Ausschuss für Stadtentwicklung diskutiert in seiner nächsten Sitzung über ein Millionen-Bauprojekt. Autos sollen mehr Platz, Fußgänger einen Gehweg bekommen.
HoffnungsthalSo soll der Engpass Lüghauser Eisenbahnbrücke weiter werden

Gefährliches Nadelöhr für den motorisierten Verkehr. Und Fußgänger sind auf der Straße unterwegs.
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Die Eisenbahnbrücke an der Lüghauser Straße in Hoffnungsthal ist ein Nadelöhr. Ein gefährliches zudem, denn erstens ist die Durchfahrt schlecht einsehbar, weil die Straße einen Knick macht. Zweitens passt nur jeweils ein Pkw hindurch. Und drittens müssen sich Fußgänger besonders vorsehen, denn unter der Eisenbahnbrücke fehlt ein Gehweg.
Das möchte die Stadt Rösrath ändern, mit Hilfe der Deutschen Bahn. Die Gespräche von Stadtverwaltung und Bahn über einen entsprechenden Vertrag, Kosten und einen Projektplan könnten schon bald beginnen, wenn die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr am kommenden Montag, 7. September, einer entsprechenden Beschlussvorlage der Verwaltung zustimmen.
Bahn hatte Sanierung kurzfristig bis nach 2030 zurückgestellt
Ursprünglich sollte die marode Brücke aus dem Jahr 1905/06 bereits im Zuge der vor fünf Monaten begonnenen und immer noch anhaltenden Sanierungsarbeiten an der RB 25 erneuert werden. An Änderungen bei den Abmessungen war dabei allerdings nicht gedacht. Ohnehin wurde die Maßnahme wenige Tage vor Beginn der Streckensperrung im Frühjahr 2026 überraschend aus der Baustellenliste herausgenommen und laut Bahntochter „DB InfraGO“ auf „nach 2030“ verschoben. Die Begründung der Bahn damals: neue Bauvorschriften für Brückenbauwerke mit Weichen. Da das neue Bauregularium noch angepasst werde, so die Begründung, und sich in der Veröffentlichungsphase befinde, könne das laut DB-Angaben von damals 1,5 Millionen Euro teure Bauprojekt in der Sperrphase 27. März bis 7. August nicht mehr umgesetzt werden. Die Bahn wolle nach den neuesten Richtlinien bauen.
Der Aufschub eröffnete auch in der Rösrather Politik neue Perspektiven auf das Bahnprojekt. Die CDU-Fraktion ergriff im Stadtrat die Initiative und stieß Gespräche der Stadt mit der Bahn über eine Verbreiterung der Unterführung an.
Die Stadt muss sich an den Kosten für eine breitere Brücke beteiligen
Nach den nun vorliegenden Abstimmungen mit der Bahn soll das Bauwerk künftig durchgängig rund 9,00 Meter breit werden. Das ermögliche eine Fahrbahn von 5,50 Metern für Begegnungsverkehr sowie einen durchgängigen Gehweg von 2,50 Metern bis zur Lüghauser Straße 34. Solch eine Fußwegverbindung hatten neben Anwohnern auch Eltern von Kindern, die einen nahe gelegenen Kindergarten besuchen, gefordert. Allerdings müsste die Fahrbahn im unmittelbaren Brückenbereich für eine Verbreiterung laut Ausschuss-Vorlage teilweise auf private Grundstücke verschwenkt werden. Grund dafür sind die beengten Verhältnisse wegen der Bebauung an der Lüghauser Straße 1.
Rechtlich ist die Sache komplex: Weil die Stadt den Verbreiterungswunsch initiiert und das Änderungsvorhaben an die Bahn herangetragen hat, ist sie nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz zur Kostenbeteiligung verpflichtet. Hierfür gilt seit kurzem eine vereinfachte 50/50-Regel. Die hat der Bundesrat am 10. Juli mit dem Beschluss des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes an die Stelle der bisher üblichen aufwendigen Berechnungsmethoden gesetzt.
