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Von Oberstdorf nach MeranSchüler eines Bedburger Gymnasiums überqueren zu Fuß die Alpen

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Schüler stehen und knien um einen großen Stein herum auf einem Schulgelände.

Der Projektkurs des Silverberg-Gymnasiums um Lehrer Oliver Großmann (vorne, l.) bereitet sich auf die Alpenüberquerung im Juli vor.

Der Projektkurs des Silverberg-Gymnasiums um Lehrer Oliver Großmann bereitet sich derzeit auf die Alpenüberquerung im Juli vor.

Hannibal hat vor gut 1800 Jahren die Alpen überquert, Napoleon vor 227 Jahren, beide mit kriegerischen Ambitionen. Jetzt will es eine Schülergruppe des Silverberg-Gymnasiums versuchen, freilich in friedlicher Absicht. Zu Ende des Schuljahres gehen neun Schülerinnen und Schüler mit zwei Lehrern und einer Bergführerin den E5-Wanderweg von Oberstdorf nach Meran.

Schon vor zwei Jahren hatte Lehrer Oliver Großmann die Idee. Und spontan hatten sich neun Schülerinnen und Schüler der Q1 (früher Stufe 12) dafür begeistert. Sie alle eint, dass sie bereits Erfahrung mit mehrtägigen Wanderungen haben. Großmann richtete daraufhin zum Schuljahresbeginn einen einjährigen Projektkurs ein, dessen Benotung auch zum Abitur zählt.

Noten gibt es für Projektarbeiten etwa über Geologie, Geografie, Sprachgrenzen, Skigebiete, Massentourismus, Alpenliteratur, Geschichte, Politik, Gletscher, Stauseen, Kultur, Flora und Fauna der Alpenanrainer, aber auch über Ökologie und Nachhaltigkeit.

Im Siebengebirge und an der Ahr: Zwei Tageswanderungen hat die Gruppe schon unternommen

Schon zwei Tageswanderungen, im Siebengebirge und an der Ahr, hat die Gruppe um Großmann und Lehrer Martin Kovermann, beide ebenfalls erfahrene Streckenwanderer, unternommen. Die Strecken wurden betrachtet und eine Bergführerin vom Oberstdorfer Alpenverein als ständige Begleiterin der Tour engagiert.

Geplant sind Anfang Juli nach der Anreise per Zug sechs teilweise anspruchsvolle Bergwanderetappen mit Strecken von elf bis 20 Kilometern. Geschlafen wird auf Hütten. Einige Passagen werden, wie beim E5 üblich, mit dem Bus zurückgelegt, einige Anstiege auch mit Bergbahnen. Zu Fuß gilt es, 5300 Höhenmeter zu erklimmen, abwärts geht es über gut 6000 Höhenmeter.

In einem Klassenzimmer packen Schülerinnen und Schüler Rucksäcke.

Probepacken der Rucksäcke für die Alpenüberquerung stand für Schülerinnen und Schüler des Silverberg-Gymnasiums auf dem Stundenplan.

Jetzt stand das Probepacken der Rucksäcke auf dem Stundenplan. Am Anfang stand das Abarbeiten der vom Alpenverein vorgegebenen Gepäckliste mit Kleidung für kalte, warme und nasse Stunden und den nützlichen Utensilien bis zu Sonnencreme, Blasenpflaster und Spikes für nasse Wiesen und Eispassagen, wie sie etwa am Pitztaler Gletscher anzutreffen sind.

Anschließend wurde alles in den Rucksäcken verstaut. Großmann hängte die Gepäckstücke an die Kofferwaage: Passt – bei fast allen. Einer muss noch ein paar Kilo einsparen, ansonsten war das gewünschte Gewicht von rund acht Kilogramm inklusive Wasserration und Wanderstöcken geschafft.

Ziel ist, so Großmann, die Bewältigung der sportlichen Herausforderung, kulturelle und historische Bildung mit Persönlichkeitsentwicklung und Teamkompetenz. „Aber es soll auch ein Erlebnis für alle werden“, betont er. „Das ist eine einmalige Gelegenheit, mit einer Gruppe zu wandern, die man kennt“, freut sich Maren. Auf „Erinnerungen, die wir nie vergessen werden“, hofft Laura. „Wir waren von Anfang an Feuer und Flamme“, brennt Jonas auf die Tour.

Auf dem vorbereitenden Fitnessplan standen Radtouren, Sportwettkämpfe und Berg-Yoga. Im Mai geht es zu einer Tageswanderung mit vollem Wochengepäck in die Eifel. „Wir wollen ausprobieren, wie sich acht Kilo auf dem Rücken über eine längere Strecke anfühlen“, sagt Großmann, der den E5 bereits gegangen ist. Dann sind es nur noch wenige Wochen bis zum Start in den Transalp. Über die Tour soll ein Reisetagebuch geführt werden.