Spannende Einblicke in echte Kriminalfälle gab es für Gäste von Hatterscheidts True-Crime-Dinnershow im „Altenberger Hof“.
True CrimeKommissar Bernhard Hatterscheidt präsentiert die Abgründe des Rheinlands in Odenthal

Reale Mordgeschichten brachte Kriminalhauptkommissar Bernhard Hatterscheidt auf die Bühne im Burgundersaal.
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„Nichts ist spannender als die Wirklichkeit“, sagt Bernhard Hatterscheidt. Ein Imbiss in Köln. Karnevalssamstag. Ein feiner Herr im Nadelstreifenanzug kommt herein, bestellt, setzt sich, isst. Da tritt ein Mensch im Hasenkostüm ein. Eigentlich lustig. Er geht auf den Herrn im Nadelstreifen zu, wechselt ein paar Worte, zieht eine Pistole, schießt mehrfach. Der Mann im Nadelstreifen sackt tot zusammen. Panik im Imbiss. Der künstliche Hase flieht. Ein Fall, der dem Polizisten im Gedächtnis blieb. Hatterscheidt erzählt, wie sie dem Täter auf die Schliche kamen: Entscheidend war, dass der Hase kurz mit dem Opfer sprach. Sie kannten sich. Der Imbissbesitzer als Zeuge schilderte den Ablauf. Der Fall führte ins Milieu der organisierten Kriminalität und der Schutzgelderpressung; es war eine gezielte Hinrichtung.
Im Burgundersaal des Romantikhotels „Altenberger Hof“ gibt es nach dieser und einigen amüsanten Geschichten, „ich möchte Ihnen schließlich nicht den Appetit verderben“, den ersten Gang des True-Crime-Dinnershow: Jakobsmuscheln mit sautiertem Kopfsalat und Polenta-Rosmarineis. Die Stimmung steigt nach dem ersten Schaudern. Die Vorspeise schmeckt köstlich.
Über 70 Gäste begrüßte Hatterscheidt in Altenberg
Bernhard Hatterscheidt hat vier Jahrzehnte lang die Abgründe des Rheinlands vermessen. Nun bringt der Kriminalhauptkommissar reale Tötungsdelikte dorthin, wo sonst Geselligkeit herrscht: an die festlich gedeckte Tafel. Über 70 Gäste kann er in Altenberg begrüßen. Die Küche hat sich ins Zeug gelegt und serviert zu den Mordgeschichten und Anekdoten aus dem Polizeialltag ein feines Menü.
Auf der kleinen Bühne im Altenberger Hof steht der Hauptkommissar. Seit mehr als 43 Jahren trägt Hatterscheidt den Dienstausweis der Polizei. 1996 wechselte er zur Kölner Mordkommission.
Auch den Fall von Patricia Wright präsentierte der Kommissar
Nach dem ersten Gang ein Fall ganz in der Nähe, in Bergisch Gladbach. Zwar nennt der Kommissar den Namen nicht, doch es ist klar: Es geht um Patricia Wright. Am 3. Februar 1996 wurde die 23-jährige Wright in ihrer Wohnung in Hand ermordet. Der Täter fesselte und vergewaltigte sie, drosselte sie mit einem Schnürsenkel, schlug ihr mit einer Gipsfigur auf den Kopf und stach mehrfach mit einem Messer auf sie ein.
Hatterscheidt ging auch auf die weiteren Morde des Täters Thomas L. ein: Dessen damalige Freundin erzählte dem Kommissar bei der Vernehmung, Thomas habe ihr irgendwann gesagt: „Ich möchte mal ausprobieren, wie es ist, jemanden umzubringen. Nenne mir jemanden, auf den du verzichten könntest. “ Das Opfer wurde erwürgt und im Wald verscharrt. Einen Monat nach dem Mord an Wright erschoss er einen ehemaligen Freund mit der Pumpgun. „Weil die so schöne große Löcher macht“, soll er dem Kommissar gesagt haben. Vor Gericht behauptete Thomas L., Odin habe ihm die Taten befohlen. Der Täter sitzt seither in der Forensik, dem Gefängnis für psychisch auffällige Täter. Lebenslang. Dann einige Anekdoten, damit das baskische Kalbsfilet mit Pastinakencreme auf dem Steckrübenrösti wieder schmeckte.
Jan Gerd spielt vor Publikum den Ermittler
Vor der Nachspeise mit gebackenem Karamell und Mandeleis folgt die titelgebende Geschichte: „Eisbad in der Truhe“. Ein Arbeiter stemmt in einem Keller auftragsgemäß eine Wand auf. Er hört ein Surren. Als er den Raum betreten kann, sieht er eine Kühltruhe von Privileg. Er klappt den Deckel auf und schaut in ein tiefgefrorenes Männergesicht. Nun kommt Hatterscheidts Frau auf die Bühne. Bis dahin hatte sie im Hintergrund die Technik bedient. Jetzt erklärt sie als fiktive Gerichtsmedizinerin, wie man eine Leiche fachgerecht auftaut, ohne Spuren zu verlieren.
Später tritt Jan Gerd auf. Er muss als Ermittler eine Plastiktüte öffnen und findet einen Torso. „Doch wie kann ich die Identität herausfinden? “ fragt der Kommissar das Publikum. Jan Gerd schaut noch einmal in die Tüte. Da steckt noch ein Kontoauszug. „Wir gingen zur Familie, und schon beim Türöffnen war klar: Hier sind wir richtig“, sagt Hatterscheidt. Auf dem Parkettboden ein heller Fleck; ein Teppich war offenbar entfernt worden. In den Ritzen fanden sie Blutspuren.
Die Realität liefert Pointen, die sich kein Dramaturg trauen würde
Die Täterin erhielt nur wenige Jahre. Sie hatte ihren Peiniger, der sie und ihre Tochter jahrelang sexuell missbraucht hatte, erstochen, fachgerecht seziert – sie war Metzgerin – und in Einzelteilen entsorgt. Hatterscheidt muss diese Geschichten nicht aufbauschen. Die Realität liefert Pointen, die sich kein Dramaturg trauen würde. Genau hier setzt seine Absicht an: Er führt sein Publikum hinter die Absperrbänder der Spurensicherung.
Dass Mord und Magenverstimmung an einem solchen Abend nicht zusammenfallen, liegt am Tonfall des Referenten. Hatterscheidt begegnet dem Grauen nicht mit falschem Pathos, sondern mit jener professionellen Gelassenheit, die man sich in vier Jahrzehnten Polizeidienst zulegen muss, will man die eigene Seele schonen.