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Parken in AltenbergBesucher kämpfen mit einem Flickenteppich an Regeln für die Stellplätze

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Ein Parkplatz mit geöffneter Schranke vor dem Altenberger Dom.

Mit der Eröffnung des Edith-Stein-Exerzitienhaus wurde auch die Bewirtschaftung des Parkplatzes wieder aufgenommen. Für Gäste und sonntägliche Gottesdienstbesucher gelten Sonderregeln.

Auf immer mehr Parkplätzen sind - wenn auch moderate - Gebühren fällig. Auch die Kommune Odenthal prüft Möglichkeiten für Wanderparkplätze.

Der historische Pilger kannte das Problem nicht. Er lief zu Fuß nach Altenberg, um innere Einkehr zu finden. Neuzeitliche Pilger haben es da deutlich schwerer. Sie reisen oft motorisiert an und während ein bescheidener Pilgerstab in jeder noch so kleinen Ecke Platz fand, ist das mit dem Auto nicht ganz so einfach. Denn die Flächen auf dem ehemaligen Klostergelände sind begrenzt, die Zahl der Besucher eher nicht.

Und so stehen die ausgewiesenen Parkplätze in und rund um Altenberg besonders bei schönem Wetter und bei Großveranstaltungen unter Druck. Mit allen negativen Folgen für die Besucher, aber auch für die Eigentümer der Parkplätze, die sich bemühen, auf ihren Flächen das rare Gut der Stellplätze für die eigenen Kunden vorzuhalten und Lösungen suchen, Fremdparker fernzuhalten.

Eine gemeinsame Lösung der Bewirtschaftung blieb aus

Zwar hatte die Gemeinde Odenthal vor Jahren über ein Parkleitsystem für Altenberg nachgedacht, Vorschläge eingeholt und verschiedene Konzepte diskutiert, keines aber davon umgesetzt. Da sich die vielen Akteure in Altenberg auch nicht auf eine gemeinsame Regelung für die Bewirtschaftung ihrer Stellplätze einigen konnten, bietet Altenberg nun auf kleinstem Raum einen guten Überblick über die vielfältigen Arten, wie Parkplätze heutzutage genutzt und bewirtschaftet werden können.

Da gibt es den kostenfreien Wanderparkplatz, die private Fläche ohne Schranke, die Fläche mit Schranke und seit Neuestem auch das Modell der Kennzeichenerfassung. Es gibt Parktickets mit Bargeld oder nur mit Kartenzahlung, begrenzte Freischaltungen für Kunden oder auch Gottesdienstbesucher - und unterschiedliche Preise je Stunde ohnehin.

Ein bunter Flickenteppich der Parkregeln

Ein bunter Flickenteppich, der sich noch verstärken könnte, sollte die Kommune die von der CDU angestoßene Idee umsetzen, auch die bisher kostenfreien Wanderparkplätze Am Rösberg und Schöllerhof in absehbarer Zeit ticketpflichtig zu machen, um die Einnahmen für die Gemeindekasse zu erhöhen.

Ein Parkplatz mit einigen Autos im Grünen. An der Zufahrt eine große Wanderkarte.

Noch gebührenfrei: Der Wanderparkplatz Schöllerhof bei Altenberg ist beliebt.

Eine Entwicklung, die nicht jedem gefällt. Einer der Kritiker ist Gastronom und CDU-Ratsherr Markus Wißkirchen, nach eigener Aussage ein bekennender Anhänger des freien Parkens. So duldet er bisher stillschweigend auf der großen Parkfläche vor seinem Hotel-Restaurant auch Parker, die nicht unbedingt bei ihm einkehren - ausgenommen bei Sonderveranstaltungen, etwa wenn das Spiegelzelt in Altenberg gastiert.

Kostenfreie Parkflächen geraten unter Druck

Doch weil die Zahl der kostenfreien Parkmöglichkeiten in Altenberg abnimmt, sieht sich Wißkirchen unter Zugzwang: „Ich bin gezwungen, auch etwas zu machen, weil meine eigenen Gäste keinen Parkplatz mehr finden“, sagt er über den Domino-Effekt. Ob Schranke oder ein anderes System, das sei noch nicht entschieden. Zudem widerstrebe ihm die Änderung.

