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„Im Turbotempo eingearbeitet“Rhein-Bergs Kulturreferentin wechselt an die Bühnen Köln

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Anna Bründl steht vor einem Gemälde im Kreishaus, das eine Frau zeigt.

Ein Jahr lang prägte Anna Bründl das Kulturangebot des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Anna Bründl, Leiterin des Kulturamts, verlässt zu Ende März den Rheinisch-Bergischen Kreis. Das Kulturprogramm wird weiterlaufen.

Ihre Zeit im Kreis ist bald vorbei: Nach nur einem Jahr verlässt Kulturreferentin Anna Bründl Rhein-Berg und damit etwas früher, als sie eigentlich beabsichtigt hatte. Im März des vergangenen Jahres übernahm sie die Stelle als Elternzeitvertretung für Charlotte Loesch und wollte eigentlich bis zum Sommer dieses Jahres bleiben.

Seit Bründls Start ist im Kreis kulturell viel passiert. Konzerte, Lesungen und natürlich Ausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. So holte sie im Januar beispielsweise Werke von Renate Rüter-Nork und Thunar Jentsch ins Kreishaus und zuletzt auch Bilder von Nadine Jork im Rahmen der Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“. „Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, die Kulturarbeit hier im Kreis abseits der Metropolen gestalten zu können“, sagt sie.

Bründl übernimmt die Geschäftsführung des Depots in Köln

Doch wie es manchmal so ist, ergab sich eine andere Jobmöglichkeit und so heißt es für die 44-Jährige schon bald: Zurück in die Metropole und genauer: nach Köln, wo sie auch lebt. Nach ihrer Zeit im Kreishaus, die zum 31. März endet, übernimmt sie die Geschäftsführung des Depots, der Interimsspielstätte des Schauspiel Köln. Letzteres soll, wenn die Sanierung der Bühnen im Zeitplan bleibt, wieder zurück an den Offenbachplatz ziehen. Im Depot 2, so erzählt es die Leiterin des Kulturamts, wird es dann eine Kooperation von freier Szene und Schauspiel Köln geben. „Und die gilt es für mich zu gestalten und zu entwickeln“, erklärt die Kulturreferentin.

Die Freude auf die neuen Aufgaben sieht man Bründl an. Nichtsdestotrotz werde sie den Kreis und ihr Team vermissen, sagt sie mit einem Lächeln. „Am Anfang war ich überrascht von dem großartigen Publikum hier, von der Community.“ Kulturelle Angebote würden sich im Kreis schneller herumsprechen als in den Großstädten.

Mit Herausforderungen war der Job in Rhein-Berg verbunden

Und mit der Kulturarbeit in diesen hat sie reichlich Erfahrung. Ursprünglich kommt die 44-Jährige aus dem Süden Deutschlands. Sie ist „von Haus aus Theaterwissenschaftlerin“, wie sie sagt, studierte in Berlin und in München. Bründl arbeitete in Theatern, für drei große städtische Festivals in München, auch am Europäischen Zentrum der Künste Hellerau und im Ruhrgebiet. Vor ihrer Station im Kreis war sie beim Impulse Festival des NRW-Kultursekretariats tätig.

In Rhein-Berg als Kulturreferentin zu starten, stellte sie durchaus vor Herausforderungen. „Ich sage immer, ich habe mich im Turbotempo eingearbeitet.“ Spannend sei das für sie gewesen, und auch, im Kreis das Thema Fördermanagement und ihr kuratorisches Wissen zusammenzubringen. Denn das Kulturamt wickelt beispielsweise die regionale Kulturförderung für den Landschaftsverband Rheinland ab. Abgesehen davon gehört es auch zu Bründls Aufgaben, die Kulturangebote des Kreises zu organisieren. Gestartet ist sie mit der Ausstellung „Wald und Sturm“, die Kunst mit Klimawandel verband.

Für Bründl ist Kulturarbeit Demokratieförderung

Was ihr bei den zahlreichen kulturellen Veranstaltungen des Kreises besonders wichtig war: „Verschiedene Menschen zusammenzubringen, sie zu vernetzen“, sagt sie. Hier im Kreis träfen in der Kultur nicht nur Künstlerinnen und Künstler aufeinander, sondern auch Politikerinnen und Politiker sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. „Die Kultur ist wichtig für den Kreis, aber auch für das demokratische Miteinander“, erklärt Bründl. „Wir schaffen Orte der Begegnung. Das ist in heutigen Zeiten, in denen auch viel Spaltung in der Gesellschaft herrscht, wichtiger denn je.“

Schon bald fällt diese Aufgabe wieder Loesch zu, an die Bründl auch die geplante Ausstellung „Spurensuche von Innen nach Außen“ in Kooperation mit dem Atelierhaus Grube Weiß und den Künstlern in Rösrath abgibt. Die wollte Bründl eigentlich im Sommer als Abschluss ihrer Zeit im Rheinisch-Bergischen Kreis eröffnen, doch das Depot 2 ist dazwischen gekommen. Stattdessen wird sie voraussichtlich auf das Frühjahr 2027 verschoben. Dann ist Loesch, die im September ihre Stelle antritt, längst wieder da. „Sie hat einen tollen Arbeitsplatz hier, über den sie sich freuen kann“, sagt Bründl. Sie weiß, wovon sie spricht.