Akustikprobleme, Essen und WasserfälleKleinkünstler Wolfgang Wasser amüsiert Publikum

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Wolfgang Wasser gestaltete eine kabarettistische Lesung, das war die der erste Veranstaltung der „Kulturkirche“ in diesem Jahr.

Herrenstrunden – Lesung Vorname: Wolfgang, Nachname: Wasser. Der Name ist übrigens Programm, wenn der Hoffnungsthaler seine literarischen Ergüsse dem Publikum kundtut, nämlich, wenn er Kleinkunst macht, wie er es nennt, und die Sätze nur so aus ihm herausfließen. Dieses Vergnügen wurde am Sonntagabend den Besuchern der „Kulturkirche“ in Herrenstrunden zuteil, wo Wasser eine kabarettistische Lesung gestaltete.

Einen roten Faden gab es nicht, darauf wies Wasser direkt hin, um Verwirrungen zu vermeiden. Zwar machte die Technik zu Beginn der Lesung Schwierigkeiten, denn in einer Kirche hallt es nun mal stark und das Publikum war besorgt, etwas zu verpassen. Schließlich hieß das Thema „Wat is dat Wesentliche?“, genau wie Wassers 2019 erschienenes Buch. Nach einem Mikrofonwechsel war das Akustikproblem gelöst und es konnte damit losgehen, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren – und das war umfangreich: Ein Wasserfall über rund eine Stunde und fünfundvierzig Minuten, in verschiedensten Stufen. 

Themen mit rheinisch-bergischem Hauch

Kreuzfahrten, Karneval, Musterung, Essen, Begegnungen auf der Dorfstraße, im Wartezimmer oder an der Fleischtheke. Alles Themen, von denen er wohl viele beim regelmäßigen Blättern im Stadt-Anzeiger findet, mit einem rheinisch-bergischen Hauch – zwischen Damals, Gestern, Später und Heute. „Tragik und Komik liegen dicht beieinander“, war sich Wasser sicher und so berichtete er von der Dekadenz, einen Reibekuchen lieber mit Lachs zu belegen, als Apfelmus dazu anzubieten, oder der Dramatik, bei der Bergischen Kaffeetafel statt einer bergischen eine belgische Waffel serviert zu bekommen.

„Über Essen rede ich sehr gerne“, erklärte er vor seiner Zuhörerschaft, die die Kirchenbänke von St. Johannes der Täufer übrigens bis zum letzten Platz füllte. Aber auch Kreuzfahrten haben es Wasser angetan, das liegt sicherlich am Namen. Nicht nur, dass er diese für sehr dekadent hält, er hat schlichtweg Angst vor Seekrankheit und sieht eine Ähnlichkeit zwischen den Schiffen und den Hochhäusern in Chorweiler.

Karnevals-Block mit musikalischer Untermalung

So wäre es ihm eine Freude, wenn man Hotels an Agger und Dhünn errichten und in den Zimmern virtuelle Strände und Meerblick projizieren würde, also das Spielchen genau umgekehrt. Für die Region wäre es sicherlich ein Zugewinn, und Kreuzfahrtskeptiker würden nicht nur von Sorgen wegen der Seekrankheit entlastet, sondern auch von schlechtem Gewissen gegenüber der Umwelt. Diese Vorstellung vergnügte das Publikum. Ebenso der Block zum Thema Karneval, denn dank musikalischer Begleitung von Orgel und Saxophon wurden die Anwesenden beim Zwischenspiel von „Mer losse de Dom in Kölle“ erstaunlich aktiv und unruhig auf ihren Bänken.

Wasser selbst sieht den Karneval eher ambivalent, zwar wurde er an einem Karnevalssamstag geboren, aber von einer Verlegung in den Sommer und den Texten in den kölschen Gassenhauern hält er nicht viel.

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So nahm sich der pensionierte Lehrer einen Text vor, den er aus den Standardsätzen zu einem Urtext, einem Prototypen für kölsche Lieder, zusammengefügt hatte, und sezierte die einzelnen Liedzeilen auf ihre Bedeutung, wie man das in der Schule eben so macht. Durch seine Interpretationen stellte Wasser dabei die wildesten Dinger fest, die dem einen oder anderen im Publikum ein zustimmendes Nicken entlockten.Ein Glück, dass der Kleinkünstler immer wieder zum Lachen und Klatschen anregte, denn ohne Bewegung wäre der eine oder andere sicherlich auf den Kirchenbänken angefroren. So war die Freude der Gäste umso größer über den Glühwein zum Abschluss der Vorstellung.

Mit Wasser fand die erste Veranstaltung der „Kulturkirche“ in diesem Jahr statt, die sich durch Spenden finanziert, der Eintritt ist frei.

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