Gefiederte Mitbewohner unterm DachIn einem Bedburger Haus nisten Turmfalken

Seit drei Jahren wird der Dachboden von Familie Lang als Kinderstube für Turmfalken genutzt.
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Bedburg-Broich – Ein Kinderzimmer mit Aussicht hat sich ein Turmfalkenpärchen vor drei Jahren im Dachgeschoss eines Hauses an der Rupperburg eingerichtet. Seitdem werden dort jährlich Falkenküken ausgebrütet und auf das Leben vorbereitet.
Etwa 45 Zentimeter ist die Giebelmauer dick, in der sich eine Giebelrosette, eigentlich zur Belüftung des Dachbodens vorgesehen, befindet. Vor drei Jahren habe die Turmfalken in der schmalen Fensterlaibung gebrütet. Seitdem ist die Kinderstube deutlich komfortabler geworden.
Bedburg: 17 Eier legte das Weibchen in drei Jahren
Vor der Luke hat Dirk Lang ein Brett als Start- und Landebahn angebracht und in diesem Jahr noch einen Kasten hinter der Öffnung eingebaut und bequem gepolstert. Nicht ganz selbstlos, denn dadurch wurde der Verkotung von Giebel und Bürgersteig Einhalt geboten.
Petra Lang hat eine Kamera eingebaut, die neuerdings per Internet auch aus der Ferne für Livebilder aus der „Falkenvilla“, wie Dirk Lang sie nicht ohne Stolz nennt, sorgt. Die dokumentieren auf Smartphone und Computer Brut und Aufzucht. 17 Eier legte das Weibchen in den drei Jahren, 14 junge Turmfalken sind das erfreuliche Resultat der Elternzeiten. Drei Eier sind bei einem Zickenkrieg mit einem konkurrierenden Falkenweibchen zerbrochen.
Jedes Küken bekommt etwa 50 Mäuse in der Aufzuchtphase
„Vier Wochen dauert die Brutzeit, weitere vier Wochen die Aufzucht, bis die Küken flügge sind“, berichtet Petra Lang. Jedes Küken bekomme etwa 50 Mäuse in der Aufzuchtphase geliefert. Das Catering besorgt das Männchen, Brüten ist Sache des Weibchens. „Aber beim Brüten löst das Männchen das Weibchen auch gelegentlich ab, damit es mal die Flügel recken kann“, hat Petra Lang beobachtet.

Mit einer Kamera wird die Aufzucht dokumentiert.
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Vier weitere Wochen lang halten sich Alt- und Jungvögel in der Umgebung auf, sitzen auf der Küchenfensterbank, auf Dächern oder Bäumen in den umliegenden Gärten. „Danach sind sie nicht mehr zu sehen“, sagt Petra Lang.
Turmfalke in Bedburg: Blicke der Passanten
Sie nimmt an, dass die Falken ursprünglich im St.-Lambertus-Kirchturm gebrütet haben. „Aber den Platz haben ihnen Schleiereulen streitig gemacht.“ Passanten bleiben stehen oder halten ihre Autos an, wenn die Jungvögel sich von der Luke aus einen Blick in die Welt gönnen.
Begeistert von der Bereitstellung des Falken-Wohnraums ist der Bedburger Naturschutzberater Rolf Thiemann, der die Langs von Beginn an unterstützt. Viele würden Nester, auch die von Schwalben, an ihren Häusern entfernen, weil sie Dreck verursachten. „Die Luke zuzumachen, war keine Option für uns. Wir sind Tierfreunde und froh, dass die Falken in unserem Haus nisten“, sagt Petra Lang. „Falken können bis zu 20 Jahre alt werden, und es sieht so aus, als wären es immer dieselben Altvögel, die hier brüten“, sagt Rolf Thiemann.
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Mittels der in diesem Jahr installierten HD-Kamera und anhand der Aufzeichnungen wollen die Langs das im nächsten Jahr nachweisen. Fast sind sie traurig, dass die Turmfalken jetzt wieder für ein Jahr verschwunden sind. „Morgens galt der erste Blick dem Kamerabild, zum Ende der Brutzeit oft auch nachts. Es hat großen Spaß gemacht, die Brut- und Aufzuchtzeit zu beobachten“, sind die tierfreundlichen Hausbesitzer sich einig.



