Vilkerath – Obwohl sich das Wetter diesmal nicht sonnig-warm wie im Vorjahr, sondern herbstlich kühl und trüb zeigt, stehen sie dicht an dicht am langen Zugweg. Sonntagnachmittag: Zu Tausenden sind die Gäste wieder nach Vilkerath geströmt, um einen der größten und prächtigsten Erntedankumzüge zu erleben.
Der Erntedank ist seit nunmehr 140 Jahren das Fest der Feste in Vilkerath. Ein Verdienst des Landwirtschaftlichen Casinos, das den Veranstaltungsreigen im Festzelt „Zum Schlingenbach“, den Zug und das Feuerwerk wieder perfekt organisiert hat. „Mit Frohsinn und Fleiß die Ernte bereiten, stolz das 140. Erntefest einläuten“, lautet das Motto zum runden Geburtstag. Aribert Wirges und Friedhelm Broichhagen leiten den Zug, der von Freiwilliger Feuerwehr und Polizei umfangreich gesichert wird. Über 500 Teilnehmer bilden 40 Themengruppen mit prächtigen, in vielen Freizeitstunden von Vereinen, Organisationen, Orts- und Straßenzügen gestalteten Festwagen, herbstlich-bunten Fußgruppen, sechs Musikkapellen und vielen wunderschön restaurierten Oldtimertraktoren – Prachtstück ein lackglänzender Lanz von 1944. Säen und Pflanzen, Ernten und Feiern bildet thematisch den roten Faden, abgestimmt auf das Erntepaar 2012, Ursula und Friedel Wester. Denn der Erntekönig ist Leiter des Raiffeisenmarktes Overath. Casino-Vorsitzender Peter Schwamborn: „Dafür haben wir historisches landwirtschaftliches Handwerk und Gerät außen vor gelassen.“ Drei Böllerschüsse machen gegen 15 Uhr am Sonntag den Weg frei für das große Erntefestereignis, das – hinter einer schmucken Reitergruppe aus Grevenbroich – Peter Schwamborn mit dem Mottoschild auf einem 12-PS-Deutz-Trecker von 1950 anführt. Dahinter die örtlichen Kindergärten Maria Hilf und Maulwürfe.
Wir können nicht auf alle Themengruppen eingehen. Einige seien genannt, ohne eine Wertung vorzunehmen. So die „Feldbearbeitung“ auf dem witzig-frech gestalteten ersten großen Festwagen: „Ist die Bäuerin faul, pflügt der Bauer mit dem Gaul.“ Die Weinlese war Motto der Vilkerather Feuerwehr: „Alter Wein und junge Frauen haben schon manchen umgehauen.“ „(D)olle Knollen“ zeigten die Rübenernter aus Miebach, und die KG stellte fest: „Angeln ist die leiseste Art zu ernten.“
Nach dem Zug war Erntetanz im Zelt. Dort, wo Freitagabend das Festwochenende mit der sehr gut besuchten Disco begonnen hatte. Ein Riesenerfolg war auch der Samstagabend mit Verabschiedung des Vorjahres-Erntepaars Roswitha und Bernd Stöpp. Dazu spielten die Mielenforster Musikanten. Anschließend gab’s ein Superprogramm mit „Ne Kölsche Jung“, der Tanzgruppe „Blau-Weiß Vilkerath“, der Band „Eastwind“ und als Highlight die Kölner Spitzengruppe „Die Räuber“.
Gestern Abend stand dann „Vilkerath in Flammen“ mit Fackelzug, Straßen- und Höhenfeuerwerk sowie Feiern im Zelt. Heute lassen die Vilkerather ab 16 Uhr das Erntefest in der örtlichen Gastronomie ausklingen.
