Herbert Reul ist häufiger vor Ort in Odenthal, unterstützt im Wahlkampf, wenn er kann, und kam auch zum Frühlingsempfang der CDU.
„Sagen Sie danke“Über Vertrauen und Sorgen sprach NRW-Innenminister Herbert Reul beim CDU-Frühlingsempfang in Odenthal

Waren neben Herbert Reul (1.v.r.) ebenfalls zum Frühjahrsempfang der CDU gekommen: die CDU-Politikerin Nicola Ciliax-Kindling und Odenthals Bürgermeisterin Laura Lundberg (CDU, v.l.).
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Auf dem Weg nach Odenthal sah man schon den Vespa-Club zur ersten Ausfahrt des Jahres im Bergischen starten. Wer ein Cabrio als Oldtimer fuhr, öffnete das Verdeck. Beides untrügliche Zeichen für Sonne und Wohlfühltemperaturen. Bei diesem Wetter hatte die CDU Odenthal am Sonntag zu ihrem Frühjahrsempfang geladen. Und trotz Traumwetters war der Saal im Herzogenhof brechend voll.
Dafür bedankte sich Christoph Jochum, der Vorsitzende des Ortsverbandes. Und der erste Gast, den er an diesem Vormittag begrüßte, war zugleich der Grund für die vielen Besucher: der Innenminister des Landes, Herbert Reul (CDU). Reul hat zwar überall in NRW viele „Fans“, doch hier in Odenthal besonders viele. Er ist häufiger vor Ort, unterstützt im Wahlkampf, wenn er kann, und kommt bei vielen ehrenamtlichen Aktionen vorbei.
Laura Lundberg will in Odenthal etwas bewegen
Zuerst zog jedoch Laura Lundberg ein kleines Resümee. Seit 128 Tagen – sie habe genau nachgerechnet, versicherte sie – ist sie als Bürgermeisterin der Gemeinde im Amt. Ihr Thema: der Zustand unseres Rechtsstaats. „Vertrauen entsteht auf der kommunalen Ebene. Hier vor Ort entscheidet der Bürger, ob der Staat funktioniert oder nicht“, stellt die Bürgermeisterin fest. Sie wolle in Odenthal etwas bewegen und fasst das in zwei Verben zusammen: umsetzen und machen.

Sprach zu den Gästen im Bürgerhaus Herzogenhof: der Vorsitzende des Ortsverbandes Christof Jochum (CDU, r.)
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Ihr Tun soll für alle transparent sein. „Im Wahlkampf war es einfach. Es gab einen Tisch, wir konnten direkt reden“, schildert sie. Das möchte sie fortführen. Sie spricht mit Schülerinnen und Schülern. Sie will den Kontakt mit den Bürgern so gestalten, dass jeder kurz vorbeikommen kann – notfalls nur für einen Moment. Sie geht auf ihre erste Entscheidung ein: Damit der Schulbau der Grundschule vorangeht, hat sie den Skaterpark als Standort für die Behelfsschule bestimmt. Außerdem wünscht sie sich für das Investitionspaket des Bundes, dass alle mitentscheiden können, welche Projekte wann in Angriff genommen werden. Dazu gebe es nun Kommunikation auch in den sozialen Medien – eben dort, wo sie die Menschen findet.
Reul will nicht um Probleme herumreden
Herbert Reul stellte als Erstes fest: „Sicherheit ist die Grundlage von Freiheit!“ Und obwohl wir in Deutschland sicher und frei leben, bereitet ihm Sorgen, dass 75 Prozent der Bevölkerung dem Staat misstrauen. Wie schnell bei solcher Stimmung etwas kippen kann, wenn die falsche Partei gewählt wird, zeige der Blick auf die NSDAP: „Drei Monate später gab es das erste KZ.“

Ebenfalls schaute Rainer Deppe (CDU, r.) beim Empfang vorbei.
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Für das fehlende Vertrauen identifizierte er zwei Probleme. Erstens: Zu oft werde um Probleme herumgeredet. Doch es sei wichtig, alle Themen offen anzusprechen. Er erinnert an seine Aussage zur Clankriminalität vor einigen Jahren: Die Kriminalität gehe auf 100 Familien zurück. Man habe ihm vorgeworfen, er bezeichne nun jeden mit entsprechendem Familiennamen als Kriminellen. „Das ist Quatsch“, sagt er bis heute.
Danke zu sagen empfiehlt Reul als Möglichkeit, Vertrauen zu schaffen
Zweitens: Versprich nicht die große Lösung – liefere kleine Schritte, die funktionieren. Er bleibt beim Beispiel. „Wir haben jedes Vergehen konsequent verfolgt.“ Die Familien hätten gesagt, sie hätten ihre eigene Rechtsprechung. Doch die Polizei habe mit häufigen Razzien nach und nach klar gemacht, dass in Deutschland Gerichtsbarkeit und das Gewaltmonopol beim Staat liegen. „Hätte ich die Familien zu einem Vortrag in die Grugahalle einladen sollen?“, fragt er scherzhaft. Manches sei besser geworden, aber längst nicht alles gelöst.
Er weist noch auf einen dritten Weg hin, Vertrauen zu schaffen. „Sagen Sie danke!“ Nach Demonstrationen habe er die Einsatzleiter der Polizei angerufen. „Die sind vom Stuhl gefallen“, schildert er. Er habe ihnen gesagt: Ich habe mir am Wochenende Stress gemacht, ob die Demonstration gut verläuft. Da müsse doch jetzt fünf Minuten Zeit sein, denen zu danken, die das möglich gemacht haben.
Nach diesem Tag hat Reul in Odenthal noch mehr Fans. Er präsentierte sich als Mann, der Probleme nicht scheut, und als Politiker, der nicht das Blaue vom Himmel verspricht, sondern auf Augenmaß besteht. „Es geht halt nicht alles. “
