Beim Ehrenamtsfest wird sichtbar, wer die Gemeinde zusammenhält: die Ehrenamtlichen, ohne die vor Ort vieles ausfallen würde.
Stille StützenOdenthal rückt rund 70 Ehrenamtliche ins Rampenlicht

Bürgermeisterin Laura Lundberg (v.l.) feiert mit Odenthals Ehrenamtlichen: Anja Weyer, Elmar Forst und Sylvia Schmitz in den Cramer Stuben.
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Am Mittwochnachmittag wurde der Biergarten der „Cramer Stuben“ zum Treffpunkt für Begegnungen, für Geschichten, für Dank. Die kommunale Ehrenamtsbörse und die Gemeinde Odenthal hatten geladen. Fast 70 Ehrenamtliche kamen – Menschen, die selten im Rampenlicht stehen. Ohne sie fiele in Odenthal vieles aus. Die Wirtsleute der „Cramer Stuben“ stifteten das Buffet, die Plätze füllten sich im Handumdrehen. Es wurde ein Fest ohne steife Protokolle, aber mit Schwung, dafür sorgte die Peter Weisheit Band.
Mittendrin: Laura Lundberg. Die Bürgermeisterin beließ es nicht bei einer klassischen Dankesrede. Sie suchte das Gespräch, zog von Tisch zu Tisch, hörte zu, feierte mit den Bürgern. Sie wollte wissen, wer die Menschen sind, die Odenthal am Laufen halten.
Integration durch Ehrenamt – besser geht es doch nicht
Und zu erzählen gab es viel. Da ist Barbara Dinges, die seit vielen Jahren mit fester Hand und warmem Herzen die katholische Pfarrbücherei leitet. Oder Elmar Forst: Er erhielt von der Bürgermeisterin die goldene Jubiläums-Ehrenamtskarte – für sein jahrzehntelanges Engagement im St. Pankratiusstift. Forst schmunzelte und verriet das Geheimnis seiner Motivation: „Als guter Katholik begleite ich unheimlich gern die evangelische Pfarrerin Claudia Posche.“ Gemeinsam singen sie im Gottesdienst mit Demenzkranken alte Wanderlieder. Das Erstaunliche dabei: „Die Senioren sind absolut textsicher“, berichtet Forst.
Ein Paradebeispiel gelungener Integration steuerte Anja Weyer von der Odenthaler Gemeinde bei. Sie erinnerte an das Jahr 2012, als drei geflüchtete Frauen das örtliche Nähcafé besuchten. Heute, 14 Jahre später, stehen dieselben Frauen auf der anderen Seite des Tisches. Sie arbeiten mittlerweile selbst ehrenamtlich in der Kleiderkammer. Weyers Fazit bringt es auf den Punkt: „Integration durch Ehrenamt – besser geht es doch nicht.“ In dieselbe Kerbe schlägt Norbert Selzer, der sich seit Jahren im Aktionskreis Asyl und neuerdings im Verein „Demokratie und Vielfalt“ für das gesellschaftliche Miteinander stark macht.
Die Ehrenamtsbörse gilt in der Gemeinde als unverzichtbar
Dass Ehrenamt Freundschaften schmiedet, beweisen Sandra Berning und Birgit Carl. Die beiden kennen sich seit der Kindergartenzeit ihrer Kinder und bilden seither ein eingespieltes Zweierteam. Gemeinsam haben sie die Fördervereine von der Kita über die Grundschule bis hin zum Gymnasium Odenthal geprägt und gestützt. Um Kultur und Gemeinschaft geht es auch bei Barbara Häuser, der Leiterin des Kulturspiegels Odenthal, sowie bei Gabriele Helling. Letztere singt im Kirchenchor und nutzte die Gunst der Stunde für einen charmanten Aufruf: Der Chor sucht dringend Nachwuchs.
Die Fäden im Hintergrund zieht Sylvia Schmitz, die Leiterin der Ehrenamtsbörse Odenthal. Seit einigen Jahren steuert sie die Vermittlung der Freiwilligen. Für diesen Nachmittag hatte sie nicht nur ein kleines Kulturprogramm inklusive Poetry-Slam organisiert, sondern auch einige Überraschungen parat. Die Ehrenamtsbörse gilt in der Gemeinde als unverzichtbare Drehscheibe: Sie berät Interessierte, vermittelt passgenaue Aufgaben und sorgt mit der Vergabe der landesweiten Ehrenamtskarte für die verdiente Anerkennung der Bürger, die pro Woche mindestens fünf Stunden oder 250 Stunden im Jahr unentgeltlich für das Gemeinwohl opfern.
Einen besonderen Akzent setzten die Eheleute Simon-Sander. Sie hatten eigens für die Feier eine kleine Hymne auf das Lied „Eine Seefahrt, die ist lustig“ gedichtet. Als der Refrain erklang, sangen viele im Biergarten mit: „Gute Taten da und dort und irgendwo“ – eine Zeile, die das Lebensgefühl dieses Nachmittags perfekt einfing.
