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LesungNRW-Innenminister Herbert Reul gibt Einblicke in sein Arbeitsleben

4 min
Zwei ältere Männer sitzen auf einer Bühne und sprechen miteinander.

Herbert Reul im Gespräch mit Buchhändler und Moderator Alexander Bücken im Overather Kulturbahnhof. 

Statt einer klassischen Lesung erzählt der NRW-Innenminister von Fehlern, Reformen und seinem Rezept gegen Clankriminalität.

„Ein Buch schreibe ich nie.“ Mit diesem Satz begann Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul seine Lesung im Kulturbahnhof Overath. Dass er seine Meinung inzwischen geändert hat, erklärte er den rund 150 Gästen am Donnerstagabend gleich selbst: Mit einem Buch könne er Menschen erreichen, mit denen er sonst nicht ins Gespräch komme. Unter den Zuhörern waren Bürgermeister Michael Eyer, frühere Bürgermeister, Vertreter aus Politik, Polizei und Sicherheitsbehörden sowie zahlreiche interessierte Bürger.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der ersten stellvertretenden Bürgermeisterin Christiane Schloten (CDU). „Es ist eine Veranstaltung für alle Overather“, betonte sie zur Begrüßung. Gleichzeitig sprach sie sehr persönlich über ihre Erfahrungen als Kommunalpolitikerin. Anfeindungen und Bedrohungen gehörten mittlerweile zum politischen Alltag. Auch ihre eigenen Kinder machten sich deshalb manchmal Sorgen um ihre Sicherheit.

Ein persönlicher Abend

Eigentlich waren 40 Minuten Lesung geplant. Doch schnell wurde daraus ein persönlicher Abend. Immer wieder legte Reul sein Buch „Sicherheit – Was sich ändern muss“ beiseite und erzählte frei von seiner jahrzehntelangen politischen Laufbahn, von Erfolgen, Niederlagen, Fehlentscheidungen und der Bereitschaft, eingefahrene Denkweisen zu verändern.

Dass er mit seinem Buch etwas bewegen möchte, machte Reul immer wieder deutlich. So verwies er auch auf eine aktuelle Umfrage, nach der 73 Prozent der Deutschen dem Staat nicht mehr vertrauten. Dieses Vertrauen zurückzugewinnen sei eine der größten Aufgaben von Politik und Sicherheitsbehörden.

Ergänzungen mit Anekdoten

Immer wieder ergänzte der Innenminister die Inhalte seines Buches mit persönlichen Anekdoten. Dabei rückte der eigentliche Text häufig in den Hintergrund. Offen sprach Reul über Fehler, die ihm und seinem Ministerium unterlaufen seien. Entscheidend sei, daraus zu lernen und Probleme Schritt für Schritt anzugehen. „Keine großen Sprüche klopfen“, lautete seine Botschaft. Er selbst habe das früher durchaus getan, sagte er selbstkritisch. Heute wolle er Probleme nach und nach lösen. Nur so könne Politik mit Taten Vertrauen zurückgewinnen und das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken. Wohlstand könne nur dort entstehen, wo Sicherheit herrsche.

Wie Kriminalität wirksam bekämpft werden könne, erläuterte Reul anhand konkreter Beispiele. Straftäter müsse man dort treffen, wo es ihnen wirklich weh tue. Rockergruppen nehme man ihre Motorräder, kriminellen Clans ihre Häuser oder andere Vermögenswerte. Das sei rechtlich nicht immer einfach, räumte der Innenminister ein. Er setze deshalb auf das Prinzip der „1000 Nadelstiche“ – konsequente Maßnahmen, die immer wieder deutlich machten, dass sich Straftaten nicht lohnten.

Zusammenarbeit bei Kriminalitätsbekämpfung

Ein zentrales Thema des Abends war außerdem die Zusammenarbeit verschiedener Behörden. Ob bei der Bekämpfung von Clan-Kriminalität, der Sicherheit im öffentlichen Raum oder im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch – „als Einzelkämpfer schafft man es nicht“, betonte Reul. Gerade der Missbrauchsfall von Lügde habe schonungslos offengelegt, wo Polizei und Behörden Schwächen hatten. Die Konsequenz sei gewesen, Abläufe grundlegend zu verändern und die Digitalisierung der Polizei deutlich voranzutreiben. Informationen könnten heute schneller erfasst, miteinander verknüpft und ausgewertet werden. Das sei kein einfacher Prozess gewesen, erleichtere die Polizeiarbeit heute aber erheblich.

Mit dem Thema Kindesmissbrauch schlug Reul auch den Bogen zur Opferhilfe. Unter den Gästen waren zwei Vertreterinnen des Weißen Rings. Deren Arbeit würdigte der Innenminister ausdrücklich. Selbst wenn Täter gefasst seien, müssten die Opfer häufig noch viele Jahre mit den Folgen der Taten leben.

Fragen des Publikums beantwortet

Im Anschluss an die Lesung sprach Buchhändler Alexander Bücken mit Reul auf der Bühne. In einer offenen Fragerunde beantwortete der Innenminister die Fragen des Publikums. Seine offenen und häufig selbstkritischen Antworten wurden immer wieder mit Applaus bedacht.

Für Organisatorin Christiane Schloten ging damit ein Jahr Vorbereitung erfolgreich zu Ende. Sie freute sich über die große Resonanz und die offene Atmosphäre des Abends. Der Leichlinger Reul, der zudem direkt gewählter Landtagsabgeordneter für Overath, Kürten, Odenthal, Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen ist, genieße im Kreis große Anerkennung. Schloten hofft, dass viele Besucher den Kulturbahnhof mit mehr Vertrauen in die Politik und einem gestärkten Sicherheitsgefühl verlassen haben.