Bürgerinnen und Bürger entwickeln Ideen zur Gestaltung des Bereichs an der Wassereinleitung an der Porta Sophia in Elsdorf-Esch.
Wo ein See entstehtDas wünschen sich Bürger rund ums Rheinwasser in Elsdorf

Am Ende des Speedway-Freizeitradwegs hinter der Aussichtstreppe soll der Einlauf des Rheinwassers in den Tagebau inszeniert werden.
Copyright: Dietmar Fratz
Es fließt noch viel Wasser den Rhein herunter, bevor der Fluss, geplant 2030, in Dormagen zur Ader gelassen wird, um den Tagebau Hambach zu füllen und ihn zu einem See werden zu lassen. Doch schon jetzt waren die Bürgerinnen und Bürger in einem Workshop gefragt, um Ideen zur Gestaltung des Bereichs an der Wassereinleitung an der Porta Sophia am Ende des Speedway-Freizeitradwegs in Elsdorf-Esch zu entwerfen.
Neuland Hambach, der Verbund der Hambach-Anrainerkommunen, hat die Landschaftsarchitekten „bauchplan“ aus Köln, München und Wien mit der Planung des Projekts beauftragt. Doch jetzt hatten die Bürger das Wort. In vier Gruppen sammelten etwa 70 Interessierte im Bürgerhaus Neu-Etzweiler Vorschläge zum künftigen Aussehen des Areals. Es erstreckt sich von der Tagebaukante bis zum im Jahr 2033 rund 200 Meter tieferen vorläufigen Ende der für eine Zwischennutzung verfügbaren Fläche, bis der See – geplant 2070 – durch Rhein- und Grundwasser vollgelaufen ist.
Schafe, Sessellift und Elsdorfer Spätlese
Am Ende der Transportleitung, wo heute die orangefarbene Aussichtstreppe steht, soll das Rheinwasser zurück ans Tageslicht kommen und über Kaskaden zur Sohle des Tagebaus fließen. An der Kante, wo sich die Leitung und der Radweg „Hambach-Loop“ kreuzen, ist eine Aussichtsplattform und von dort ein Wegenetz nach unten geplant. Für den Weg gut 200 Höhenmeter abwärts braucht man nach Einschätzung von Moderatorin Anne Stauber (bauchplan) rund eineinhalb Stunden. Da ist Abwechslung und Vielfalt gefragt, um den Besuch zum Erlebnis werden zu lassen.
Die auf Zetteln notierten Ideen stellten die Ideengeber als Fähnchen auf Styropor-Landkarten. Fahrradparkplatz, ÖPNV-Anbindung, Kiosk, Lernpfade, Wasserspielplatz, Infopavillon an der Kante sowie eine fußläufige und fahrradtaugliche Anbindung nach Elsdorf und zur Sophienhöhe sollen demnach zur Erkundung der Böschung einladen. Ein Wasserstandanzeiger, „Essbare Gärten“, Schafe und Bienen, ein kindgerechter Wanderweg, Beleuchtung, Sitzbänke, ein Hundesee, ein Camping- und Wohnmobilplatz, ein Hochseilgarten und eine Himmelsschaukel sollen für Wohlfühlmomente sorgen.
Und für die, die es gerne bequemer hätten oder nicht so gut zu Fuß sind, stellen sich die Teilnehmenden einen Sessellift oder eine Bimmelbahn in die Tiefe vor. Auch eine Sommer- und eine Winterrodelbahn stehen auf der Wunschliste, ebenso wie eine Gleitschirm-Rampe und eine Mountainbike- und Jogging-Strecke. Schattenplätze auf Sitzbänken unter Bäumen sind erwünscht. Ebenfalls auf den Fähnchen zu lesen: Kunstinstallationen, ein Eiscafé, ein Selfie-Rahmen, eine Plattform mit Gastronomie, etwa für Hochzeiten.
Auch an die fernere Zukunft wurde gedacht: Ein Bagger soll zur Schau gestellt und nach und nach vom See umspült werden, Elemente für Taucher könnten auf dem Grund installiert werden. Eine Glaskuppel als Unterwasserpark gehörte zu den eher ambitionierten Vorschlägen, ebenso der Sessellift. „Da die Böschung nach Südwesten zeigt, könnte man auch Wein für eine Elsdorfer Spätlese anbauen“, schlug ein Teilnehmer vor.
„Besucherinnen und Besucher werden immer wieder kommen und mit eigenen Augen sehen wollen, wie hoch das Wasser jetzt steht und wie sich die Natur verändert“, so Bürgermeister Andreas Heller. „Wir wollen die Ideen hören und mitnehmen“, sagte Stauber.

In einem Neuland-Workshop entwickelten Bürgerinnen und Bürger vielfältige Ideen zur Gestaltung der Porta Sophia als künftiges Tor zum Hambachsee.
Copyright: Dietmar Fratz
Die Vorschläge sollen jetzt gebündelt, ausgewertet und ihre Machbarkeit untersucht werden. Eine weitere, vertiefende Bürgerwerkstatt kündigte Neuland für Juni an. Später folgen politische Entscheidungen und Detailplanungen. Erste bauliche Umsetzungen sollen bis 2029 zu sehen sein.
Das Projekt, dessen Kosten laut Neuland zurzeit ermittelt werden, wird zu 97,5 Prozent aus den Strukturwandeltöpfen von Bund und Land finanziert. Die sechs Neuland-Kommunen tragen demnach einen Eigenanteil von insgesamt 2,5 Prozent der Kosten.