Zwar habe es auch schon früher an Wochenenden in Altenberg Parkgebühren gegeben, aber nicht flächendeckend und durchgängig: „Die Leute über Autos aus Altenberg raus zu drängen, ist nicht klug. Das ist für Altenberg nicht sehr werbewirksam“, meint der Vorsitzende des Verschönerungsvereins (VKA). Er plädiert seit langem für besondere Veranstaltungen, die viele Menschen nach Altenberg locken, Überlaufparkplätze vorzuhalten, eventuell auf der Wiese vor dem Märchenwald oder auch am Bülsberg.

Sonderparkflächen für besondere Events gesucht

Seine Lieblingsidee ist aber eine Lösung, die erstmals beim vergangenen Adventsmarkt erfolgreich getestet wurde: Sonderparkflächen auf den Banketten an der Altenberger-Dom-Straße, eine Art Pop-up-Parkplatz für Sonderevents mit ausklappbaren Temposchildern an der Straße, die die Geschwindigkeit temporär reduzieren.

„Wir haben versucht, alle ins Boot zu nehmen. Ein einheitliches System wäre unsere Vorstellung gewesen“, so Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein, Eigentümerin der Traditionsbetriebe Altenberger Hof und Küchenhof, über die Insellösungen beim Parken in Altenberg. Das sei aber leider nicht gelungen.

Auf dem Küchenhof-Parkplatz ist parken gegen Gebühr erlaubt

Ende 2025 wurde daher bisher nur auf dem Parkplatz des Küchenhofes ein modernes kameraüberwachtes Kennzeichenerfassungssystem eingeführt. Mit der praktischen Durchführung der Bewirtschaftung wurde eine Betreiberfirma beauftragt. Nach Anfangsschwierigkeiten laufe es nun sehr gut, so Sema zu Sayn-Wittgenstein.

Ein Schotterparkplatz mit Kamera und Parkautomat.

Am Küchenhof wird die Parkgebühr seit einiger Zeit via Kennzeichenerfassung ermittelt. Gäste haben Sonderkonditionen.

Man sei sehr froh, das leidige Parkthema an eine professionelle Firma delegiert zu haben. „Wir waren es leid, den Parkwächter zu spielen“, sagt sie über ihre Parkflächen, die durch ihre unmittelbare Nähe zum Dom für viele Besucher attraktiv sind, auch wenn sie nicht im Küchenhof oder im Altenberger Hof einkehren. Nun fänden die eigenen Gäste wieder einen Parkplatz am Haus und könnten ihren Parkschein nach dem Mittag- oder Abendessen freischalten lassen. Alle übrigen Parkenden müssten zahlen, wie an vielen anderen Orten schon längst üblich.

Die Kennzeichenerfassung ist ein neues System für Altenberg

Daran hat Marlene Neu aus Radevormwald auch nichts auszusetzen. Trotzdem ist sie irritiert. Die 87-Jährige ist seit längerer Zeit mal wieder in Altenberg, um mit ihrer Schwester, einer Ordensfrau aus Aachen, den Altenberger Dom zu besuchen. Sie hat am nahen Küchenhof geparkt und registriert, dass sie vor Ausfahrt zahlen soll. „Aber ich konnte nirgendwo einen Bon ziehen“, sagt sie verwundert.

Denn das neue Verfahren der Kennzeichenerfassung mit ausschließlicher Kartenzahlung ist ihr neu. „Aber eine Karte hat man ja fast immer dabei“, sagt sie, als sie erfolgreich am Display ihr Autokennzeichen eingegeben hat. „Obwohl für einen Betrag von zwei Euro Münzgeld vielleicht doch besser wäre“, überlegt sie. Zur Sicherheit zieht sie noch eine Quittung, man weiß ja nie: Sie wird sie aufbewahren, für alle Fälle.

