Der Rösrath Bürgermeister Yannick Steinbach hat sich Forderung nach Lärmreduzierung mit Brief an NRW-Verkehrsminister angeschlossen
Flughafen Köln/BonnIn Rösrath schon heute den Fluglärm von 2030 begrenzen

Am Flughafen Köln/Bonn sollte der Flugbetrieb in der nächtlichen Kernzeit auf zwingend notwendige Frachtflüge beschränkt sein, heißt es in dem Brief des Rösrather Bürgermeisters. Passagierflüge zwischen 0 und 5 Uhr solle man grundsätzlich ausschließen.
Copyright: Symbolbild Foto picture alliance / dpa
Der Flughafen Köln/Bonn zählt zu den europäischen Flughäfen mit den meisten Nachtflügen. Anders als in Frankfurt oder Düsseldorf sind dort Starts und Landungen auch während der nächtlichen Kernzeit erlaubt. Für die Anwohner in den umliegenden Kommunen bedeutet das: kaum Ruhe, auch wenn andere längst schlafen. Insgesamt sind laut Schätzungen rund 450.000 Menschen betroffen. Rösraths neu ins Amt gewählter Bürgermeister Yannick Steinbach will das für die Stadt Rösrath unterstreichen und hat sich nun mit einem Brief an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer gewandt.
Damit folgt Steinbach dem Beispiel seines Amtskollegen Marcel Kreutz aus Bergisch Gladbach. Bereits 2024 war die Stadt Rösrath der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn beigetreten – einem Zusammenschluss von Nachbarkommunen und mehr als 2000 Privatpersonen, die gemeinsam auf spürbare Verbesserungen drängen. Außerdem wirkt die Stadt Rösrath in der Fluglärmkommission mit.
Vor einer möglichen Verlängerung der Betriebsgenehmigung müssen Kommunen und Bevölkerung eingebunden werden.
Der Zeitpunkt für den Brief an den NRW-Verkehrsminister ist kein Zufall. Die Betriebsgenehmigung des Flughafens läuft 2030 aus. Erst kürzlich hatte der Flughafen mit einem Antrag beim Landesministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr das notwendige Verfahren eingeleitet, um den Nachtflugbetrieb am Flughafen Köln/Bonn über 2030 hinaus zu verlängern.
Eine Verlängerung gilt aus wirtschaftlicher Sicht als wahrscheinlich. Der Flughafen ist ein bedeutender Knotenpunkt internationaler Transport- und Logistikketten. Auch der Petitionsausschuss des Bundestages, der sich im Sommer 2025 mit einem möglichen Nachtflugverbot befasst hatte, kam zu dem Schluss, dass nächtliche Flugbewegungen an bestimmten Standorten für den internationalen Anschluss notwendig seien.
Kommunen und Bevölkerung sollen in dem Prozess beteiligt sein
Der Rösrather Bürgermeister Steinbach „will die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens nicht in Frage stellen“. Dennoch fordert er, „auf dem Weg zur möglichen Verlängerung der Betriebsgenehmigung die berechtigten Interessen der fluglärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner stärker zu berücksichtigen“. In diesem Prozess müssten „die betroffenen Kommunen und die Bevölkerung aktiv eingebunden werden“.
Konkret schlägt der Rösrather Bürgermeister wie sein Amtskollege aus Bergisch Gladbach vor, den Flugbetrieb in der nächtlichen Kernzeit auf zwingend notwendige Frachtflüge zu beschränken. Passagierflüge zwischen 0 und 5 Uhr solle man grundsätzlich ausschließen. Betroffene Kommunen und die Bevölkerung müssten in dem Prozess beteiligt werden, um verbindliche Maßnahmen für einen fairen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und gesundheitlichen Belangen zu entwickeln.
Eine Entlastung beim Fluglärm musss man jetzt anstoßen
Der Bürgermeister mahnt zugleich zur Eile: „Das Jahr 2030 mag zu Beginn des Jahres 2026 noch weit entfernt erscheinen. Um jedoch eine spürbare Entlastung beim Fluglärm zu erreichen, müssen die entsprechenden Prozesse bereits jetzt angestoßen werden.“ Nur so könnten notwendige Regelungen rechtzeitig in eine mögliche Verlängerung der Betriebsgenehmigung einfließen – bevor die Weichen endgültig gestellt sind.
2008 hatte der damalige NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) nach einem Antrag des Flughafens die Nachtfluggenehmigung ohne Beteiligung der Betroffenen bis 2030 verlängert. Die Folge sei eine „ungesteuerte Weiterentwicklung“ des uneingeschränkten Nachtflugbetriebs an sieben Tagen die Woche gewesen, so die Vertreter der Fluglärm-Betroffenen. Auch CDU und Grüne hatten in ihrem Koalitionsvertrag für NRW von 2022 als gemeinsames Ziel vereinbart, den Passagiernachtflug in Köln/Bonn merklich zu reduzieren.

