Der älteste aktive Betrieb in Rösrath gibt bei Besichtigungen auch Einblicke in die Arbeit des Zoll
RösrathWas man in der Brennerei Hoffer Alter in Hoffnungsthal sehen kann

Lana Müllenbach (14) – hier mit Vater Tino, Inhaber von Hoffer Alter – könnte in der Zukunft die erste Frau an der Spitze der Brennerei sein.
Copyright: Klaus Pehle
Wer eine Besichtigung mit Führung in der traditionsreichen Brennerei Hoffer Alter auf den Höhen über Hoffnungsthal bucht, der bekommt sicher keinen trockenen Vortrag über Alkoholproduktion geboten. Erstens weiß der heutige Inhaber Tino Müllenbach, wie er wissenswerte Fakten und historische Anekdötchen zu einer sehr unterhaltsamen Kombination verknüpft, und zweitens gibt es zum Schluss immer etwas zu trinken. „Da schauen wir auch nicht, wer was trinkt oder wie viel“, schmunzelt Müllenbach und ergänzt: „Da kann es auch mal fröhlicher werden, aber eines garantiere ich: Was in der Brennerei passiert, bleibt in der Brennerei.“
Wir haben hier Zollbücher mit einer Plombe, damit kein Blatt ausgetauscht werden kann.
Natürlich erfährt man auch einiges über die faszinierende Historie des Betriebes, der heute als das älteste noch aktive Unternehmen auf Rösrather Stadtgebiet gilt. Kurz vor der Jahrhundertwende um das Jahr 1900 entschied sich Ewald Müllenbach, die Landwirtschaft auf dem über 300 Jahre existierenden Hof ganz aufzugeben. Als Nebenerwerb hatte der Landwirt schon 1880 eine kleine Schnapsbrennerei aufgebaut. „Man musste sich dann irgendwann entscheiden: Macht man die Alkoholerstellung hauptberuflich oder die Landwirtschaft? Und Ewald hat sich Gott sei Dank für den Alkohol entschieden“, erzählt Tino Müllenbach glücklich. Er ist der Urururenkel von Ewald, führt die Brennerei Hoffer Alter demnach in der fünften Generation.
Ab etwa 15 Personen kann man eine Führung bei ihm buchen. In der Ferienzeit eine schöne Sache bei Regenwetter. Aber auch bei heißeren Tagen ist es in den dick ummauerten historischen Gebäuden angenehm kühl. Es geht durch die modernen Produktionsräume, vorbei an kupfernen Brennkesseln, man sieht die Abfüllanlage und das Lager und bekommt mit, welchen strengen steuerlichen und bürokratischen Auflagen eine Brennerei in Deutschland unterliegt. Immerhin wird hier Alkohol produziert und für einen Liter reinen Alkohol zieht der Staat satte 13,04 Euro ein. Für die Kontrolle ist der Zoll zuständig. „Wir haben hier Zollbücher mit einer Plombe, damit kein Blatt ausgetauscht werden kann“, erklärt Müllenbach. Tatsächlich jede Bewegung von noch unversteuertem Alkohol muss darin handschriftlich dokumentiert werden. Das gilt selbst dann, wenn zwei Flaschen in ein anders Regal geräumt werden. Alle Leitungen, durch die der reine Alkohol fließt, sind gesichert und verplombt. Die Zollbeamten kommen auch persönlich vorbei, um alles zu überwachen. Müllenbach empfindet das aber gar nicht als lästig. Im Gegenteil: „Nach einer Kontrolle weiß ich, dass alle Zahlen stimmen.“
Zum Sortiment gehören auch Rum, Gin, Whisky, Cognac oder Liköre
Der Hoffer Alter Korn hat das Unternehmen ebenso bekannt gemacht wie der 25-prozentige Quittenlikör „Hermännche“. Der ist nach dem Postboten Hermann benannt, der um 1900 nebenberuflich für die Brennerei Hochprozentiges in die nähere Umgebung lieferte. Neben den Klassikern sind heute auch Spirituosen wie Rum, Gin, Whisky und Cognac im Sortiment oder Liköre wie Pink Grapefruit, die sich hervorragend für einen erfrischenden Spritz eignen.
Wie der Traditionsbetrieb in die Zukunft geht, hängt auch von Müllenbachs 14-jähriger Tochter Lana ab. Bisher wurde der Betrieb immer innerhalb der Familie vom Vater an den Sohn weitergegeben. Lana könnte eines Tages die erste Frau an der Spitze der Brennerei werden. Müllenbach: „Sie könnte es übernehmen, wenn sie wirklich sagt: Das möchte ich machen.“
