„Haben keine Alternative“Geflüchtete sollen auf Odenthaler Friedhof untergebracht werden

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Es ist die Integrationsbeauftragte Claudia Kruse (links) und Case-Managerin Carola Asch bei der Inspektion der Trauerhalle auf dem Friedhof Selbach zu sehen.

Integrationsbeauftragte Claudia Kruse (links) und Case-Managerin Carola Asch bei der Inspektion der Trauerhalle auf dem Friedhof Selbach.

In Odenthal sind die Unterbringungsmöglichkeiten knapp. Daher soll nun eine Trauerhalle als Notunterkunft hergerichtet werden. 

Das große, dunkle Kreuz beherrscht die Stirnwand des Gebäudes. Ansonsten wirkt der Raum karg, wird nur für die ab und zu hier stattfindenden Abschiedsfeiern geschmückt. Doch die Trauerhalle auf dem Friedhof Selbach könnte schon bald das vorübergehende Zuhause für geflüchtete Menschen werden. Auf diese Option bereitet sich die Gemeinde jedenfalls vor.

Denn mit insgesamt 453 Flüchtlingen, die bereits heute in den Unterkünften in drangvoller Enge einquartiert sind, – 72 kamen neu seit Jahresbeginn – seien die Kapazitäten erschöpft, so Integrationsbeauftragte Claudia Kruse. „Wir haben keine Alternative“, bedauert sie.

Weitere 100 Zuweisungen in Aussicht

Zwar hatte die Gemeinde von der Bezirksregierung Arnsberg eine vorübergehende Zuweisungspause erbeten, um die neuen Flüchtlingscontainer in Osenau belegen zu können, doch im Rathaus ahnt man, dass dies nur eine Atempause ist: „Wir rechnen mit weiteren 100 Zuweisungen“, meint Bürgermeister Robert Lennerts (parteilos).

Es ist die Trauerhalle zu sehen.

Die Halle in Selbach wird nach Auskunft der Verwaltung bisher ausschließlich für Trauerfeiern genutzt.

Die Einquartierung von Geflüchteten in den örtlichen Sporthallen, wie in der Vergangenheit bereits geschehen, hatte Lennerts vor einiger Zeit kategorisch ausgeschlossen. Stattdessen fordert er die Änderung der Verteilungsquote, die immer noch nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel erfolgt.

Berechnung nach Bevölkerungszahl 

Dieser berechnet die Zuweisungen von Geflüchteten nicht nach den tatsächlich vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten, sondern nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl. Die Halle in Selbach wird nach Auskunft der Verwaltung bisher ausschließlich für Trauerfeiern und nicht als Leichenhalle genutzt.

Sie verfügt nicht über entsprechende gekühlte Kabinen und soll deshalb kurzfristig so umgestaltet werden, dass hier Schlafplätze für maximal 15 Personen entstehen. Der Trauerraum, der dann zum Schlafsaal werden würde, soll mit Etagenbetten ausgestattet, ein Nebenraum als Küche eingerichtet, die große Fensterfront zum Friedhof teilweise mit Folie blickdicht abgedeckt werden.

18 Quadratmeter für vier Personen

Eine Toilette und eine Dusche sind bereits vorhanden, wenn auch in wenig einladendem Zustand. Der Weg zu den Sanitärräumen führt durch einen Abstellraum, in dem die Bretter für frisch ausgehobene Gräber aufbewahrt werden. Sie sollen künftig hinter einem Sichtschutz verborgenen werden.

Es sind die sanitären Anlagen zu sehen.

Eine Toilette und eine Dusche sind bereits vorhanden.

„Das ist wirklich keine schöne Situation“, gibt Carola Asch zu, Case-Managerin der Verwaltung. „Die Leute kommen auch mit einer Erwartungshaltung nach Deutschland und die deckt sich dann nicht mit der Realität.“ Inzwischen müsse man in Odenthal vier Personen auf 18 Quadratmetern unterbringen.

Es ginge nur noch um ein Dach über dem Kopf

In dieser Notlage sei die Umwandlung der Trauerhalle, die nur selten genutzt werde, die schnellste Lösung, erklärt Claudia Kruse. Zudem versuche man noch einen als Jugendtreff gedachten Raum an der Grundschule in Neschen umzuwidmen. Dazu fehlten aber noch sanitäre Anlagen.

Gleichzeitig versuche man, Häuser oder Wohnungen in Odenthal anzumieten oder zu erwerben. Bei den am Ort herrschenden Immobilienpreisen ein schwieriges Unterfangen. Und der Neubau von Unterkünften dauere einfach zu lange. Zudem sind auch Gemeindegrundstücke Mangelware.

„Für mich ist das alles andere als eine adäquate Unterbringungsmöglichkeit“, sagt Bürgermeister Lennerts am Rande einer Tagung in Berlin. „Wir versuchen, Obdachlosigkeit zu verhindern. Es geht nur noch um ein Dach über dem Kopf und die nötige Infrastruktur.“

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