Lindlar – "Der Feuerschein war bis nach Linde zu sehen", berichtete Erwin Overödder in der Bergischen Landeszeitung vom 23. Januar 1984 über das Ende des einst stolzen Lindlarer Kurhotels. Bis das Hotel 1984 in Flammen aufging, hatte das Haus eine abwechslungsreiche Geschichte. In unserer ersten Ausgabe berichteten wir über die Anfänge des Hotels, bis zum Ende des Kurbetriebs um das Jahr 1965.
Nachdem der Pächter Helmuth Neveling das Haus an der Hammerschmidt-Allee in "Waldhotel" umbenannt hatte, sollte es gehobenen Ansprüchen genügen. Die Speisekarten dieser Jahre zeugen davon: Das Steak nach schottischer Art stand ebenso auf der Karte wie das exotische Steak "Hawaii" mit Ananasscheibe und Cocktailkirsche. Neveling baute das Haus aus, stattete das Hotel mit Fernsehern, Zentralheizung, Sporträumen und eigener Bibliothek aus.
Ulrich Roller aus Lindlar erlebte als Kind, wie der Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart 1966 im Waldhotel ein Trainingslager einrichtete. Trainer Rudi Gutendorf schliff hier seine Spieler für die Begegnung mit dem 1. FC Köln am 10. September 1966 im Müngersdorfer Stadion. Ulrich Roller, heute 55 Jahre alt, lief mit seinen Freunden vom Elternhaus am Kastanienweg zum nahe gelegenen Hotel, um sich von den Spielern Autogramme zu holen. Er erinnert sich an Willi Entenmann, Horst Köppel und Gilbert Gress. Auch Hans-Otto Peters war Gast im Waldhotel, er sollte in Müngersdorf in der 84. Minute mit einem Kopfball das einzige Tor für den VfB erzielen. Die Stuttgarter fuhren mit einer 3:1-Niederlage nach Hause.
Endgültiges Aus
Neveling zog sich in den 1970er Jahren aus dem Betrieb zurück. Mehrere Investoren scheiterten und auch der Versuch, erneut ein Naturheilkunde-Zentrum in der ehemaligen Prießnitz-Kuranstalt einzurichten, wurde schnell wieder aufgegeben. Anfang der 1980er Jahre kam dann das endgültige Aus. Das Hotel war mit hohen Hypotheken belastet, der Kreditgeber, die Kreissparkasse Köln sah keine Perspektive mehr für einen weiteren Gastronomiebetrieb. Stattdessen sollte das Gelände entwickelt werden.
Die Kreissparkasse einigte sich mit der Feuerwehr Lindlar, die das Hotel anzündete um den Ernstfall zu üben.
Das "Kurhotel endete in Schutt und Asche", schrieb Erwin Overödder in der BLZ über die Übung an einem Samstagmorgen. Auf dem Hotelgelände entstand danach eine Neubausiedlung, der heutige Lindlarer Ortsteil Falkenhof.
