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Aus der HeimatFilm über die Siedlung Volberger Berg zum 60-jährigen Bestehen

5 min

Hoch über Hoffnungsthal liegt die Siedlung Volberger Berg. Der Blick auf das Siebengebirge gehört zu den Vorzügen der Wohnlage.

Rösrath – Auf 60 Jahre blicken die Bewohner der Siedlung Volberger Berg zurück, 1957 fanden dort die ersten Bürger ein neues Zuhause. Damals siedelten sich dort Heimatvertriebene an, doch in sechs Jahrzehnten hat sich das Bild deutlich geändert. Zu den Flüchtlingen von einst sind viele neue Nachbarn gekommen, jeder mit einer anderen Geschichte, Menschen aus Deutschland und anderen Ländern.

Zum Jubiläumsjahr haben Daniel Toelke und Dagmar Jauch ein filmisches Porträt des Volberger Bergs gestaltet. Die beiden Filmprofis leben selbst seit drei Jahren in der Siedlung. Sie haben Nachbarn vor die Kamera geholt und zusammen mit ihnen ein vielfältiges Porträt des Ortsteils gezeichnet.

Die Filmemacher Daniel Toelke und Dagmar Jauch und die ehemalige Ladenbesitzerin Marianne Nevermann (l.) stehen vor der leerstehenden Dorf-Gastwirtschaft „Volberger Höhe“.

„Die Berg-WG“ heißt der Streifen, der online für alle Interessierten zugänglich ist. Im März fingen die beiden Filmer mit ihrem Projekt an, im Juli lag der fertige Film vor – nach ungezählten Stunden Arbeit. Zunächst sei die Dimension des Vorhabens nicht ganz absehbar gewesen, stellt Toelke fest. „Dass daraus ein fast 45-minütiger Film werden würde, haben wir nicht gedacht.“ Jauch weist darauf hin, dass sie mit jeder der etwa zehn porträtierten Person drei bis vier Stunden drehten: „Da kann man sich vorstellen, wie viel Material wir am Ende hatten.“

Mit den Menschen vor der Kamera werden unterschiedliche Facetten der Siedlung lebendig. Jeder Gesprächspartner hat auf die gleichen Fragen geantwortet, das gibt den filmischen Porträts eine Form. Ansonsten spricht das Erzählte für sich. Toelke und Jauch kamen ohne weitere Erläuterungen aus. Immer wieder blickt die Kamera aus der Vogelperspektive auf den Volberger Berg, das gliedert die Darstellung. Im Hintergrund ist dabei das Siebengebirge zu sehen, so entsteht Abstand. Es macht gleichzeitig deutlich, wie viel Nähe in den persönlichen Geschichten entsteht.

Bis Februar 2015 war der Laden von Marianne Nevermann in Betrieb. Kunden konnten sich dort auch mal setzen und in Ruhe erzählen.

So erzählt Marianne Nevermann von dem Tante-Emma-Laden, den sie 57 Jahre am Volberger Berg führte. „Mein Laden war schon aufs Modernste eingerichtet damals“, berichtete sie von den Anfängen im Februar 1958. Sich die Sorgen der Kunden anzuhören, gehörte für sie dazu. Die Gastwirtschaft „Volberger Höhe“ ging zwei Jahre nach dem Laden in Betrieb. Dieter Seibt, gelernter Maurer, baute sie selbst. „Wir hatten Gäste, die gingen abends um 1 oder 2 Uhr nach Hause“, erinnert er sich, „und waren um 10 Uhr morgens schon wieder da, zum Frühschoppen.“

Hamid Mehdiani und Nasrin Niroumand, die aus dem Iran stammen und seit 2006 in der Siedlung wohnen, denken über Identität und Heimat nach. „Für mich ist Heimat da, wo man sich wohlfühlt, wo man sich sicher fühlt“, sagt Niroumand.

