Abo

Volksschule vor Abriss„So etwas wie der Dorfplatz“

3 min

Das Gebäude ist innen wie außen völlig marode. Dennoch wirkt es wie ein Wahrzeichen. (Fotos: Daub)

Bergisch Gladbach – Artur Dietz kann sich noch gut erinnern an die Zeit, als er hier in die Volksschule gegangen ist. Bis vor zwei Jahren hat er die Anekdoten vom untersetzten Hausmeister „Müllers Karlchen“ oder von „Pius, Fuzzi und Kobes“ noch gern ausgetauscht mit alten Klassenkameraden aus Heidkamp. Jetzt sind die meisten tot, und mit dem geplanten Abriss des alten Gebäudes an der Bensberger Straße droht auch einer der wichtigsten steinernen Zeugen Heidkamper Historie zu verschwinden.

Die Stadt will das 1892 erbaute Gebäude abreißen. „Es ist einfach zu teuer für uns, die Immobilie weiter zu unterhalten“, sagt Sprecher Martin Rölen. Seit Jahren ist an dem Gebäude nichts mehr gemacht worden – außer notdürftige Flickarbeiten. Der Hauptmieter, die Arbeiterwohlfahrt, hat seine Räume nur notdürftig in Schuss gehalten. Ebenso wie der AdK (Arbeitsgemeinschaft der Künstler), dessen Mitglieder sich hier treffen. Die Leitungen sind marode, der Putz bröckelt, die Fensterrahmen verfaulen, und energetisch ist der Altbau sowieso eine Katastrophe. Es herrscht massiver Sanierungsstau.

„Ich gehe davon aus“, so Rölen, „dass die Stadt das Gebäude abbricht und das Grundstück vermarktet.“ Dies sei allerdings noch Zukunftsmusik. „Bevor wir nicht neue Räumlichkeiten für die Awo-Jugendwerkstatt und die Künstler gefunden haben, passiert hier nichts“, versichert der Stadtsprecher. Ein, zwei Jahre werde das wohl dauern, schätzt er.

Eine Chance, das geschichtsträchtige Ensemble zu erhalten, sieht die Stadt quasi nicht. „Unser Denkmalschutz hat schon versucht, die Hand darauf zu legen“, sagt Rölen. „Aber es sind zu wenige originale Merkmale der ursprünglichen Nutzung erhalten.“ Wer das Gebäude von außen betrachtet, mag das auf den ersten Blick kaum glauben. Alte Fotografien zeigen ein fast unverändertes Ensemble, sieht man von der gemauerten Umzäunung und den sieben großen Bäumen auf dem Schulhof ab. „Auf dem Hof stand früher der Brunnen, aus dem die Dorfbewohner Wasser geholt haben“, erinnert sich Artur Dietz. „Es war so etwas wie der Dorfplatz von Heidkamp.“ Auch heute noch bildet das markante, auch für Durchgangsfahrer deutlich sichtbare Gebäude mit seinem großen Vorplatz so etwas wie ein Zentrum des Gladbacher Stadtteils – wenn auch nur optisch.

Schon Artur Dietz’ Großvater hat an der Bensberger Straße, früher Wiesenstraße, eine Gaststätte und Bäckerei betrieben. Er ist eine Art „Ureinwohner“ von Heidkamp. Doch nicht nur er fände es schade, wenn die alte Volksschule verschwinden würde. „Heutzutage kann man historische Gebäude doch so kunstvoll sanieren und zumindest die Fassade erhalten“, sagt er.

Martin Rölen ist skeptisch, was eine solche Idee angeht. „Man soll das ja nicht kategorisch ausschließen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich für einen solchen Plan ein Investor finden lässt.“

1874 wird die erste Schule eröffnet. Doch die Volksschule „Auf der Wiesen“ (spätere Kochschule) ist bald zu klein. 1892 entsteht die neue Schule am heutigen Platz. 1923 Anbau mit Erweiterung durch vier Klassenräume, zwei Lehrerwohnungen und die Hilfsschule. Rasch wächst der südliche Stadtteil, vor allem im Gronauer Wald, auf bis zu 520 Schüler in acht Klassen.

Im und nach dem Krieg bietet die Schule – neben Lehrbetrieb – Sammellager für Soldaten, Obdachlose, Durchreisende. 1968 wird die Volksschule im Zuge der Bildungsreform in Grund- und Hauptschule geteilt. Die Hauptschule zieht an den Ahornweg. Zwei Grundschulen (evangelisch und katholisch) bleiben bis 1981 (Neubau in der Bonnschlade).

Quelle: „Klassentreffen 1993 Volksschule Heidkamp, Bensberger Straße, 1935-1943“ von Artur Dietz.