Etwa zwölf Menschen waren von dem Tier attackiert und verletzt worden. Vermutlich wurde der Bock von Menschen aufgezogen und fehlgeprägt.
Angriffe im WaldJäger erlegen aggressiven Rehbock im Wandergebiet Altenberg

Auch die Route der Zisterzienser war wegen Lebensgefahr gesperrt. Manche Wanderer setzten sich darüber hinweg.
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Der Bock ist tot. Der Rehbock, nach dem in den Wäldern rund um Altenberg intensiv gesucht worden war, weil er mehrere Spaziergänger und Wanderer angefallen und zum Teil erheblich verletzt hatte, ist am Sonntagmorgen geschossen worden.
Das Tier hatte die Gegend seit mehreren Wochen unsicher gemacht und obwohl nach den ersten Meldungen einige Wanderwege vom Ordnungsamt mit Verweis auf akute Lebensgefahr gesperrt worden waren, hätten sich immer wieder Wanderer über das Durchgangsverbot hinweggesetzt, berichtete der Revierleiter von Strauweiler einigermaßen fassungslos.
Der Rehbock verletzte rund ein Dutzend Menschen schwer
Insgesamt seien zwölf bis 14 Personen von dem Rehbock angegriffen worden und hätten ins Krankenhaus gebracht werden müssen, sagte Waldeigentümer Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein. Die ersten Opfer habe es völlig unvorbereitet getroffen. Ahnungslos begegneten sie auf ihrem Spaziergang dem Tier und hätten noch Fotos und Videoaufnahmen von dem scheinbar so niedlichen Reh gemacht, als es sich ihnen auf dem Weg näherte – bis der Bock das Gehörn senkte und zum Angriff überging. Tiefe Stich- und Schnittwunden in Waden und Oberschenkeln seien die Folge gewesen.
Von Wittgenstein organisierte daraufhin die Jagd des Tieres. Aus Gründen der Gefahrenabwehr, wie er betonte, denn rechtlich haftbar sei er als Grundbesitzer für den aggressivem Bock nicht: „Wild ist herrenloses Gut“, so von Wittgenstein.
Rehböcke greifen normalerweise keine Menschen an
Nachdem es gelungen war, das Revier des Rehbocks immer weiter einzugrenzen, der zwischenzeitlich bis fast hinauf nach Hüttchen gewandert sei, konnte er schließlich unweit der Wanderroute „Weg der Zisterzienser“ nahe der Fischteiche in Altenberg zur Strecke gebracht werden.
Ein junges, vitales Tier, das man unter normalen Bedingungen noch nicht gejagt hätte, bedauerte der zuständige Förster. Aber normal habe sich dieses Tier eben nicht verhalten. Dass Rehböcke Menschen angreifen, komme in freier Wildbahn so gut wie nicht vor. Die männlichen Tiere verteidigten ihr Revier zwar gegen andere Böcke, gingen Menschen aber gewöhnlich scheu aus dem Weg, sagen Förster.
Das Tier wurde vermutlich von Hand aufgezogen und fehlgeprägt
„Es handelt sich bei diesem Bock mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit um ein von Hand aufgezogenes Tier“, vermutet auch der Revierleiter von Strauweiler. Das sei dann offenbar ausgesetzt worden, vielleicht, weil es mit Eintritt der Geschlechtsreife Probleme gemacht habe.
Rehe von Hand aufzuziehen, sei aus guten Gründen nur Fachleuten erlaubt oder in spezialisierten Aufzuchtstationen. Denn die Wiederauswilderung sei eine „hochkomplexe“ Angelegenheit. Laien seien damit überfordert, täten dem Tier keinen Gefallen – und in diesem Fall sei es auch noch „hochgefährlich“ gewesen.
Der Rehbock habe den Menschen nicht wie ein gewöhnliches Wildtier als Gefahr angesehen, sondern eher als „einen etwas seltsam aussehenden Artgenossen“, als Konkurrenten, mit dem er ums Revier gekämpft habe. Eine Fehlprägung, ein von Menschen gemachtes Problem also, für das der Rehbock nun den Preis gezahlt hat. Ausgestopft wird er der Nachwelt auf Schloss Strauweiler erhalten bleiben.
