Abo

PianistinMona Kuribayashi liefert denkwürdiges Konzert im Rösrrather Schloss

3 min
Eine Frau sitzt am Klavier.

Mona Kuribayashi hat den Mednus-Klavierwettbewerb gewonnen und trägt ihr Können im Bergischen Saal vor.

Die Pianistin beeindruckt nicht nur mit ihren herausragenden pianistischen Fähigkeiten, sondern versteht es auch, ihr Publikum zu fesseln.

Das Weihnachtskonzert im Bergischen Saal des Rösrather Schlosses ist ein Ereignis, das Jahr für Jahr zahlreiche Besucher anzieht. Die Mitglieder des Kulturvereins Schloss Eulenbroich kümmerten sich nicht nur um den Glühwein für die Gäste und die Betreuung der Künstlerin, sondern mussten am 2. Weihnachtsfeiertag zusätzliche Stühle herbeischaffen, um dem Ansturm gerecht zu werden. Traditionell tritt dann die Preisträgerin oder der Preisträger des Mednus-Klavierwettbewerbs auf. In diesem Jahr war es Mona Kuribayashi.

Mona Kuribayashi beeindruckt nicht nur mit ihren herausragenden pianistischen Fähigkeiten, sondern versteht es auch, ihr Publikum zu fesseln. Sie erzählt von den Werken, die sie spielt, und sinniert über die Musik, die uns Menschen verbindet und tief berührt. Das Programm des Abends war eine musikalische Reise um die Welt, mit Stücken, die wie klingende Postkarten anmuteten – vom französischen Traum bis zur Jazzkneipe im Paris des frühen 20. Jahrhunderts.

Johannes Brahms trat bei Konzert in Rösrath auf den Plan

Der erste Teil des Konzerts bot eine Sammlung pianistischer Psychogramme. Wer das Glück hatte, im Saal zu sitzen, erlebte nicht nur ein Konzert, sondern eine Sezierung der musikalischen Seele. Von den flüchtigen Farben Debussys über Brahms' letzte Einsamkeit bis hin zu Schumanns loderndem Abenteuer.

Debussy malte mit seinem Klavier wie mit einem Pinsel. Er entwarf keine Dramen, sondern Zustände: Pagoden in Fernost, der Duft des Abends in Granada, Gärten im Regen – seine Musik war wie ein Parfüm. Kuribayashi hämmerte nicht, sie hauchte den Klängen Leben ein. Dissonanzen verwandelten sich in farbige Klänge, ein Gemälde aus Musik.

Dann die Zäsur: Johannes Brahms trat auf den Plan. Er kam nicht mit Pauken und Trompeten, sondern schlich sich an. Die drei Intermezzi op. 117 sind das radikale Gegenteil von Spektakel. Brahms, der alte Melancholiker, nannte sie die „Wiegenlieder meiner Schmerzen“. Wer diese Stücke spielt, darf nicht brillieren. Die Pianistin nahm sich dem Leiden des Schöpfers an und präsentierte sie dem Publikum mit unendlicher Zärtlichkeit.

Der Abend endete mit einem Besuch in Frankreich

Brillieren durfte sie dann bei Schumann. Musik, die nach außen drängt, den Raum besetzt und fast atemlos von Abenteuern berichtet. Schumann selbst nannte sie „große zusammenhängende Abenteuergeschichten“.

Nach der Pause, in der die Veranstalter zunächst ein unangenehmes hohes Geräusch eliminierten – die Heizung war's, leicht verstärkt durch die Lautsprecheranlage – begann der zweite Teil mit Chopin. Auch hier Gegensätze: Ein spätes, melancholisches Nocturne (op. 55 Nr. 2) von Chopin spielte sie vor dem ungestümen „Rondo à la Mazur“ op. 5. Sie kann beides, das hat sie schon im ersten Teil bewiesen: sich dem Gefühl hingeben oder mit unbändiger Freude die rasanten Läufe im Rondo donnern.

Der Abend endete, wo er begonnen hatte: in Frankreich, genauer gesagt in einer Pariser Jazzkneipe. Musik, die nach Zigarettenrauch und Rotwein schmeckt. Drei Songs aus „6 Arrangements, Songs by Charles Trenet“. Der Chansonnier Trenet lieferte das Lächeln, der Pianist und Komponist Weissenberg das Skelett aus Jazz-Harmonien und pulsierender Rhythmik. Ein Chanson ist die flüchtige Kunst des Augenblicks. Hier wurde er konserviert, mit virtuoser Klavierakrobatik. Mona Kuribayashi spielte die Stücke mit großer Freude und ließ fast vergessen, dass es im Grunde kein Jazz war, denn es fehlte die Improvisation.

Es gab auch eine Zugabe: In einem jazzigen Stil hörte man „Jingle Bells“, „I'm Dreaming of a White Christmas“ oder „O Tannenbaum“ – schließlich war es der zweite Weihnachtsfeiertag.