Ärger um PreisgeldFür den ersten Platz gab es fünf Euro

Da war die Welt noch in Ordnung: Maciek Miereczko (rechts, Nummer 1087) beim Start des Erftstädter City-Laufes. )
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Erftstadt – „Es geht mir wirklich nicht ums Geld“, sagt Maciek Miereczko. Der renommierte Sportler ist auch schon bei Laufveranstaltungen angetreten, bei dem es nur um die Ehre ging – und vielleicht um einen Pokal. Doch das, was am Sonntag beim Citylauf in Erftstadt geschehen ist, empfindet der 39-jährige Athlet als Demütigung.
Was war geschehen? Bei seinem „Heimatlauf“ in Erftstadt hatte Miereczko über die Zehn-Kilometer-Distanz den zweiten Platz belegt. Anschließend gewann er den Fünf-Kilometer-Lauf. Doch in dem Umschlag mit dem Preisgeld fand er in beiden Fällen nur bescheidene fünf Euro. Zum Vergleich: Der Drittplatzierte im Zehn-Kilometer-Lauf hatte 40 Euro erhalten, die Siegerin über zehn Kilometer sogar 100 Euro.
Geld wieder zurückgegeben
„Als ich bei der Siegerehrung nach dem Zehn-Kilometer-Lauf nur fünf Euro bekam, dachte ich noch, das sei vielleicht ein Versehen“, berichtete Miereczko. Er entschied sich, erst einmal abzuwarten. Doch für den Sieg über fünf Kilometer erhielt er auf offener Bühne wieder nur fünf Euro. „Das ist ein Witz, da hätte man mir besser gar nichts gegeben“, sagt Miereczko: „Das war eine Sportveranstaltung, aber der Veranstalter hat sich alles andere als sportlich verhalten.“ Er hat das Preisgeld noch an Ort und Stelle zurückgegeben.
Miereczko spricht von „Diskriminierung“ – nicht mit ethnischem Hintergrund, weil der Läufer polnische Wurzeln hat, sondern in einem anderen Sinne. „Man nimmt mir wohl meinen Vereinswechsel übel“, sagt Miereczko.
Wie der Sportler erklärte, wurde er früher mit einem Sponsorenvertrag vom Förderverein Citylauf unterstützt. Doch vor einiger Zeit wechselte er die Fronten. Miereczko tritt nun für die Abteilung Multisport im VfB Erftstadt an, der mit dem „Erftstadtlauf“ eine Konkurrenzveranstaltung zum Citylauf aufgezogen hat. Und auch sonst sind sich die beiden Vereine spinnefeind. „Der Förderverein muss mich ja nicht mögen“, sagt Miereczko. Aber die Auseinandersetzungen um den Vereinswechsel müssten auf andere Weise geklärt werden.
Im Zweifelsfall vor Gericht, so Miereczko, aber nicht durch eine derart unsportliche Retourkutsche, wie es sie jetzt beim Citylauf gegeben habe.
Im Umfeld ist die Empörung groß. Peter Kaulen, früher beim Citylauf engagiert und heute Multisport-Abteilungsleiter beim VfB Erftstadt, spricht davon, dass der Top-Läufer Miereczko „öffentlich bloßgestellt“ worden sei. Das Preisgeld sei ein „blanker Hohn“. Es handele sich um eine öffentliche Verbandslaufveranstaltung. Kaulen: „Da kann nicht jeder machen, was er will.“ Er habe sich in der Angelegenheit an den Leichtathletikverband gewandt.
Adi Bitten, Vorsitzender des Fördervereins Citylauf, sieht sich mit einem Shitstorm im Internet konfrontiert, nachdem die Vorgänge öffentlich bekannt geworden waren. „Dabei wird immer nur die halbe Wahrheit erzählt“, klagt Bitten. Unterschlagen werde unter anderem, dass Miereczko 150 Euro für seinen Streckenrekord über fünf Kilometer erhalten habe. Mit den Preisgeldern von jeweils fünf Euro seien immerhin 160 Euro zusammengekommen. Hinzu seien noch Warengutscheine und die Trophäe für den Erftstadt-Champion gekommen, die von dem Künstler Milos Tíchy angefertigt wurde und ebenfalls „mehrere Hundert Euro“ wert sei, so Bitten.
Was die Preisgelder für die ersten Plätze anbelangt, habe man sich im Vorfeld nicht festgelegt und sei frei in der Gestaltung, so Bitten. Bewusst habe man sich entschieden, Miereczko eine „Denkaufgabe“ zu stellen. „Er hat mit uns noch einen gültigen Kooperationsvertrag bis zum 30. November“, erklärt Bitten. Miereczko verstoße aber permanent dagegen, indem er für einen anderen Verein antrete. Dagegen, so Bitten, habe man sogar eine einstweilige Verfügung erwirkt.
„Er ist nicht gesprächsbereit“
Miereczko sei auch nicht gesprächsbereit. „Deswegen haben wir zuerst überlegt, ihn überhaupt nicht starten zu lassen“, sagt Bitten.
Davon habe man aber Abstand genommen – und entschieden, den Sportler mit dem geringeren Preisgeld dazu zu bringen, über sein Verhalten nachzudenken. Man schätze Miereczkos sportliche Leistungen sehr, er sei aber „zum Spielball Dritter“ geworden.
Von den Vorgängen „peinlich berührt“ und „sehr bestürzt“ war Sabine Acker, die Vorsitzende des VfB Erftstadt. „Es ist ja auch für die Sponsoren peinlich, wenn sie einen Umschlag mit fünf Euro überreichen müssen.“
