Bergisch Gladbach – Noch ist das hier ein Paradies für „Schrauber“. Kleingewerbe von der Kfz-Werkstatt bis zum Künstleratelier ist auf dem Wachendorff-Gelände Kradepohlsmühle angesiedelt.
Doch diese Mieter müssen mit ziemlicher Sicherheit bald ausziehen. Denn endlich, nach drei Jahren Planungs- und Genehmigungsphase, soll heute Abend der Bebauungsplan Nr. 2449 im Gladbacher Planungsausschuss beschlossen werden. 38 Seiten nebst Planzeichnungen und Stellungnahmen des Bürgermeisters enthält das Dokument der Verwaltung, das nun – hoffentlich – alle Eventualitäten berücksichtigt, von Anwohnerbedenken über Schallschutz, Verkehrserschließung, Wasserschutz bis hin zum höchst sensiblen Umweltbericht nach EU-Bestimmungen.
Mike Uhlmann ist erleichtert. Mit seinem Partner Wilhelm Fiebiger aus Odenthal hat der Investor das Areal der ehemaligen Papierfabrik gekauft, um hier auf etwa 10 000 Quadratmetern ein „neues Stadtviertel“ zu errichten, wie er das nennt. Das gesamte Gebiet umfasst ca. 3,9 Hektar.
Von seinem Büro im alten Hausmeisterhaus neben der Schranke blickt Uhlmann direkt auf das Schmuckstück der historischen Bebauung, das auch erhalten bleiben soll, das alte Kesselhaus. „Hier sollen Lofts entstehen“, deutet Uhlmann auf die Backstein-Mauern mit den großen Fensterfronten. Dahinter steht der pittoreske ehemalige Klärturm, der als eine Art Wahrzeichen der Industriekultur auch erhalten bleiben soll – ebenso wie Schlosserei und Maschinenhalle. Weiter hinten verfallene Lagerscheunen, marode Schuppen, ineinander verschachtelt.
„Das meiste muss weg“, bedauert der Bauherr. „Die Bausubstanz ist zu kaputt.“ Ein paar alte Steine werden wohl erhalten bleiben, integriert in die neue Bebauung. Ein Mix aus Arbeiten und Wohnen schwebt den Investoren vor, mit „stillem Handwerk“, Kunst, Arztpraxen, Büros für Agenturen und andere Kopfarbeiter, Kita und einer kleinen Nahversorgung, gruppiert um eine zentrale Piazza, durch die auch der Autoverkehr fließt. Entsprechend ist der B-Plan geändert worden.
Auch für das nördliche Baufeld zum Kradepohlsmühlenweg, der das Gelände erschließen soll, hat sich eine Änderung ergeben. „Wir haben bereits Gespräche geführt, um ein Seniorenheim mit Betreutem Wohnen einzurichten“, so Uhlmann weiter. Dieses soll als Riegel gegenüber der Werkshalle neu gebaut werden und das umfassende Angebot an Medizin-, Pflege- und Dienstleistungsangeboten für Senioren enthalten.
Die Architektur, die die Artefakte der Industriekultur einrahmen soll, wird bewusst modern sein. Da der Bereich südlich der Strunde nun großteils als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, rückt die Bebauung eher nach Norden.
Mike Uhlmann ist optimistisch, wenn der Bebauungsplan jetzt einen Monat lang offen liegt. Danach kann er anfangen, Mieter zu akquirieren. „Die Lage des Wachendorff-Viertels ist ideal: Es hat S-Bahn-Anbindung (Station Duckterath), Supermarkt und anderen Handel fußläufig, ist geschützt und dennoch durchgängig.“ Familien wünscht er sich hier, Kanzleien, Agenturen, Kleingewerbe, Künstler und Gastronomie.
Zielgruppe sind die Freunde jener umgewidmeten Industriebauten, wie sie derzeit im Mülheimer Carlswerk entstehen – dorthin ist bekanntlich auch der Lübbe-Verlag umgezogen. „Gleichzeitig wohnt man am Strunder Bach, also richtig im Grünen“, schwärmt Uhlmann.
