Der Geschichtsverein Rösrath bringt einen Wandkalender mit historischen Fotos des Hoffnungsthaler Fotografen Fritz Zapp heraus.
8000 FotosNeuer Wandkalender aus Rösrath

Die Baustelle am Hoffnungsthaler Eisenbahntunnel samt Arbeiter vor der gewaltigen Tunnelöffnung.
Copyright: Zapp/Geschichtsverein
Ein Fotoschatz auf Schloss Eulenbroich
Auf Schloss Eulenbroich in Rösrath schlummert ein wahrer Schatz. Keine Edelsteine, kein Gold, auch keine digitale Kryptowährung lagert der Geschichtsverein Rösrath dort, sondern 8000 Aufnahmen des 1882 in Kleinbliersbach in den Hoffnungsthaler Bergen geborenen Profi-Fotografen Fritz Zapp. 2007 kam der Verein an einen Großteil des Nachlasses des 1960 verstorbenen Mannes, der wohl wie kein anderer seine Umgebung, die Menschen und ihre Lebensumstände, vor allem in Hoffnungsthal und Umgebung, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit seiner Kamera festgehalten hat.
Einen großen Teil dieses fotografischen Schatzes hat der Geschichtsverein bereits digitalisiert, und als er sich zur Annahme der Fotografien entschloss, verpflichtete er sich zugleich, sie zu veröffentlichen. 2007 und 2014 erschienen so jeweils ein Band der jährlichen Schriftenreihe des Vereins und in diesem Jahr ist es ein hochwertig und aufwändig hergestellter Kalender mit zwölf großformatigen und pro Monat mehreren kleineren historischen Bildern von Zapp.
Kuratiert und gestaltet von Fachleuten aus der Region
„Für die damaligen Verhältnisse hat Zapp sehr professionell gearbeitet – mit einer Plattenkamera.“ Vieles hat er auch im eigenen Atelier gemacht, das er sich hier in Hoffnungsthal gebaut hatte“, sagt Dr. Martin Rüther. Der aus Köln stammende Historiker ist Beisitzer im Vorstand des Geschichtsvereins und hat den Kalender kuratiert und die zeitgeschichtlichen Bilder umfangreich einordnend kommentiert. Den Kalender hat die Grafikdesignerin Marion Externbrink aus Hoffnungsthal gestaltet.
Kostenlos für Mitglieder, 20 Euro für alle anderen
Als Jahresgabe erhält jedes Mitglied des Vereins am Freitag, 6. November, den Wandkalender kostenlos. Dann wird er nämlich um 18 Uhr im Bergischen Saal von Schloss Eulenbroich offiziell präsentiert. Alle Interessierten sind zu freiem Eintritt eingeladen. Denn natürlich kann man das DIN-A3-Werk auch kaufen – für recht günstige 20 Euro. Und dafür bekommt man einiges. Inklusive Titelbild sind es 13 Großformate; auf der jeweiligen Monatsrückseite kommen zudem mehrere kleine Bilder hinzu, die ergänzend zeigen, wie das Leben zu Zapps Zeiten aussah.

Die Macher des Kalenders
Copyright: Klaus Pehle
Zapps Nähe zum NS-Regime wird nicht verschwiegen
Auch dass Zapp selbst offenbar ein Verehrer der Nazi-Diktatur war, wird nicht verheimlicht. Im Gegenteil. So zeigt das November-Motiv Zapps mit Nazi-Propaganda ausgestattetes Atelier. Davor halten zwei Jungs mit der Sigrune auf dem Arm Wache – das Symbol des Deutschen Jungvolks, einer Unterabteilung der Hitlerjugend. Aber los geht es im Januar mit der „Bergischen Schweiz“, wie man die Höhenzüge um Hoffnungsthal zu Hochzeiten des Fremdenverkehrs nannte, als hier vor 100 Jahren Hunderte von Tagestouristen auf Rodelbahnen am Adelenhof oder am „Gasthaus zur Sonne“ die Hänge hinabglitten.
Tunnelbau, Karneval und eine Festhalle aus Metall
Der Bau des Eisenbahntunnels zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist mit einem grandiosen Bild der Arbeiterschaft vor der Tunnelöffnung dokumentiert, der Karneval mit einem vom Rosenmontagszug in Rösrath in den 30er Jahren. Beeindruckend ist auch die Aufnahme, die die Ecke Hauptstraße/Hofferhofer Straße in Hoffnungsthal kurz nach der Jahrhundertwende zeigt. Da, wo heute die Kreissparkasse Köln ihre Filiale hat, hatte ein Gastronom eine stattliche metallene Festhalle errichtet. Bis zu 5000 Tagesgäste waren damals für Hoffnungsthal keine Seltenheit, und sie hatten reichlich Gelegenheit, zu feiern. Noch 1938 gab es hier 19 Gaststätten.
Auflage von 750 Exemplaren
750 Exemplare lässt der Geschichtsverein vorerst drucken. Der erfolgreiche Verkauf der beiden Bände der Schriftenreihe mit Zapp-Fotos lässt auf einen guten Absatz hoffen. „Die beiden Bände haben sich wirklich sehr großer Nachfrage erfreut“, so Nicole Bernstein, die zweite Vorsitzende des Vereins. Die Stadtwerke Rösrath und die Stadt unterstützten die aufwändige Herstellung des Kalenders.