Kim Flenskov, der aus Dänemark nach Deutschland kam, sieht eine „egalitäre Struktur“ am Volberger Berg. „Egal, woher man kommt, welche Ausbildung man hat, welche Sprache man spricht, kommt man hier zurecht, wenn man ein bisschen Offenheit hat gegenüber anderen.“ Horst Pitzke zählt zu den ersten Bewohnern, die 1957 auf den Volberger Berg kamen, damals war er 18 Jahre alt. „Die Leute hatten alle die gleichen Probleme, die gleichen Interessen“, erzählt er im Film. In der damals gegründeten Siedlergemeinschaft hätten sie sich ausgetauscht, auch Pitzke engagierte sich. „Das war natürlich eine ganz tolle Sache, die wir hatten hier oben.“

Pitzke hat sich einen rheinischen Akzent angeeignet und sagt: „Für mich ist das hier eigentlich meine Heimat.“ John Gordon, der aus Schottland stammt, hat nun eine zweite Heimat. Sabine Correa-Hamsen hingegen empfindet weiter Neuseeland als ihre Heimat. „Aber ich fühle mich hier zu Hause und möchte erst mal hierbleiben“, hält sie fest.

Der Rübezahl an einer Wand erinnert an die Wurzeln der Bewohner.

Neben dem Thema Heimat geht es im Film immer wieder um die Nachbarn. „Ich erlebe die Nachbarschaft als sehr unterstützend“, sagt Correa-Hamsen über ihre Erfahrungen in der Siedlung. Sigrid Stauf, die auf dem Volberger Berg geboren wurde, bringt eine andere Perspektive ein, das Ergebnis ist nicht weniger positiv: „Ich kenne hier jeden. Ich fühle mich hier wohl und geborgen. Besonders gut gefällt mir, dass wir hier noch Platz haben. Wir haben alle ein bisschen Garten. Und die Siedlung ist wieder jung geworden. Der Generationenwechsel lässt die Siedlung wieder als Dorf erscheinen.“

Mit der Vielfalt der Bewohner, die der Film vorstellt, bekommt er einen anderen Fokus als ein Streifen, den Dieter Porten zum 50. Geburtstag der Siedlung drehte. Er setzte einen historischen Schwerpunkt, blickte auf die Flucht der ersten Bewohner und die Anfänge auf dem Volberger Berg.

Zehn Jahre später war es Christa Porten, die ein neues Siedlungs-Porträt ins Gespräch brachte. Horst Biesner, Vereinsvorsitzender der Wohngemeinschaft Volberger Berg trug die Film-Idee an Toelke und Jauch heran. Sie sagten sofort zu, das Projekt ehrenamtlich zu übernehmen. „Ich hatte hinterher ein schlechtes Gewissen, als ich gehört habe, wie viel Arbeit das war“, erzählt Biesner.

Für die beiden Filmemacher wurde das Siedlungs-Porträt bald zur Herzenssache. Sie lernten neue Nachbarn kennen, der Kontakt zur Siedlung wurde intensiver. Toelke hat sich mit Fernseh-Reportagen und Wissenschaftsfilmen, aber auch Kino-Produktionen profiliert. Heute liegt sein Schwerpunkt bei Firmenporträts und Werbefilmen.

Das Siedlungs-Filmprojekt war etwas ganz anderes. „Ich fand es super, dass alle gesagt haben: Na klar, da machen wir mit“, erzählt er. Stauf, die als Schneiderin arbeitet, machte sich keine Gedanken über den Zeitaufwand für das stundenlange Drehen: „Es ging so schnell, man kommt einfach ins Reden.“ Auch Geigerin Correa-Hamsen, die mit ihren Kindern vor der Kamera musizierte, zieht eine positive Bilanz: „Ich habe das sehr genossen. Für mich war es eine schöne Freizeitaktivität.“

Interessierte können den Film im Internet kostenlos herunterladen.

www.vimeo.com/danieltoelke/die-berg-wg