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Musik mit AussichtMusiker verbanden in Elsdorf Stücke von Beethoven mit Kraftwerk-Songs

3 min
Musiker auf der Bühne.

Die Ärzte hatten ihm Schonung angeraten, aber ein kurzes Gitarrensolo konnte sich Initiator Dieter Kirchenbauer beim Elsdorfer "Beethoven trifft Kraftwerk"-Konzert dann doch nicht verkneifen.

Trotz allen Ungemachs nahmen die Musiker das dankbare Publikum auf eine betörende und zuweilen verblüffende musikalische Reise.

Das Improvisieren gilt als die hohe Kunst des Musizierens – allerdings nicht unbedingt in der Form, die am Sonntagnachmittag bei „Musik mit Aussicht“ am Berrendorfer Terranova-Forum angewendet werden musste. Fürs fünfte und vorletzte Konzert der beliebten städtischen Freiluft-Sommerreihe war eine spannende künstlerische Liaison geplant: Kompositionen des großen Klassik-Meisters Ludwig van Beethoven sollten mit den experimentellen Elektropop-Klängen der Düsseldorfer Band Kraftwerk verknüpft werden.

Elsdorf: Ärzte verordneten Ruhe

Das gelang am Ende auch vorzüglich, aber eben etwas anders als ursprünglich gedacht. Das Konzept fürs „BeethovenWerk“ stammt aus der Feder des Bedburger Gitarristen und Produzenten Dieter Kirchenbauer, der auch der künstlerische Leiter von „Musik mit Aussicht“ ist. Mit seiner Gitarre wollte Kirchenbauer selbst eine tragende Rolle bei „Beethoven trifft Kraftwerk“ spielen. In der vergangenen Woche musste sich der Impressario jedoch kurzfristig einer Operation unterziehen und bekam von den Ärzten erstmal Ruhe verordnet.

Zum Glück hat Kirchenbauer Profis an Bord, die improvisieren können: Das Programm wurde mit heißer Nadel kurzerhand gitarrenfrei umgekrempelt. Doch am Veranstaltungstag selbst meldete sich eine weitere tragende Kraft telefonisch aus dem Krankenhaus zu Wort: Tastenmann Gert Kapo war in einen Verkehrsunfall mit Totalschaden seines Wagen verwickelt und hatte selbst Verletzungen davongetragen.

Tastenmann hatte einen Unfall

Erst sagte er ab, dann aber doch wieder zu – und traf mit diversen Prellungen pünktlich am Ort des musikalischen Geschehens ein. Schön, dass sich Vollblutmusiker so schnell nicht ausbremsen lassen. Trotz allen Ungemachs nahmen sie das dankbare Publikum auf eine betörende und zuweilen verblüffende musikalische Reise. Das Streichquartett Maison Noire unter Leitung von Violinistin Natalia Demina servierte Ausschnitte aus berühmten Beethoven-Werken, teils pur, teils mit augenzwinkernd eingebauten Variationen.

Zwischendurch streute Gert Kapo reizvolle Eigenkompositionen für Klavier und Syntheziser ein. Olav Kalbow (Kontrabass, E-Bass, Posaune) und Uli Poth (Perkussion, Schlagzeug, Pauken) komplettierten das hochkarätige Aufgebot. Besonders heiß wurde es, wenn alle Musikerinnen und Musiker gemeinsame Sache machten und in wechselnden Besetzungen ganz konkret den Bogen von Beethoven zu Kraftwerk spannten.

So wurden die vielleicht bekanntesten Melodien der Protagonisten – hier „Elise“, dort „Autobahn“ - kurzerhand zu „Elise auf der Autobahn“ verschmolzen. Großartig gelang auch die Jazz-Verknüpfung des Hauptmotivs aus Beethovens Fünfter mit Dave Brubecks „Take Five“ zu „Take the 5th“. Ganz neu erleben konnte man die elektronischen Kraftwerk-Hits „Das Modell“ und „Radio-Activitity“, als sich das Streichquartett einfach mal unbekümmert klassisch einmischte.

Und irgendwann ließ sich Dieter Kirchenbauer unter großem Beifall dann doch zu einem ganz kurzen Gitarrensolo überreden. Mit der „Ode an die Freude“ klang das etwas andere „Musik mit Aussicht“-Konzert schließlich kraftvoll aus. Zum Abschluss der Reihe steigt am Sonntag, 23. August, ab 17.30 Uhr am Terranova-Forum der große Cover-Gipfel „Smoke on the Stairway“ mit Top-Musikern aus der Region – und einem hoffentlich wieder fitten Dieter Kirchenbauer an der E-Gitarre.