Drei Frauen aus der Pflegebranche berichten über ihre Arbeit während der Hitzeperioden.
BerufeWie sich Hitzewellen auf die Arbeit in der Pflege auswirken

Im Senioren-Park carpe diem in Bensberg gibt es ein Hitzeschutzkonzept.
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Die letzte Hitzewelle liegt ein bisschen zurück, doch die nächste lässt nicht lange auf sich warten. Bei anhaltenden Temperaturen jenseits der 30 Grad spürt jeder die Anstrengung, Menschen in körperlich fordernden Berufen ganz besonders, so auch Pflegekräfte. Drei Frauen aus der Pflegebranche berichten von ihrer Arbeit bei Extremtemperaturen.
„Viele behaupten, dass wir immer heiße Sommer hatten, aber wir spüren, dass es herausfordernder wird“, sagt Ayten Saltik, Interimseinrichtungsleitung im Senioren-Park carpe diem in Bensberg, wo circa 130 Mitarbeiter beschäftigt sind. Sie unterstützt Einrichtungen, in denen etwa jemand im Urlaub ist oder neu eingestellt wurde. „Wir haben ein Hitzeschutzkonzept, das in all unseren Einrichtungen greift“, erklärt sie.

Ayten Saltik ist Interimseinrichtungsleitung im Seniorenpark carpe diem in Bensberg.
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Dazu gehöre Lüften am Morgen und Abdunkeln. Anstrengende Aufgaben würden in kühle Stunden verlegt und es werde vermehrt beobachtet und dokumentiert, wie viel die Senioren trinken und der Blutdruck werde häufiger kontrolliert. „Wir verteilen Wassereis oder Melonenschnitze und Säfte, auch an das Personal. Da wir eine eigene Küche haben, können wir die Speisen anpassen, dann gibt es kühles und leicht verdauliches Essen.“ Die Mitarbeiter dürften auch mal von der Kleiderordnung abgewichen: statt langer Oberteile könnten kürzere und weitere Shirts getragen werden. Pausen werden auch öfter eingelegt.
Weil sich die Zimmer auf bis zu 30 Grad aufheizten, würde versucht, die Bewohner in klimatisierten Gruppenräumen der drei Wohngruppen zu versammeln. „Wir streichen auch Ausflüge und machen dafür etwas Nettes im Heim“, sagt sie. Kühltücher für den Nacken wurden für Mitarbeiter und Senioren angeschafft. Ventilatoren kämen weniger zum Einsatz, da sie zu Erkältungen führten. Laut Saltik sei weiterhin geplant, nachzurüsten.

