der Verhandlungen.“

Das System

Die Warn-App „Nina“ ist die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Neben den Warnmeldungen des Bundes, der Länder und der Kommunen, die über das technische System „Mowas“ eingespeist werden, sind bei „Nina“ auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes, Hochwasserinformationen aus dem länderübergreifenden Hochwasserportal sowie Notfalltipps des BKK abrufbar.

Ab welchem Ausmaß über die App „Nina“ gewarnt wird, entscheidet die jeweils zuständige Stelle. Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden: „Wenn bei Zanders eine Lagerhalle brennt, ist die Stadtverwaltung zuständig.“ Erst bei größeren Schadensfällen komme der Rheinisch-Bergische Kreis ins Spiel. (sb)

Im Gesundheitsausschuss hatte Weiden ergänzend gesagt, man werde nun darüber reden müssen, wie es weitergehe – ob die Kreisverwaltung das Problem auffangen oder man vielleicht auf die Behördentelefonnummer 115 verweisen könne, bei der die Anrufer in einem Kölner Callcenter landeten. Auch wies Weiden im Ausschuss darauf hin, dass „Nina“ nur der Anfang sei. Wenn man die sozialen Medien nutze, würden auf Dauer auch Botschaften auf Twitter oder Facebook fällig, wie das die Polizei in München und Berlin sehr gut vorgemacht habe, so der Feuerwehr-Chef. „Aber es scheitert bereits an der Telefonnummer.“

Im Ausschuss sorgte Weidens spontane Mitteilung für unterschiedliche Reaktionen. Während der Kürtener CDU-Kreistagsabgeordnete Ulrich Heutz nachfragte, ob der Kreis denn nicht die Kommunen anweisen könne, ein Bürgertelefon zu besetzen, warnten Ordnungsdezernent Gerald Petri und die Wermelskirchener CDU-Kreistagsabgeordnete Helga Loepp mehr oder weniger durch die Blume vor Schnellschüssen, die nur das schwierige Verhältnis zu den Kommunen belasten könnten.

Loepp: „Wir haben heute eine Mitteilung bekommen, die wir zur Kenntnis nehmen und die jetzt ein bisschen sacken muss.“ Heutz sagte ergänzend, ihm gehe es vor allem darum, das Thema weiter zu verfolgen und es jetzt nicht sterben zu lassen.