Abo

RösrathKomplize „singt“ und bringt Mittäter vors Landgericht Köln

3 min
Ein blauer Schlüsselanhänger mit weißer Aufschrift Justiz

Ein 31-Jähriger steht wegen besonders schweren Raubs vor dem Kölner Landgericht.

31-Jähriger gesteht Überfall auf 76-Jährige in Rösrath. Bereits verurteilter Komplize hatte den Ermittlern seinen Namen geliefert.

Mit der Gangsterehre ist das so eine Sache. Eigentlich gilt unter Kriminellen die eiserne Regel, nicht mit der Polizei zu kooperieren und vor allem, keine Komplizen zu verraten. Doch wenn es letztlich vor Gericht darum geht, für sich eine geringere Strafe rauszuholen — indem man beispielsweise einen bislang unbekannten Mittäter nennt — dann wird der eine oder andere Angeklagte schwach und nennt Ross und Reiter.

So war es auch im Fall eines 31-Jährigen, der seit diesem Donnerstag wegen besonders schweren Raubs vor dem Kölner Landgericht steht. Im April war bereits dem 52 Jahre alten Komplizen der Prozess gemacht worden. Und der Komplize hatte damals gesungen und den Namen des bis dahin unbekannten 31-Jährigen dem Gericht mitgeteilt. Wenig später klickten bei dem 31-Jährigen dann auch schon die Handschellen. Seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Köln-Ossendorf. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf besonders schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit besonders schwerem Raub.

Der 31-Jährige soll die Rösratherin in ihrem Haus überfallen haben

Am 14. Juli 2025 soll der 31-Jährige eine damals 76-jährige Rösratherin in ihrem Haus überfallen haben. Am späten Nachmittag des Tattages soll der 31-Jährige an der Haustür der Frau geklingelt haben. Die Frau, die eine Tochter und Enkelkinder erwartete, öffnete und schaute in den Lauf einer Pistole, die ihr ein Maskierter vorhielt und schließlich mit den Worten: „Geld, Gold, Tresor!“, vor die Stirn drückte. Die Frau behauptete jedoch, keinen Tresor zu besitzen. Stattdessen öffnete sie eine Kommode und entnahm ein Portemonnaie mit rund 180 Euro Bargeld. Hierbei entdeckte der Räuber auch noch eine Schmuckkassette, aus der er Halsketten, Anhänger und Broschen entnahm. Anschließend verließ der Mann das Haus und ging zu seinem Komplizen, der in einem weißen BMW in Tatortnähe wartete. Anschließend flohen beide.

Pikantes Detail: Der Komplize war vor mehr als 20 Jahren der Lebensgefährte der ältesten Tochter des Opfers und ging damals in dem Haus in Rösrath ein und aus. Aus der Zeit wusste er auch noch, dass die Familie über teure Uhren, einen Tresor sowie wertvolle Ikonen an den Wänden verfügte, auf die es der hoch verschuldete 52-Jährige eigentlich abgesehen hatte, wie er in seinem Prozess im April ausgesagt hatte.

Eigentlich war laut 52-Jährigem ein Einbruch geplant

Eigentlich, so der 52-Jährige vor Gericht weiter, sei ein Einbruch geplant gewesen. Weil er aber keine Erfahrung mit Einbrüchen gehabt habe, habe er sich einen Komplizen gesucht und in dem 31-Jährigen gefunden. Doch der habe sich dann beim Ausbaldowern einer Einstiegsmöglichkeit in das Haus selbstständig gemacht, eine Waffe gezogen und die Frau überfallen. Der 31-Jährige räumte seine Tatbeteiligung ein, behauptete aber, die Idee zum Raub habe der Komplize gehabt. Als man vor dem Haus der Dame gewartet habe, habe man sie auf dem Balkon gesehen.

„Da hat der mir dann die Gaspistole in die Hand gedrückt und gesagt, ich soll die überfallen“, sagte der Angeklagte. Zuvor hatte es in dem Prozess ein erfolgreiches Verständigungsgespräch gegeben. Demnach muss der 31-Jährige bei einem qualifizierten Geständnis mit einer Strafe zwischen vier Jahren und acht Monaten sowie fünf Jahren und zehn Monaten rechnen. Damit käme er „billiger“ weg als der 52-Jährige. Dem hatte das Landgericht im April sieben Jahre aufgebrummt. Der Prozess wird fortgesetzt.