Bedburg – Die Reden waren geschrieben, das Rahmenprogramm längst einstudiert. Doch die für morgen geplante Abschlussfeier an der Bedburger Realschule wird nicht stattfinden. Weil ein Teil der Absolventen in der Nacht zum Montag auf dem Schulgelände randaliert hat, sogar die Polizei einschreiten musste, hat der Schulleiter die Feierlichkeiten ersatzlos gestrichen.
„Der Schulhof war heute morgen ein Meer von Scherben“, sagt Emmo Ankel. Doch damit nicht genug: Er berichtet von eingeschmissenen Scheiben, einer aufgebrochenen Tür und einem entleerten Feuerlöscher. Es wurden zudem Rollo-Führungen verbogen, Klinkersteine zerstört und eine Laterne zerdeppert. Die Schüler kann der Vandalismus nun teuer zu stehen kommen. „Wir schätzen den Schaden auf rund 6000 Euro“, sagt Ankel.
Nach negativen Erfahrungen aus den Vorjahren hatte die Schulleitung eigentlich sämtliche Feiern der 10. Klassen auf dem Schulgelände untersagt, nur die vorhergehende Mottowoche war genehmigt. Etwa 30 der rund 80 Abschlussschüler hätten sich nach dem Deutschland-Spiel dennoch auf dem Schulgelände aufgehalten, sagt Ankel. Unter starkem Alkoholeinfluss sei die Lage dann eskaliert.
Der Schulleiter spricht von einem harten Kern von fünf, sechs Schülern, die er für die Randale hauptsächlich verantwortlich macht. „Diese sind mir namentlich bekannt“, sagt er. Es handele sich um Schüler, die „schon die ganze Zeit Schwierigkeiten gemacht haben“. Nun, so vermutet der Schulleiter, hätten sie, als Abgänger mit eher schlechten Zeugnissen, „ihren Frust rausgelassen“. Von den anderen Absolventen seien die meisten gegangen, als die Situation sich zuspitzte, hat Emmo Ankel erfahren. Einige von ihnen hätten dann sogar selbst die Polizei gerufen, die die ausufernde Party daraufhin auflöste. Ermittlungen gegen die Täter liefen, auch die Stadt sei über die Vorfälle informiert.
Die Abschlussfeier im Schloss hat Emmo Ankel jetzt gestoppt, auch der ökumenische Gottesdienst wird ausfallen. Dass damit auch Unbeteiligte unter der Absage zu leiden hätten sei bedauerlich, aber unvermeidlich, meint Ankel. „Mit Blick auf die nächsten Schülergenerationen muss nun ein deutliches Signal gesetzt werden“, lässt er die Schülerschaft auf der Homepage der Realschule wissen.
Von allen Seiten ernte er Verständnis für seine Entscheidung, sagt der Schulleiter. Selbst von denen, die sich seit Wochen auf die Feier vorbereitet hatten: Kollegen, Eltern, Schüler. „Die meisten haben gar keine Lust mehr auf eine Feier unter diesen Umständen.“ Viele hätten sich am Montag sogar an den Aufräumarbeiten beteiligt, obwohl sie nicht zu den Verursachern gehörten, wofür er sich bedanke. Andere dagegen trieb wohl das schlechte Gewissen zurück.
Treffen werden sie sich nun dennoch alle noch einmal. Am Freitagmorgen können sie sich ihre Abschlusszeugnisse abholen. Ganz nüchtern im Schulsekretariat, ganz ohne Musik.
