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PCB-Belastung Grundschule VilkerathPolitik empört über fehlende Informationen

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Wie geht es mit dem Gebäude der Grundschule Vilkerath weiter?

Wie geht es mit dem Gebäude der Grundschule Vilkerath weiter?

Overath – Nachdem bekannt geworden ist, dass die Öffentlichkeit in Sachen PCB-Extremwerte in Vilkerath verspätet informiert wurde, hat sich die Overather Verwaltungsspitze am Mittwochabend im Rat viel Kritik anhören müssen. In der Sache selbst scheint alles auf einen Neubau der mit mehr als 3000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft belasteten und deshalb seit August gesperrten Turnhalle hinauszulaufen. Allerdings weiß die Stadt noch nicht, wie die Situation an den übrigen Overather Schulen aussieht: Immer noch stehen die Messergebnisse weiterer Schulen aus.

Erst Lösungen suchen

Bürgermeister Jörg Weigt (SPD) räumte in der Ratssitzung ein, dass das Vilkerath-Gutachten der Stadt seit dem „25. oder 26. September“ vorliege. Die Stadt habe die „Zahlen nicht einfach nach draußen pusten“, sondern zunächst einen Lösungsvorschlag erarbeiten wollen. Diesen hätte die Stadtverwaltung dem Rat dann in nicht öffentlicher Sitzung präsentieren wollen. Mit diesen Angaben räumte der Verwaltungschef indirekt ein, tags zuvor gegenüber dieser Zeitung zunächst falsche Angaben gemacht zu haben.

Weigt hatte am Dienstagmittag in einer E-Mail an die Redaktion mitgeteilt, dass er „noch keine schriftliche Mitteilung über die Nachmessung erhalten“ habe. Und: „Das Ergebnis der Nachmessung steht noch aus.“ Gegen 16 Uhr gab der Bürgermeister seinem erkrankten Bauverwaltungsamtsleiter schließlich doch grünes Licht, mittlerweile schriftlich eingereichten Fragen zu beantworten. Grünen-Fraktionschefin Dagmar Keller-Bartel sagte in der Ratssitzung, die am Mittwoch in der Aula des Schulzentrums stattfand, sie begrüße, dass die Ergebnisse in der Zeitung gestanden hätten.

Die Grüne zum Bürgermeister: „Ich kann gut verstehen, dass Sie einen Lösungsvorschlag erarbeiten wollen, aber ich hätte erwartet, dass Sie zunächst einmal die Ergebnisse darstellen.“

Erhebliche Auswirkungen auf Haushalt

Dagegen sagte Schul-Beigeordneter Bernd Sassenhof (FDP): „Es ist niemandem ein Schaden zugefügt worden.“ Die Halle sei gesperrt und der Schule und den Vereinen mitgeteilt worden, dass die Turnhalle „bis auf Weiteres“ nicht nutzbar sei. In der Fraktionsvorsitzendenbesprechung sei auch darauf hingewiesen worden, dass die Messergebnisse von drei Schulen noch ausstünden. Jedoch fielen die Messergebnisse der Turnhalle Vilkerath „völlig aus dem Rahmen“.

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Die zu ziehenden Konsequenzen würden erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt haben. Aus diesem Grunde habe die Verwaltungsführung das Thema zunächst in Ruhe „intern diskutieren“ wollen, um „sehr wahrscheinlich einen neuen Invest präsentieren“ zu können. „Es geht um ziemlich hohe Summen. Wir müssen diese Dinge erst einmal intern klären und mit Ihnen beraten, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen und sagen, was wir mit dieser Turnhalle vorhaben.“ Keller-Bartel erwiderte, es seien zwei verschiedene Paar Schuhe, einerseits die Öffentlichkeit zu informieren und sich andererseits Gedanken darüber zu machen, was weiter zu geschehen habe.

Darauf Weigt: „Was wollen Sie denn mit der Information als solcher?“ Keller-Bartel: „Das müssen Sie schon mir überlassen.“ SPD-Fraktionschefin Ruth Rocholl pflichtete der Grünen bei: „Die Information, dass die Halle gesperrt bleibt, weil die Schadstoffbelastung exorbitant hoch ist, steht uns allen zu.“ CDU-Ratsherr Alexander Willms kommentierte Weigts Gegenfrage: „Diese Frage zu stellen, ist schon grenzwertig. Ich möchte nicht wissen, was mit Ihrem Vorgänger passiert wäre, wenn er das gemacht hätte.“

21 Millionen Euro Sanierungskosten

Willms erinnerte daran, dass im Zusammenhang mit dem Schulzentrum Cyriax von 21 Millionen Euro Sanierungskosten die Rede sei und bei der Sanierung der gleichfalls PCB-belasteten Grundschule Heiligenhaus von acht Millionen. Nun höre er, dass in Vilkerath erneut 1,5 Millionen Euro fällig werden könnten.

Auch CDU-Fraktionschef Oliver Hahn stellte klar: „Ab dem Moment, in dem die Werte im Haus bekannt waren, hatte die Öffentlichkeit ein Recht auf Information. Und zwar die gesamte Öffentlichkeit.“ Peter Schwamborn (FDP) beklagte, dass sowohl die Schule als auch der Sportverein sehr dürftig informiert worden sei. Es gehe nun darum, schnell voranzukommen: „Der Sportverein weiß nicht, was er machen soll, und die Schule weiß es auch nicht.“ Auf die weitere Nachfrage von CDU-Ratsfrau Nicole Werdel, wie es denn um Messergebnisse der übrigen Overather Schulen stehe, kündigte Beigeordneter Sassenhof an, dass diese spätestens zu den Haushaltsberatungen am 20. November im Schulausschuss vorgelegt würden.

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