Bergisch Gladbach – Nicht nur mit Herz und Verstand, sondern auch mit Sachkenntnis und viel Leidenschaft sei Otto Fell Stadtdirektor gewesen, würdigte der heutige Rathauschef, Bürgermeister Lutz Urbach, am Sonntag einen langjährigen Vorgänger an der Spitze der Kreisstadt beim Empfang zu dessen 80. Geburtstag.
Schon 1966, als Otto Fell zum Beigeordneten der alten Stadt Bergisch Gladbach gewählt worden sei, habe man in der Stadt erkannt, "welches Talent man sich da an Land gezogen hatte", so Urbach. So sei es nur konsequent gewesen, dass Fell 1970 Stadtdirektor wurde und auch nach der Fusion mit Bensberg an der Spitze der neuen Stadt Bergisch Gladbach geblieben sei. "Das muss Mitte der 70er Jahre ja wie ein Krimi gewesen sein", vermutete Urbach mit Blick auf die turbulente "Hochzeit" der Städte.
Als Fell 1995 verabschiedet wurde, sei im wahrsten Sinne eine Ära zu Ende gegangen, stellte Urbach fest und wies darauf hin, dass sich "Ära" von "Erz" ableite, dem Rohstoff, aus dem Geld gemacht werde. "Die harte Fell-Währung hat sich für die Stadt ausgezahlt", zog er die Bilanz aus Fells Amtszeit. In der wurden, wie berichtet, weite Teile der Infrastruktur in der Kreisstadt geschaffen - von den Sportanlagen über Kulturstätten wie Bergischer Löwe oder Städtische Galerie Villa Zanders bis hin zu Verkehrsbauwerken wie dem Gladbacher Tunnel. Auch wenn es in Fells Amtszeit trotz der damals noch wirtschaftlich "fetten Jahre" nicht gelungen ist, die Verkehrsprobleme gerade der Stadtmitte in der Anbindung ans überregionale Verkehrsnetz in den Griff zu bekommen, und einige damals entstandene Bauwerk e später kritisiert wurden - vieles Gute habe bis heute Bestand, so Urbach. Fell sei ein sehr bescheidener Mensch, "und trotzdem warst du, was wir heute einen Macher nennen", so der Bürgermeister zum Jubilar. Das betreffe auch Fells "Pingeligkeit". So sei es dem Stadtdirektor stets ein Gräuel gewesen, wenn Bergisch Gladbach mit Bindestrich geschrieben worden sei. Als dennoch einmal 5000 Stadtpläne mit Bindestrich-Fehler gedruckt worden waren, erhielten die Mitarbeiter flüssiges Tipp-Ex und "durften" den Fehler korrigieren, erinnerte Urbach.
"Ich bin kein Denkmal", sagte das "Geburtstagskind" selbst, wollte damit aber nicht zu (Selbst-)Kritik an seiner Amtszeit überleiten, sondern mit einem Augenzwinkern feststellen, dass einige Denkmäler in Deutschland nicht so gut erhalten seien und er sich deshalb Spenden zugunsten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gewünscht habe. "Ich freue mich, dass ich meinen 80. Geburtstag an meiner langjährigen Wirkungsstätte feiern darf - mit Wegbegleitern aus acht Jahrzehnten."
