Die Overather Kirmestradition, den "Nubbel" zu verbrennen, zieht immer mehr Teilnehmer aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen an.
Mit VideoRekord-Geleitzug für Nubbel nach der der Overather Kirmes

Längst nicht mehr nur Männersache ist die Tradition des Nubbelumzugs vor dem offiziellen Finale der Kirmestage in Overath.
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Ein bisschen Wegzehrung für die letzte Reise kann nicht schaden. Und so kommt die erste Stärkung für den Nubbel und seine Trauergemeinde, die traditionell zum Abschluss der Overather Kirmes durch die Straßen zieht, diesmal sogar von ganz oben: Kaum hat sich der ungewöhnliche Leichenzug in Bewegung gesetzt, lässt Hedi Büscher vom Balkon einen Korb mit Leckereien hinab. Dann kann es losgehen auf jene letzte Runde, mit der in Overath traditionell nicht nur die Kirmes, sondern das gesamte Stadtfest endgültig zu Ende geht.
Und die Trauergemeinde ist in diesem Jahr so groß wie wohl noch nie. 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in weißen Hemden und mit Zylindern begleiten die Strohpuppe durch die Stadtmitte. Organisator und Overather Ehrenbürger Norbert Kuhl kann sich jedenfalls nicht daran erinnern, dass es jemals mehr gewesen seien. Längst ist der einstige Männerzug dabei auch keine Männerdomäne mehr.

Ehrenbürger Norbert Kuhl (sitzend) organisiert die Nubbelverbrennung zum Abschluss der Kirmestage in Overath seit mehr als 25 Jahren. Mittlerweile sind auch seine Enkel dabei.
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Prominente Verstärkung gibt es diesmal zudem aus dem Karneval: Das angehende Overather Prinzenpaar Heike Kunz und Dirk Karstädt zieht mit. Warum sie sich dem Trauerzug angeschlossen haben? „Weil unser Prinzenführer gesagt hat, wie toll das ist“, verraten die beiden. Und der muss es wissen: Prinzenführer und Prinz a.D. Andreas Lüdenbach ist selbstverständlich ebenfalls dabei und trägt den Nubbel mit zu Grabe – oder, genauer gesagt, fährt ihn auf einer Rolltrage zu seiner späteren Feuerbestattung.
Den letzten Weg tritt der Nubbel nicht mit leerem Magen an
Seinen letzten Weg muss der Delinquent immerhin nicht mit leerem Magen zurücklegen. Nach der Wegzehrung vom Balkon folgt der erste Einkehrschwung bei Oliveto. Für den guten Tropfen bedankt sich die Trauergemeinde standesgemäß mit edlem Gesang. Weiter geht es zum Bergischen Hof und anschließend zu „Trismar Da Nino“.

Friedel Brenner, Micky Sülz und Benedikt Promberger (v.r.) haben die Strohpuppe des Nubbels gebaut.
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Dort servieren Christina Marino und Alexandra Koloziexczyk sogar Pizzastücke für die gesamte Trauergesellschaft – stilecht auf dem Bauch des Nubbels. Der lässt die ungewöhnliche Bewirtung regungslos über sich ergehen. Schließlich ist er einiges gewohnt.
Strohpuppe aus Rohstoffen von beiden Overather Höhenzügen
Gebaut haben ihn in diesem Jahr Benedikt Promberger, Friedel Brenner und Micky Sülz. Das Stroh stammt gleich von zwei Overather Höhenzügen: von den Eulenthaler Höhen, beigesteuert von Günter Löffelsender, und vom Heiligenhauser Höhenrücken von Landwirt Thomas Wester. Simon Stachowiak spendierte dem Nubbel einen Anzug aus dem eigenen Kleiderschrank. Für einen einigermaßen komfortablen Transport sorgte das Deutsche Rote Kreuz in Bergisch Gladbach mit der ausgeliehenen Rolltrage.

Christina Marino und Alexandra Koloziexczyk am TrisMar Da Nino servieren Pizzastücke – auf dem Nubbel.
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Mit kräftigen Schlägen auf die „dicke Trumm“, die Matthias Bremer auf Rädern durch die Stadt bugsiert, zieht die Gesellschaft samt Nubbel anschließend durch die Unterführung unter den Bahngleisen zum zweiten Da-Nino-Stopp am Bahnhofplatz. Dann geht es über die Hauptstraße ans andere Ende der Stadtmitte. Am „Café Lukas“ warten Maria und Jürgen Schmidt bereits mit der nächsten Stärkung. Schließlich steht nur noch die Zielgerade bevor: durch den Kreisel an der Siegburger Straße zum Dom-Hotel im Schatten von St. Walburga.

In der Feuertonne vorm Dom-Hotel an St. Walburga endet der letzte Zug des Nubbels durch die Gemeinde.
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Dort wartet eine besonders große Trauergemeinde – und vor allem die Feuertonne. Nun schlägt die Stunde von Norbert Kuhl. In der traditionellen Nubbel-Litanei lädt er der Strohpuppe noch einmal all das auf, was während der Kirmestage an kleinen und größeren Verfehlungen zusammengekommen sein mag. Dann gibt es kein Entrinnen mehr. Gemeinsam mit Martin Dickmann und dessen Feuerteam überantwortet Kuhl den Nubbel den Flammen. Das Ende eines Stadtfestes mit Kirmeswurzeln – und eines Brauchs, der in Overath offenbar eher wächst als verschwindet.
Der Nubbel jedenfalls ist dahin. Bis im nächsten Jahr wieder einer für die Sünden der Kirmestage geradestehen muss.
