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Berni BreuDer Prinz aus Brühl, der den Karneval lebte

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Brühl – Wenn er heute zum Mikrofon greift, ist es wie früher – beinahe. „Bröhl, Bröhl, Bröhl dat es ming Heimatstadt“, klingt dann seine Stimme aus den Lautsprechern. Es sind herzliche Worte an die Schlossstadt und ihre Einwohner gerichtet, gedichtet auf die Melodie des Schneewalzers: „Bröhl, Bröhl, Bröhl dat es ming Heimatstadt, die nur goldene Menschen hat,“ singt Berni Breu.

1974 hat er dieses Lied unzählige Male als Prinz Karneval zum Besten gegeben. Heute singt er es ab und zu noch auf Veranstaltungen und als Mitglied des Senatschors der Fidelen Bröhler Falkenjäger. Berni Breu erinnert sich mit großer Freude an die Zeit, als er als Prinz des Brühler Dreigestirns die Jecken regierte. Und eines nimmt er vorweg: „Ich würde nicht sagen, dass damals alles besser war. Es war anders, vielleicht etwas persönlicher, weil noch die ganze Nachbarschaft mit angepackt hat.“

Es war Anfang der 70er-Jahre. Da gab es keinen Karnevalszug in der Innenstadt. Gefeiert wurde in Brühl in den Veedeln. Über Jahre hinweg war immer wieder versucht worden, den Karneval in der Innenstadt wiederzubeleben – ohne Erfolg. 1970 wurde dann aus diesem Grund und auf Initiative von Bürgermeister Wilbert Hans und Stadtdirektor Dr. Wilhelm Schumacher der Festausschuss Brühler Karneval gegründet. Es wurden Karnevalsmottos ausgegeben, Dreigestirne gestellt. 1974 schlug dann Berni Breus große Stunde.

Feiern bis spät in die Nacht

Er gehörte damals dem Sparverein „Großer Meister“ der Gaststätte seiner Eltern an der Bonnstraße an. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans, der die Jungfrau Johanna gab, und Bauer Hans-Josef Kuhl wurde Prinz Berni I. der schmucke Regent des Brühler Dreigestirns 1974.

Der Hofstaat des Trifoliums war besonders musikalisch und schwungvoll. Es waren 20 Musiker der Gruppe „Musicalclowns“, zu der auch Berni Breu gehörte, und für die er sämtliche Liedertexte dichtete. Sogar Kindertollitäten gab es: Kinderprinz Jörg und Jungfrau Elke, Berni Breus Kinder, und Bauer Georg Kuhl, Sohn des „großen“ Bauers.

Wohin Prinz Berni I. mit dem Dreigestirn und dem Gefolge auch kam, er wurde frenetisch gefeiert. Die Sitzungen wurden in der Aula des Max-Ernst-Gymnasiums gefeiert. „Die Schulleitung war damals ganz schön sauer“, erinnert sich der 83-Jährige und schmunzelt. „Wir haben da bis spät in die Nacht gefeiert und geraucht. Den Qualm haben die mit einfachem Lüften gar nicht aus den Räumen bekommen.“

Ein ganz besonderer Prunkwagen

„Berni Breu schlug wie eine Bombe ein“, titelte eine Tageszeitung damals direkt nach der Proklamation. „Der Sonnenprinz“ wurde der damals 40 Jahre alte Hauptamtsleiter genannt. Als Tollität dirigierte er die Musicalclowns, mit einer eigenen Rede – „er an sein Volk tut sich wenden“ – sprach er zu den Jecken, er feierte, er lachte. Und er sang „Bröhl, ming Heimatstadt“.

Höhepunkt seines Wirkens als Prinz Berni I. war Berni Breus Teilnahme am großen Karnevalssonntagszug durch die Brühler Innenstadt. „Es war für uns alle ein großer Tag, der beste überhaupt“, erinnert sich der 83-Jährige. „Was unsere Nachbarn da vollbracht hatten, war wirklich unglaublich.“

In mühevoller Kleinarbeit hatten die Freunde und Anwohner der Bonnstraße einen besonderen Prunkwagen gezimmert – eine beeindruckende Nachbildung der Terrasse von Schloss Augustusburg. Am höchsten Punkt der Treppe, hinter der kunstvoll nachgestalteten Balustrade, postierte sich der Karnevalsprinz, zu seinen Füßen erstreckte sich der nachgebildete Schlosspark mit zwei Springbrunnen.

„Bröhl, ming Heimatstadt“

Natürlich sprudelten dort auch zwei Fontänen. Gebaut hatten Breu und seine Freunde den Festwagen auf dem Gelände der Stadtwerke, im Herzen der Stadt. Dort, wo heute der Kaufhof steht.

Prachtvoll und imposant rollte die Schlossterrasse bei einer Probefahrt durch die Innenstadt, bis zur Einmündung der Schützenstraße in die Mühlenstraße. Dort blieb der Wagen stecken. Breu: „Da wurde kurzerhand ein Drängelgitter abgeflext. Dann lief das Ganze weiter.“

Den Tag des Umzugs durchlebt Breu besonders gerne noch einmal: „Die Fahrt durch die Stadt werde ich nie vergessen“, sagt er versonnen. „Bis heute höre ich die Rufe der Leute und sehe ihre Freude.“ Und auch hierbei lag „Bröhl, ming Heimatstadt“ dem Sonnenprinz auf den Lippen.

Nach der fulminanten Session wurde das Lied auf Vinyl gepresst. „Es gab damals kaum eine Kneipe in Brühl, die nicht diese Schallplatte in ihrer Musikbox hatte“, erinnert Breu sich und lacht. „Unbeschreiblich.“