Allein der Straßenbau schlägt mit 650.000 Euro zu Buche
Für das Brückenbauwerk seien ursprünglich rund drei Millionen Euro veranschlagt worden, schreibt die Verwaltung nun in der Beschlussvorlage – und nennt damit gleich die doppelte Summe, mit der die Bahn im Frühjahr noch kalkuliert hatte. Weiter heißt es, durch die notwendige Neuplanung und entsprechende Baukostensteigerungen sei noch mal „mit deutlich höheren Gesamtkosten zu rechnen“. Allein der Straßenbau werde mit mindestens 650.000 Euro reinen Herstellungskosten zu Buche schlagen, heißt es weiter – ohne mögliche Hangsicherungen. Diese Kosten verbleiben vollständig bei der Stadt.
Ein Trost für den Haushalt: Nach der „Ablösungsbeträge-Berechnungsverordnung“ erhält die Stadt nach Fertigstellung einen finanziellen Ausgleich von der Bahn, berechnet auf Basis der rund hundertjährigen Nutzungsdauer des Bauwerks – zahlbar spätestens zwölf Monate nach Inbetriebnahme. Dadurch soll der Vorteil, den die Deutsche Bahn aus dem neuen Bauwerk hat, finanziell ausgeglichen werden. Wie hoch diese Erstattung ausfällt, steht allerdings noch nicht fest.
Die nächste Streckensperrung der RB25 ist für 2031 terminiert
Die Stadt rechnet laut Vorlage durch das Vorhaben mit mindestens 2,1 Millionen Euro Kosten. Diese Mittel müssten dann für die Haushaltsjahre ab 2027 erst noch eingestellt werden. Offen ist zudem, ob für die Neuplanung ein erneutes Planfeststellungsverfahren nötig wird. Die Verwaltung hält dies für wahrscheinlich. Auch ob das Zeitfenster für die die nächste bekannte Streckensperrung im Jahr 2031 für die Verbreiterung und Sanierung der Eisenbahnbrücke genutzt werden kann, steht noch nicht fest.
Zusätzliches Gewicht haben die Pläne der Stadt durch Äußerungen von Bürgermeister Yannick Steinbach (Fors-Park) Anfang August bekommen. Damals präsentierte er gemeinsam mit den Geschäftsführern der Haus Staade GmbH erste studentische Entwürfe für ein neues Wohn- und Gewerbequartier auf dem Areal von Haus Staade an der Lüghauser Straße – in unmittelbarer Nähe der Bahnunterführung.
Die Aufweitung gilt als wichtige Voraussetzung für ein neues Quartier
Die Deutsche Bahn habe signalisiert, dass eine Anpassung der Brückenplanung grundsätzlich möglich sei, so Steinbach damals. „Diese Chance gilt es zu ergreifen, denn wird die Brücke ohne diese Erweiterung ertüchtigt, wird es auf Jahrzehnte hinaus voraussichtlich keine realistische Möglichkeit mehr geben, diesen Engpass zu beseitigen“, so Steinbach. Die Aufweitung gilt damit als wichtige Voraussetzung für die spätere Erschließung des Areals.
Schon heute stoßen beide Vorhaben nicht nur auf ungeteilte Zustimmung. Zum Beispiel bei Anwohnern der Lüghauser Straße. Die fürchten eine weitere Belastung für die Verkehrsinfrastruktur von Hoffnungsthal und sprechen sich deshalb gegen eine Verbreiterung der Straße unter der Brücke bis zum Grundstück Lüghauser Straße 34 aus. „Die angedachte Verbreiterung der Eisenbahnunterführung zur Installation eines Bürgersteiges“, heißt es in einem Schreiben von vier Anwohnerfamilien an diese Zeitung, werde aber durchaus begrüßt.
