- Bei Bombenanschlägen im Brüsseler Flughafen und in der Metro sind nach Medienberichten 30 Menschen getötet und mehr als 230 verletzt worden.
- Die belgische Staatsanwaltschaft geht von einem Selbstmordanschlag im Flughafen aus.
- Der Leichlinger Europa-Parlamentarier Herbert Reul war während der Anschläge in Brüssel.
Rhein-Wupper – In Sicherheit, aber schockiert von den Ereignissen, hat der Leichlinger Europa-Parlamentarier Herbert Reul am Dienstag in Brüssel die terroristischen Attentate erlebt.
Er hatte sein Büro im Gebäudekomplex der EU an der Rue Wiertz schon morgens um 7 Uhr erreicht, bevor die Sprengstoffanschläge am Flughafen und in der U-Bahn geschahen und draußen der Ausnahmezustand verhängt wurde.
Seine Familie, die sich nach Bekanntwerden der Anschläge bei ihm aus Leichlingen meldete, konnte er beruhigen, dass er nicht in Gefahr sei und auch nicht in die dramatischen Ereignisse vor seiner Türe verwickelt war.
Das Geschehen verfolgt
Über Fernsehen, Telefon und Internet verfolgte er mit seinen Mitarbeitern das Geschehen. Das Gebäude durfte aus Sicherheitsgründen niemand mehr verlassen. An die normale Arbeit war nicht zu denken, seine Termine fielen aus.
Die Schauplätze der Anschläge kennt Reul aus eigener Anschauung gut. Er ist seit zwölf Jahren Mitglied des EU-Parlaments und seit 2012 Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe. Die Metro-Station Maelbeek, in der es eine Explosion mit vielen Toten gab, liegt nur 500 Meter von seinem Büro entfernt. Auch seine Wohnung ist in der Nähe.
Reul benutzt die U-Bahn in der Regel zwar nicht, sagte er, aber mit dem Auto fahre er an der Station häufig vorbei. Da es von Düsseldorf und Köln aus keine geeigneten Verbindungen nach Brüssel gibt, ist der 63-Jährige meistens mit dem Auto zwischen Belgien und seinem Heimatwahlkreis unterwegs, wo am Mittwochabend ein Vortrag bei der CDU in Hilgen vorgesehen ist.
Aber für Besuche in Berlin nimmt Reul, der im Präsidium der Bundes-CDU sitzt, das Flugzeug – und kennt daher auch die Eingangshalle des Brüsseler Flughafens, wo mehrere Menschen starben, gut.
Hörbar erschüttert berichtete er am Vormittag im Telefongespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass man zwar ständig mit Anschlägen rechnen müsse, man die Gefahr aber irgendwie verdränge und dann doch sehr schockiert sei, wenn sie einem plötzlich so nahe komme.
Bewaffnete Soldaten stünden schon seit den Anschlägen von Paris vor der Eingangstüre seines Gebäudes. Und dort werde gerade auch ein neuer Sicherheitszugang gebaut, an dem alle kontrolliert werden. Die Sicherheitsmaßnahmen gestern sind auf die höchste Stufe erhöht worden.
Von seinen Büroräumen im 14. Stockwerk aus habe er keinen direkten Blick auf die Vorgänge auf den Straßen. Aber die starke Anspannung sei überall spürbar. Nachdem er früh morgens eingetroffen sei, habe man gemerkt, dass es draußen „plötzlich unruhig“ wurde. Überall seien Sirenen und Martinshörner zu hören gewesen. Alle seien sehr verunsichert gewesen. Ein Kollege, mit dem er den ersten Gesprächstermin des Tages hatte, sei schon nicht mehr durch die Sperren gekommen.
Eine Besprechung mit Vertretern der Textilindustrie musste abgesagt werden, weil der Flug aus Berlin nicht möglich war. Und auch ein Wirtschafts-Meeting am Nachmittag fiel aus. Kollegen, Mitarbeiter oder Bekannte von ihm, sagte Reul am Mittag, seien nach seinem vorläufigen Kenntnisstand offenbar nicht unter den Opfern der Anschläge.
Im Nachmittag verbreitet Reuls Büro eine offizielle Stellungnahme: „Brüssel ist angegriffen worden, unsere Demokratie und unsere Lebensweise in Europa sind erneut zur Zielscheibe des Terrors geworden. Wir sind schockiert angesichts dieser unmenschlichen Angriffe auf unsere Lebensweise und unsere Gesellschaft. Unsere Gedanken sind bei den unschuldigen Opfern.
Unsere Botschaft in diesen schwierigen Zeiten lautet: Wir werden alles tun, was notwendig ist, um die zentralen Werte unserer Gesellschaft zu schützen. Europa wird dem Terror vereint entgegentreten.“