Aylin Klever ist Pflegedienstleitung bei der aktiv Pflege Odenthal.
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Saltik ist zufrieden bei carpe diem und findet, dass gut auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter eingegangen werde. „Was den Menschen aber abverlangt wird, ist enorm.“ Der Aufwand durch den Hitzeschutz und der Pflegenotstand machten sich bemerkbar, während viel Personal im Urlaub sei. Wegen Erschöpfung oder Krankheit fielen auch Leute aus. Hinzu komme psychische Belastung, da zu sehen sei, wie die Hitze die Senioren belaste oder jemand wegen Dehydrierung ins Krankenhaus muss. Saltik wünscht sich daher, dass sich die Politik öfter einen Eindruck vor Ort verschaffe, bevor neue Vorgaben gemacht würden. „Aber wir machen das Beste aus jeder Situation,“ sagt sie optimistisch. Mehr Personal wünsche sich carpe diem dennoch.
Anders sieht es bei Aylin Klever, Pflegedienstleitung bei der aktiv Pflege Odenthal, aus. Sie betreut Senioren ambulant. „Unser Alltag ist sehr schnelllebig, deshalb müssen wir uns oft selbst daran erinnern zu trinken“, meint Klever. Die zusätzliche körperliche Anstrengung sei spürbar. „Wir müssen oft Treppenhäuser hoch- und runterlaufen und häufig mit dem Auto fahren. Bei der letzten Hitzewelle habe ich bemerkt, dass ich einen Sonnenbrand auf meinem linken Arm bekommen habe“, so die Pflegedienstleitung.
Da sie zum Kunden kommt, habe sie es mit unterschiedlichen Gegebenheiten zu tun. Die rund 130 Haushalte, die die aktiv Pflege Odenthal mit 15 Mitarbeitern abdecke, lägen in Odenthal, Bergisch Gladbach, Leverkusen, Schlebusch und Burscheid. „Die Temperaturen bei den Leuten sind unterschiedlich, zum Teil wohnen sie in großen Häusern in Massivbauweise, dort ist es manchmal sogar kalt.“ Von einer stärkeren Belastung würde sie nicht sprechen. „Der Sommer ist halt heiß und dann ist er auch wieder vorbei“, sagt sie pragmatisch. Dass sie und ihre Kollegen länger arbeiten oder mehr Einsätze betreuen müssen, sei nicht der Fall. Es gebe etwas häufiger Fälle von dehydrierten Senioren oder höhere Anfahrtsquoten, jedoch nicht in belastendem Maße. Höchstens bei den Beratungen gebe es mehr Aufwand. „Es gibt einen Hitzestandard, der im Qualitätsmanagement geführt werden muss.“ Damit verbunden sei etwa die Beratung, bei der aufs Lüften und Abdunkeln hingewiesen oder zur Anschaffung von Ventilatoren oder Klimageräten geraten wird. „Wir füllen Getränke nach und gehen einkaufen, gerade bei denen, die es nicht mehr selbst können.“ Außerdem, „sorgen wir selbst für Abkühlung, indem wir lüften oder in Dachgeschosswohnungen Ventilatoren aufstellen“. Viele Senioren würden eingekleidet, so könne man auf angemessene Kleidung achten.
Ein wenig sorgt sich Klever doch. „Es gibt Personen, die diese Hilfe brauchen, auch mehrmals am Tag, um zum Beispiel ans Trinken erinnert zu werden, wenn aber das Pflegegeld nicht reicht…“, beklagt sie. Viele Ältere würden nicht vom Pflegedienst versorgt, deshalb findet sie, dass man etwa Kühlakkus zu den Pflegehilfsmittelpaketen tun könnte. „Angehörige spielen auch eine große Rolle. Selbst wenn man weit auseinanderwohnt, wäre es wichtig, die Familie an einen Tisch zu holen und zu versuchen, Aufgaben aufzuteilen. Sie werden mehr gebraucht, als sie denken.“

Britta Engelmann aus Kürten betreibt selbstständig die mobile Alltagsbetreuung Engelmann.
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Britta Engelmann aus Kürten ist mit ihrer mobilen Alltagsbetreuung selbstständig und beschäftigt zwei Teilzeitmitarbeiterinnen. „Keiner unserer Kunden musste ins Krankenhaus“, sagt sie über die rund 40 Senioren, die sie im Kreis betreuen. Auch ihre Angestellten hätten die Zeit gut gemeistert. „Dadurch, dass sie sich alles frei einteilen können, auch die Pausen, ging das“, meint die Kürtenerin. „Ich habe als kleine Aufmerksamkeit kühle Snacks gerichtet, oder bin einen Salat mit ihnen essen gegangen bei der Übergabe. Ich finde es wichtig, dass man sich unterstützt, egal ob in einer Einrichtung oder mobil, weil es doch an den Kräften zehrt.“ Wenn man aber positiv bleibe, wirke sich das auch auf andere aus.
Das Prozedere sieht bei Engelmann ähnlich aus, wie bei der aktiv Pflege. „Wir haben die Einkäufe erledigt, auch bei Leuten, die sonst selbstständiger sind. Das unterstützen wir eigentlich, aber wegen des Kreislaufs war uns das zu riskant.“ Morgens würden sie früher losgehen, um etwa zu lüften, da viele Wohnungen und Häuser nicht klimatisiert seien. Einmal die Woche gebe es eine Gruppentour, bei der sie die Senioren einsammele. „Dann sind wir zur Eisdiele gefahren oder dorthin, wo es schattig war.“
Trotz der überstandenen Hitze – der Trend mache auch ihr Sorgen. „Die ältere Generation sollte gut aufgehoben sein. Man sollte sich, wenn nötig, ein Klimagerät anschaffen, nächstes Jahr wird es wieder so sein.“