Kerpen – Es sind dramatische Szenen, die sich am Dienstagabend in der Horremer Sistenichstraße abspielten: Aus vorerst ungeklärten Gründen brach um kurz nach 22 Uhr in einem Mehrfamilienhaus ein Feuer aus. Dichter Rauch quoll aus einer Wohnung im ersten Stock des Gebäudes. Anwohner hatten die Feuerwehr alarmiert.
Als die ersten Rettungskräfte wenige Minuten später am Unglücksort eintrafen, befand sich eine 81-jährige Frau noch in der Brandwohnung. Durch den Qualm war ihr Fluchweg über das Treppenhaus abgeschnitten. Feuerwehrleute halfen ihr schließlich, durch ein kleines Badezimmerfenster zu klettern und brachten sie über eine Außentreppe in Sicherheit. Sie musste mit einer schweren Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht und später in eine Spezialklinik verlegt werden.
Ihren 78-jährigen Mann fand ein Rettungstrupp leblos im Schlafzimmer der Wohnung, in der nach ersten Erkenntnissen das Feuer auch ausgebrochen zu sein schien. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Unterdessen hatte der Rauch über das Treppenhaus auch die oberen Stockwerke des Hauses erreicht, in dem laut Auskunft der Polizei 18 Personen gemeldet sind. Insgesamt 14 Bewohner traf die Feuerwehr im Haus an. Sie hatten sich größtenteils auf den Balkonen ihrer Wohnungen vor dem Rauch in Sicherheit gebracht. Über tragbare Leitern wurden sie von Feuerwehrleuten betreut und nach ersten Lüftungsmaßnahmen nach draußen geführt. Neun von ihnen – darunter auch mehrere kleine Kinder und ein Säugling – mussten dabei zum Schutz vor dem Qualm Fluchthauben tragen. Die Bewohner der Erdgeschosswohnungen hatten sich zuvor selbst ins Freie retten können.
Die Betroffenen wurden von Notärzten und Notfallseelsorgern betreut, bis der Brand gelöscht und die Lüftungsmaßnahmen abgeschlossen waren. Sie wurden in einem Schnelleinsatzzelt versorgt. Anschließend konnten sie in ihre Wohnungen zurückkehren.
An dem Einsatz waren über 100 Kräfte der Feuerwehr Kerpen, des Rettungsdienstes im Rhein-Erft-Kreis und des Deutschen Roten Kreuzes unter Leitung von Branddirektor Wolfgang Graß beteiligt. Noch am Abend trafen auch Kerpens Bürgermeisterin Marlies Sieburg sowie der Kreisordnungsdezernent Martin Schmitz an der Unglücksstelle ein und sprachen den Angehörigen des verstorbenen Mannes ihr Mitgefühl aus.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen und die Brandwohnung vorübergehend beschlagnahmt.
