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RadtourRadeln durchs Bergische mal ganz ohne Berge

5 min

Ein typisches Bild für die Tour: Auf weiten Strecken verläuft der Radweg direkt neben Agger oder Sülz – und neben der Straße.

  1. Unsere Radtour durch das Bergische führt von Overath über Lohmar und Rösrath.
  2. Es ist eine ideale Tour für Familien und/oder Genießer.

Rhein-Berg/Rhein-Sieg – Eine Radtour durchs Bergische ohne Berge? Doch, das geht. Allerdings mit einem kleinen Trick, denn bei unserem Rundweg von Overath über Lohmar und Rösrath fahren wir die letzten Kilometer mit der Bahn – durch den Berg hindurch, der Sülz- und Aggertal trennt. Es ist eine ideale Tour für Familien und/oder Genießer.

Wir starten am Bahnhof in Overath. Auf dem Park-and-ride-Parkplatz gibt es in der Regel genügend Plätze für alle, die mit ihrem Fahrrad auf dem Dach anreisen. Und auch für Bus- und Bahnanreisende ist der Ausgangspunkt ideal.

Es geht in Richtung Schulzentrum Cyriax über die Agger. Hinter dem Schulzentrum fahren wir auf die erste Sehenswürdigkeit zu: Gut Eichthal. Wir können mit dem Fahrrad links vorbeifahren oder das Rad durch die Anlage schieben. Es ist ein Fußweg, Radfahren ist nicht erlaubt. Auch wenn dort in der Regel kein Mensch lustwandelt.

Insgesamt hat das Projekt, das in erster Linie der Umweltbildung diesen soll, 3,8 Millionen Euro gekostet, von denen die Stadt Overath 1,4 Millionen beisteuerte. Unter einer großen Eiche gibt es eine schöne Sitzgelegenheit, dort können wir das ganze Ensemble mit den Pavillons, die man auch für Feiern mieten kann, und Brücken auf uns wirken lassen und uns wundern: Wofür Land und Kommune, beide total pleite, doch Geld ausgeben können.

Weiter geht es auf dem Radweg neben der Siegburger Straße. Er ist für den Rheinisch-Bergischen Kreis eine echte Besonderheit: breit und gut befahrbar. Zwar quetscht er sich zwischen Agger und Straße, aber das nehmen wir als stressgeplagte Radler aus Rhein-Berg gern in Kauf. Wir können nebeneinander fahren, quatschen – müssen aber natürlich nicht. Es geht durch eine schöne Landschaft.

Und nach kurzer Strecke gibt es auch schon wieder die nächste Sehenswürdigkeit. Wir haben die Kreisgrenze hinter uns gelassen und fahren auf Schloss Auel zu. An schönen, warmen Tagen lockt die Außengastronomie. Der Blick in die kleine Kapelle sowieso.

Zurück auf dem Radweg erreichen wir Wahlscheid und verlassen die Siegburger Straße. Es geht durch den Ort. Was in anderen Dörfern ja eher wie eine Drohung klingt. Aber nicht in Wahlscheid. Der kleine Ort lockt mit einer frisch sanierten, gut funktionierenden Durchfahrt und etlichen kleinen Cafés und Restaurants. Der Wahlscheider an sich scheint gern auszugehen. Am Ortsausgang steht noch ein Lebensmitteldiscounter für alle, die lieber einen preiswerten Snack haben wollen.

Wir überqueren die Siegburger Straße und fahren (Achtung !) den Weg flussaufwärts. Also ein Stück zurück. Kurz vor dem Aggerbogen – einer weiteren Sehenswürdigkeit – geht es über die Brücke. Im Flussbogen lockt ein Naturlehrpfad. Landschaftlich beginnt hinter der Brücke der schönste Teil der Strecke. Die Agger schafft ein breites Tal. Unser Weg trennt sich von der Straße. Sie ist weit weg, kaum noch zu sehen und zu hören. So radeln wir durch eine wunderschöne Landschaft bis nach Lohmar.

Dort überqueren wir über eine kleine Holzbrücke die Agger und fahren durch ein ruhiges Wohngebiet bis zu einem echten Knotenpunkt. Wir hören und sehen die Autobahn, und die Idylle hat erst einmal ein Ende. Denn wir verlassen das Aggertal und schwenken ins Sülztal ein. Der Radweg liegt direkt neben der stark befahrenen Sülztalstraße. Aber immerhin: Ein breiter Radweg, in gutem Zustand. Wir passieren die Burg Sülz. Es lohnt sich, diesen Umbau aus der Nähe anzusehen.

Weiter an der Sülztalstraße entlang erreichen wir Rösrath, verlassen die Sülztalstraße und fahren durch ein Wohngebiet zum Schloss Eulenbroich. Wer bis jetzt noch keine Rast gemacht hat – was auf dieser Tour ein Fehler ist – sollte spätestens bei Schloss Eulenbroich vom Rad steigen, sich umsehen und Schautafeln lesen. Und vielleicht auch essen und trinken.

Durch die parkähnliche Anlage geht es in Richtung Hoffnungsthaler Bahnhof. Nirgends auf der Strecke ist es wahrscheinlicher, mit Hundehaltern in Konflikt zu geraten. Der Park am Schloss Eulenbroich ist wohl die beliebteste Ausführstrecke für Vierbeiner weit und breit. Wir verlassen den Park, und was nun folgt, ist der im Vergleich besonders schlecht ausgebaute Radweg der Strecke.

Wir ertragen es und erreichen den Hoffnungsthaler Bahnhof. Von dort geht es durch den Berg nach Overath zurück. 24 kurzweilige Kilometer liegen hinter uns, ohne Steigungen, mit ganz vielen Wohlfühl-Ausblicken. Eine echte Herausforderung gibt es ganz am Ende aber dann doch. Die Räder müssen über eine hohe Treppe getragen werden. Wer immer das Provisorium während des Umbaus des Overather Bahnhofs plante, hatte die geniale Idee, ihn für Rollstühle, Kinderwagen und eben Radfahrer unpassierbar zu gestalten. Gott sei Dank ist das Ende absehbar. Juni 2016 soll der Bahnhof fertiggestellt sein. Und dann macht die Tour noch mehr Spaß.

Ideal für Familien

Diese Radtour besticht durch ihre Lässigkeit. Keine Steigung und keine besonderen Schwierigkeiten sind zu bewältigen. Dafür gibt es eine Menge Gründe, vom Rad abzusteigen und sich umzusehen, zu staunen und zu lesen oder schlicht die Gastronomie zu genießen.

Zeit nehmen sollte man sich für Gut Eichthal, den Aggerbogen und Schloss Eulenbroich. Die Strecke kann mit jedem Rad befahren werden. Rennräder oder Mountainbikes sind aber weniger sinnvoll. Für Familien und kleine Gruppen ist die Strecke ideal.

Die Gesamtlänge beträgt 24 Kilometer, und es hängt vor allem von den Pausen und Besichtigungen ab, in welcher Zeit sie gefahren wird. Die Zugfahrt mit Rad von Hoffnungsthal nach Overath ist nicht billig. Ohne Vergünstigungen kostet sie pro Person 5,60 Euro. Wer die Ausgabe scheut oder schlicht noch Lust hat zu radeln, der kann über den Berg kraxeln. Ein Radweg nach Overath ist ausgeschildert. Aber Vorsicht: Die gute Laune – gerade bei Kindern und zur Tour Überredeten – kann bei dem Anstieg schnell flöten gehen. (nie)