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RösrathDas sagen Kritiker zu den Plänen rund um Haus Staade

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Eine Luftaufnahme mit viel Wiese und Bäumen, einer Straße und wenigen Gebäuden

Die Archivaufnahme zeigt das Areal von Haus Staade (hellrosa Gebäude), umgeben von Gebäuden für Gewerbe, und die große Freifläche, bei Hochwasser ein Überschwemmungsgebiet der Sülz.

Es geht um ein neues Gewerbe- und Wohngebiet mit Agger-Sülz-Radweg auf dem Areal und breiterer Eisenbahnbrücke an der Lüghauser Straße

Rund um das Haus Staade oberhalb der Bahnlinie in Hoffnungsthal soll mittelfristig ein neues Quartier mit Wohn- und Gewerbeflächen entstehen (wie berichtet). Doch schon im Vorfeld gibt es mahnende Stimmen. Die Ratsfraktion der Grünen, Naturschützer, der Verein Lebenswertes Sülztal und auch Anwohnende haben sich zu Wort gemeldet.

Bürgermeister Yannick Steinbach und die Grundstückseigentümerin Campus Staade GmbH hatten   Anfang August studentische Bebauungsentwürfe für das rund vier Hektar große Areal präsentiert. Vorgabe sei dabei gewesen, auch den Hochwasserschutz mitzudenken. Zudem soll den Überlegungen zufolge über das Areal künftig auch der Agger-Sülz-Radweg führen.

Die Vorbereitung des Projekts braucht laut Stadt etwa fünf Jahre

Bürgermeister Yannick Steinbach (Fors-Park) sprach damals von einem frühen Planungsstadium und davon, „im Laufe des Jahres in die politischen Gremien“ zu gehen. Für die Vorbereitung des Projekts rechnet die Stadt mit insgesamt etwa fünf Jahren.

Planungsrechtlich ist noch einiges nötig: Laut Bezirksregierung Köln ist im geltenden Regionalplan bislang nur der östliche Bestandsbereich um Haus Staade als Allgemeiner Siedlungsraum (ASB) ausgewiesen. Diese Flächen stehen damit etwa für Dienstleistungsgewerbe und Wohnen zur Verfügung. Die westlich angrenzende Freifläche gilt als Allgemeiner Freiraum- und Agrarbereich, in den zusätzlich ein Bereich zum Schutz der Landschaft sowie der festgesetzte Überschwemmungsbereich der Sülz hineinreichen. Eine Änderung des Regionalplans dauert nach Angaben der Bezirksregierung in der Regel rund ein Jahr, hinzu kämen Anpassungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplan.

Naturschutzverein und Grüne äußern Bedenken

Der Bergische Naturschutzverein (RBN) sieht die „unrealistischen Visionen“ kritisch und hat „gravierende Bedenken“. Neben der Überschwemmungsgefahr durch die nahe Sülz fürchtet der Verein vor allem einen gravierenden Eingriff in die naturnahe Landschaft. Die betroffene Feuchtwiese in der Sülzaue sei „die letzte wirklich unerschlossene, vollkommen ruhige Fläche“ an der Rösrather Sülz, Heimat der einzigen Rösrather Biberfamilie und Revier des Eisvogels.

Auch die Ratsfraktion der Grünen reagiert zurückhaltend. Man habe „mit Erstaunen“ von den Überlegungen erfahren, so die Fraktion – gerade nach der Erfahrung mit dem Hochwasser vor fünf Jahren. Bevor konkrete Planungen beginnen könnten, müsse genau geprüft werden, welche Flächen tatsächlich betroffen wären und wie sich eine Bebauung auf Hochwasserschutz, Retentionsräume, Natur und Stadtklima auswirken würde. Die Lehren aus Extremereignissen wie 2021 gerieten zu häufig mit „zunehmendem zeitlichem Abstand in den Hintergrund“, heißt es weiter.

Verein Lebenswertes Sülztal fürchtet moderate Erweiterungen für Gewerbe

Auch der Verein Lebenswertes Sülztal ist skeptisch: Die zur Diskussion stehende Fläche sei größtenteils „festgesetztes Überschwemmungsgebiet, gespeist unter anderem vom Ensenbach an den Lüghausener Hängen“. Bei einer Bebauung könnten deshalb große Flächen als Retentionsraum verloren gehen, warnt der Verein.

Mit Sorge blickt der Verein vor allem auf mögliche Änderungen im Planungsrecht. So könnte es für die Kommune künftig durch „Flexibilisierungen“ in der Landesentwicklungsplanung NRW leichter werden, einen „kleinen ASB-Bereich ... unmittelbar um die bestehenden Gebäude von Haus Staade in die Freifläche nach Westen“ auszudehnen. Dadurch würden auch „moderate Erweiterungen ansässiger Gewerbebetriebe erleichtert“. Der Verein erinnert zudem an eine „unrühmliche Geschichte“ und meint damit das Scheitern des Bebauungsplans 127 vor acht Jahren. Der sollte den von Kreis, Aggerverband und Stadt geplanten Agger-Sülz-Radweg auf dem Areal sichern. Das Vorhaben scheiterte jedoch. Für die Stadt Rösrath sei das seinerzeit „sehr enttäuschend“ gewesen, heißt es weiter.

Anwohner blicken mit Sorge auf die Pläne für ein neues Quartier

Auch Anwohner haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. Sie blicken „mit großer Sorge“ auf die Quartierspläne. Was als „modernes Vorzeigeprojekt angepriesen“ werde, „entpuppt sich beim genauen Hinsehen als massiver Eingriff in die Auenlandschaft“ heißt es in einer von vier Familien unterzeichneten Erklärung. Die studentischen Entwürfe zeigten in dem aktuell auch als „Frischluftschneise“ funktionierenden Bereich   ein „neues städtebauliches Viertel“ mit „mehrgeschossigen, massiven Bebauungen“.

Wie ein künftiger Bebauungsplan konkret aussehen könnte, ist noch völlig offen. Beim Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr am   7. September steht das Vorhaben nicht auf der Tagesordnung. Anders als die Verbreiterung der DB-Brücke Lüghauser Straße. Die, so Bürgermeister Steinbach bei der Präsentation der Studentenentwürfe, sei „im Hinblick auf eine mögliche Erschließung des Haus-Staade-Areals von großer Bedeutung“.