Auf dem Bergischen Jakobsweg von Wuppertal-Beyenburg über Altenberg und Odenthal nach Köln oder auf dem Elisabethpfad brauchen Pilger Unterkunft
AltenbergHier gibt es Herbergen für Pilger im Pfarrhaus und bei einer Familie in Gladbach

Pfarrer Thomas Taxacher im Gästezimmer des Pfarrhauses Altenberg. Private Unterkünfte wie diese sind entlang der Pilgerwege nicht selbstverständlich.
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Ein ausziehbares Sofa, eine kleine Kochzeile, ein eigenes Bad – Handtücher liegen ebenfalls bereit. Viel braucht es nicht, um Pilgern nach einem langen Tag ein Zuhause für eine Nacht zu geben. Solche privaten Unterkünfte sind entlang der Wege nicht selbstverständlich. Wer keine einfache Pilgerherberge findet, landet schnell in einer Pension oder einem Hotel. Während Pfarrer Thomas Taxacher davon erzählt, streifen seine Katzen durch die Dienstwohnung im Altenberger Pfarrhaus. Gleich nebenan liegt das Gästezimmer, in dem seit Ostern drei Pilger übernachtet haben. „Ich finde spannend, wer da jetzt kommt“, sagt Taxacher.
Das Zimmer entstand bei der Renovierung des Pfarrhauses. Taxacher war früh klar, dass er das große Gebäude nicht allein braucht. Es wurde deshalb in mehrere Wohnungen aufgeteilt. Neben seiner Wohnung blieb ein Gästezimmer, das sich durch eine abschließbare Tür abtrennen lässt. Zunächst wohnte dort eine Praktikantin während ihres Gemeindepraktikums. Nun dient der Raum auch Pilgern als kleine Einzimmerwohnung.
Für die Übernachtung wird um eine Spende gebeten
Das passt zu Altenberg: Der Bergische Jakobsweg führt von Wuppertal-Beyenburg über Wermelskirchen und Altenberg weiter nach Odenthal und Köln. Wer eine Unterkunft sucht, kann sich beim i-Punkt Altenberg oder bei der Pfarrgemeinde melden. Den Schlüssel können Gäste am Dom-Laden abholen. Einen festen Preis gibt es nicht, übernachtet wird gegen Spende. Nur Proviant sollten Pilger dabeihaben: In Altenberg selbst gibt es keine Einkaufsmöglichkeit, bis zum nächsten Supermarkt in Odenthal sind es einige Kilometer.
Pfarrer Taxacher kennt das Pilgern aus eigener Erfahrung. 2003 machte er sich von Pamplona auf den Weg nach Santiago de Compostela, noch vor seiner Zeit im Priesterseminar. Ein Jahr später pilgerte er durch die Eifel nach Trier und übernachtete dabei auch in Pfarrheimen. Vor zwei Jahren ging er von Assisi nach Rom. Auch sein Vorgänger in Altenberg nahm bereits Pilger auf. „Fremde aufzunehmen ist benediktinische Tradition“, sagt Taxacher. „Die führen wir hier weiter.“
Seit rund zehn Jahren öffnet eine Familie in Paffrath ihre Tür für Pilger
Auch in Bergisch Gladbach-Paffrath öffnet eine Familie ihre Tür für Menschen auf Pilgerwegen. Seit etwa 2015 oder 2016 nehmen Petra und Meinolf Sprink Pilger auf, die auf dem Elisabethpfad beziehungsweise dem Jakobsweg Marburg–Köln unterwegs sind. Petra Sprink engagiert sich im Pfarrgemeinderat, ihr Mann Meinolf als ehrenamtlicher Diakon in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Bergisch Gladbach-West. Gastfreundschaft gehört für beide zu ihrem Glauben – sie bitten lediglich um eine Spende an das Kindermissionswerk. Meinolf Sprink war selbst als Sternsinger dafür unterwegs. Für ihn ist es „das Beste, was die katholische Kirche zu bieten hat“.
Vor Corona sei ihr Haus als Pilgerunterkunft gut angenommen worden, erzählt Petra Sprink. Besonders rund um Christi Himmelfahrt und Pfingsten hätten vier- bis fünfmal im Jahr Pilger bei ihnen übernachtet. Mit Corona brachen die Besuche ein.
Aus Fremden können schnell Bekannte werden
Dass aus Fremden manchmal erstaunlich schnell Bekannte werden, haben die Sprinks erst vor kurzem wieder erlebt. Ein Pilger aus Potsdam übernachtete bei ihnen. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er mit guten Freunden der Sprinks aus Potsdam befreundet ist. Plötzlich war der vermeintlich Fremde gar nicht mehr so fremd. An eine andere Begegnung erinnern sich beide ebenfalls besonders gut: Ein Sozialarbeiter aus Flensburg war mit einem Pilger unterwegs. Für den jungen Mann war die Pilgertour als eine letzte pädagogische Maßnahme gedacht. Die Sprinks zögerten nicht, beide bei sich aufzunehmen. Am Abend spielten sie gemeinsam Gesellschaftsspiele. Der Pilger habe den Abend sehr genossen, erzählen die beiden.
Auch ein paar Tage länger zu bleiben, ist bei den Sprinks möglich. Drei Frauen aus Ostdeutschland hatten eigentlich geplant, zwei Nächte zu bleiben. Nach gemeinsamen Abenden und vielen Gesprächen wurden daraus später drei. Die Sprinks würden sich wünschen, dass sich entlang des Pilgerwegs im Rheinisch-Bergischen Kreis mehr private Gastgeber finden. Bislang haben sich trotz ihrer Bemühungen jedoch keine weiteren gefunden.