Regelmäßige Besucher kennen inzwischen die Regeln

Auch Werner Fester aus Leverkusen ist regelmäßig einmal die Woche in Altenberg, die Kennzeichenerfassung und das Bezahlsystem am Küchenhof kenne er mittlerweile, sagt er, während er seine Quittung ins Portemonnaie steckt. Beim ersten Mal, irgendwann im Dezember vergangenen Jahres, erwischte ihn das neue System allerdings kalt: „Ich hatte keine Karte dabei“.

Was sollte er tun? „Dann riskierst du es mal“, dachte er sich. Ohne zu bezahlen sei er wieder gefahren, ein Knöllchen bekam er dennoch nicht nach Haus geschickt. „Das System war wohl noch nicht scharf geschaltet“, vermutet er. Auch am Alten Brauhaus müsse man nun, nach Abschluss der Bauarbeiten, wieder zahlen, stellt Fester fest. Von seinen regelmäßigen Besuchen in Altenberg werde ihn das aber nicht abhalten.

Die Schranke am Märchenwald sollte vor allem Auto-Drifter abhalten

Schon ab 2021 mussten sich Besucher des Märchenwalds auf Parkgebühren auf der großen Fläche an der Dhünn einstellen. Vorher wurde nur am Wochenende an einem Kassenhäuschen kassiert. Vor fünf Jahren ist hier eine Schrankenanlage in Betrieb gegangen. Der Einbau sei in erster Linie erfolgt, um sogenannte Auto-Drifter davon abzuhalten, auf dem großen, asphaltierten Gelände ihre riskanten Fahrmanöver zu probieren.

„Das war ganz schlimm, die ließen sich kaum vertreiben, wir mussten immer wieder die Polizei rufen“, erinnert sich Märchenwaldbetreiber Marcel Kreber. Neben gefährlichen Situationen sei es auch eine Lärmbelästigung für die Hotelgäste oben am Hang gewesen.

Sonntags gelten am Brauhaus für Gottesdienstbesucher Sonderregeln

Am Alten Brauhaus war der Parkplatz schon zuvor mit einer Schranke geschützt, die Stellplätze kostenpflichtig. Das Hochwasser 2021 hatte die Technik allerdings zerstört und während des anschließenden Umbaus des Alten Brauhauses zum Edith-Stein-Haus hatte man vorübergehend auf Parkgebühren verzichtet. Mit dem Exerzitienhaus wurde auch der angrenzende Parkraum neu gestaltet und nun wieder mit einer Schranke versehen.

Gäste von Haus Altenberg und Edith-Stein-Haus können ihre Autos hier kostenfrei abstellen, Sonderkonditionen gibt es sonntags für Gottesdienstbesucher: „Für Besucherinnen und Besucher der Sonntagsgottesdienste besteht die Möglichkeit, ihr Parkticket im Dom-Laden zu den Öffnungszeiten zwischen 10 und 18 Uhr entwerten zu lassen. Die Entwertung gilt für bis zu 2,5 Stunden und erfolgt an der Kasse des Dom-Ladens“, so Gert Buse, Geschäftsführer von Haus Altenberg.

Knöllchen und Segen - beides liegt in Altenberg nah beieinander

„Besondere Konditionen für Gottesdienstbesucher“, das wünscht sich Pfarrer Thomas Taxacher auch für weitere gebührenpflichtige Parkplätze am Ort, obwohl er grundsätzlich Verständnis für die Betreiber habe. Seine katholische Kirchengemeinde verfügt über keinen einzigen öffentlichen Parkplatz in Altenberg, dürfte folglich eigentlich auch keinen Ärger mit Beschwerden über Parkgebühren oder Verwarngeld haben.

Doch auch auf seinem Schreibtisch landeten - meist nach kirchlichen Feiertagen - regelmäßig Beschwerden von Kirchgängern, erzählt Taxacher. Brautpaare weise man inzwischen vorab schriftlich auf die Parkplatzsituation hin, damit sie im Altenberger Dom nur einen Segen bekommen - und nicht vor der Kirche noch ein Knöllchen dazu.