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Unglaubwürdige Ausrede79-Jährige aus Rösrath wittert Enkeltrick – Ein Betrüger steht vor Gericht

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Eine Seniorin schaut auf ihr Telefon.

Geistesgegenwärtig war die Seniorin in diesem Fall. Mit Hilfe ihrer Familie konnte der Täter festgenommen werden. (Symbolbild)

Der Angeklagte behauptet vor Gericht, dass er mit der Lage, in die er die Frau gebracht hat, eigentlich nichts zu tun hatte.

Dezember 2025. Eine 79-Jährige aus Rösrath bekommt einen Anruf. Am Telefon eine Frauenstimme. Sie gibt sich als Tochter aus, schluchzt, spricht von einem schweren Unfall und vom Krankenhaus. Dann übernimmt eine angebliche Polizistin. Sie behauptet, bei dem Unfall habe eine Schwangere ihr Kind verloren; nun sei eine Kaution von 75.000 Euro fällig, sonst komme die Tochter sofort ins Gefängnis. Die Rösratherin schaltet: „Das gibt es in Deutschland doch nicht.“

So schildert sie ihre Gedanken an jenem Abend. Sie sitzt im Zeugenstand des Bensberger Amtsgerichts. Dank ihrer Geistesgegenwart und mit Hilfe der Familie kann zumindest einer aus der Bande festgenommen werden. Er sitzt nun auf der Anklagebank neben seinem Pflichtverteidiger: ein 32-jähriger Mann aus Polen, ohne Sprachkenntnisse. Neben ihm die Dolmetscherin. Vorführung aus der JVA.

Die ältere Dame durchschaut den Betrug

Die Zeugin beschreibt die dramatischen Minuten nach dem Anruf. Zuerst informiert sie ihre andere Tochter, deren Ehemann und den Enkel. Die Eltern steigen ins Auto, um die Verletzte im Krankenhaus zu besuchen. Doch die zweite Tochter liegt nicht im Krankenhaus. Sie wohnt im selben Haus, tritt aus der Tür und wundert sich über den Aufruhr. Die falsche Polizistin am Telefon steuert nach: Sie habe sich geirrt, die Enkelin sei die Unfallverursacherin.

Wenig später durchschaut die ältere Dame das Spiel. Der Enkel, der die ganze Zeit bei seiner Oma geblieben war, informiert seine Eltern: Alles ein Fake. Jetzt versuchen sie, mit der inzwischen eingeschalteten echten Polizei die Betrüger hinzuhalten. Ein Hin und Her beginnt.

Die falschen Polizisten fordern Wertgegenstände aus der Wohnung

Zuerst wollen die Täter die Familie aus der Wohnung locken. Sie fabulieren von nötigen Unterschriften beim Landgericht Köln. Die angeblich verletzte Enkelin setzt sich mit ins Auto und flüstert mit der Polizei. Die Eltern telefonieren mit den Betrügern. „Es war alles gar nicht so einfach“, erzählt eine Tochter der Geschädigten. „Wir waren ja ständig im telefonischen Kontakt mit den Betrügern und konnten uns nicht austauschen.“

Auch in Rösrath geht die Geschichte weiter. Die falschen Polizisten fordern, die Frau solle Wertgegenstände aus der Wohnung zusammenstellen und sie als Sicherheit gleich einem Polizisten an der Wohnungstür übergeben. „Ich habe dann im Handy geschaut, welche Gewichte es bei Goldbarren gibt oder wie teuer bestimmte Schmuckstücke sind, und meine Oma hat die Gegenstände am Telefon genannt“, erklärt der Enkel.

Der Schwiegersohn hält den Betrüger fest, bis die Polizei kommt

Dann geht die Großmutter mit einer leeren Kassette hinaus, um sie dem angeblichen Polizisten zu übergeben. Was der nicht weiß: Im Hausflur steht auch der Schwiegersohn. Er stürmt an der Schwiegermutter vorbei, packt den Betrüger und hält ihn fest, bis die Polizei ihn verhaftet.

Mit der schlimmen Lage konfrontiert, in die er die Familie brachte, behauptet der Angeklagte, er habe damit eigentlich nichts zu tun. Er habe Angst vor einem gewissen Pawel gehabt. Der habe ihn zur Fahrt nach Deutschland gezwungen, da er ihm 500 Euro geschuldet habe. Für die Reise habe er 700 Euro bekommen und ein neues Handy. Richter Ertan Güven hakt nach: „Warum haben Sie ein neues Handy bekommen, funktionierte Ihres nicht?“ „Doch, ich hatte ein Handy. Aber Pawel hat gesagt, es könne Probleme mit dem Roaming geben“, so die abenteuerliche Antwort.

Der Angeklagte wird zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

Das Gericht stellt in der Urteilsbegründung klar: Die Geschichte klingt höchst lebensfremd. Zugleich berücksichtigt es, wie die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer festhielt, dass der Festgenommene wohl das kleinste Rädchen im Getriebe der Betrugsmaschinerie ist.

„Ich wünsche Ihnen, dass Sie niemals den Stress erleben, wenn jemand behauptet, Ihre Tochter sei verunglückt“, so Richter Güven scharf zum Angeklagten. Das Gericht hebt den Haftbefehl auf und verurteilt ihn zu einem Jahr Gefängnis. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Neben den üblichen Auflagen gilt als wichtigste: Bei jeder Einreise nach Deutschland muss sich der 32-Jährige bei der nächsten Polizeidienststelle melden und den Zweck seiner Reise erklären. Drei Jahre lang.