Begonnen hat Herman Josef Kaisers schier endlose Reihe der Ehrenämter schon im zarten Alter von sechs Jahren.
Serie „Die gute Seele“Elsdorfer engagiert sich seit der Kindheit ehrenamtlich

Hermann Josef Kaiser hat im Zuge seiner vielen Ehrenämter viele Erinnerungsstücke, wie den ersten Fotoapparat oder die Türglocke von Mutters Tante-Emma-Laden, gesammelt.
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Gab es einen Verein im alten Etzweiler, in dem er nicht Mitglied war? Notfalls hat er ihn gleich gegründet. Das Ehrenamt ist für Herman Josef Kaiser von Kindheit an zur zweiten Haut geworden.
Begonnen hat die schier endlose Reihe der Ehrenämter schon im zarten Alter von sechs Jahren, als der 1946 geborene Hermann Josef unter Pfarrer Jakob Maybaum in der St.-Hubertus-Kirche erstmals die Messe dienen durfte. Die Mutter hatte ihn regelmäßig zur Frühmesse mitgenommen. Sie führte einen Tante-Emma-Laden an der Waldstraße, in dem Hermann Josef Kaiser schon früh mit Botengängen betraut wurde. Übrig geblieben ist neben vielen Erinnerungen unter anderem ein großes Holzkreuz aus seinem Geburtszimmer und die Türglocke vom Laden, die ihm später, als Nikolaus verkleidet, die Türen zu den vorweihnachtlichen Stuben vieler Berrendorfer Kinder öffnete.
Elsdorf: In Fotos das Dorfleben dokumentiert
Messdiener blieb er bis 1970 und organisierte und leitete bis 1976 jährliche Messdienerfahrten. Zur Erstkommunion 1956 bekam er eine Agfa Clack geschenkt. „Acht bis zwölf Schwarz-/Weiß-Bilder konnte man damit machen“, erinnert er sich. Damit begann seine bildliche Dokumentation des Dorflebens und der Veränderungen im Ort. 2022 hat er aus seinen Bildern eine kleine Ausstellung zusammengestellt, die während des Corona-Lockdowns in den großen Fenstern des Neu-Etzweiler Bürgerhauses zu sehen war.
Schon 1962 trat er in die Junge Union ein, bis 1978 war er 14 Jahre lang deren Vorsitzender im Bezirk Heppendorf, später Elsdorf. Seit 1966 ist er Mitglied der CDU. 1975 bis 1980 war Ratsherr und Ortsvorsteher in Etzweiler, von 2012 bis 2020 erneut im Rat und bis heute sachkundiger Bürger im Kulturausschuss.

Vor 50 Jahren moderierte Hermann Josef Kaiser den Gemütlichen Abend der Alt-Etzweiler Feuerwehr. (Repro)
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Auch die Maigesellschaft „Holdes Grün“ begleitet ihn bis heute. Dort war er Maiknecht, stellte als Schriftführer über viele Jahre die Festschriften her, war 1969 Maiknecht, bis 1976 Vorsitzender und scheute auch vor dem Kehren des Dorfplatzes nach dem Maiball nicht zurück. „Die Hochzeit im selben Jahr wurde auf Ende Mai verlegt, damit ich als Junggeselle das Maifest mitmachen konnte“, erinnert er sich schmunzelnd. Danach wurde er Ehrenvorsitzender.
Feuerwehr, Dorfkapelle und Karnevalszug
Ebenfalls mit 16 Jahren trat er in die Etzweiler Feuerwehr ein, war dort 18 Jahre lang aktiv, Mitgründer und Gruppenführer einer Jugendabteilung, Sanitäter und Rettungsschwimmer. 1965 gründete er mit Freunden die Dorfkapelle. Als deren 1. Trompeter ging er jahrelang an der Spitze des Karnevalszuges. „1978 spielte die Kapelle in Heppendorf zum Empfang von 400-Meter-Europameister Franz Peter Hofmeister, 1992 in für den von Michael Schumacher in Kerpen-Manheim als Drittplatzierten in seiner ersten kompletten Saison der Formel-Eins-WM. Das waren schon schöne Erlebnisse. Mit Schumacher konnte ich mich ganz normal unterhalten.“
Schützenkönig war Hermann Josef Kaiser 1978. Der Etzweiler Bruderschaft gehört er seit 1969 an. Bei FC Grün-Weiß war er in den 1960er- und 70er-Jahren als Linksaußen aktiv.
1971 bis zur Auflösung 2000 war er Rendant und Kirchenvorstand von St. Hubertus und hat intensiv die Umsiedlung des Ortes und der kirchlichen Erinnerungsstücke begleitet. In den 1990er-Jahren war er Schiedsmann und bis 2024 für 17 Jahre ehrenamtlicher Leiter des Karnevalsumzugs der KG Narrenzunft Berrendorf.
Warum hat er sich so lange und in so großer Breite ehrenamtlich engagiert? „Mit neun bekam ich eine Lungenentzündung mit nasser Rippenfellentzündung. Es stand nicht gut um mich und ich habe viel gebetet. Eines Morgens war das Fieber von über 40 Grad zum Erstaunen des Arztes plötzlich weg. Da habe ich mir gedacht, dass der liebe Gott was mit mir vorhat und beschlossen, ehrenamtlich zu arbeiten“, beschreibt er seinen christlichen Antrieb. „Liebe zum Dorf und Heimatverbundenheit“ nennt Hermann Josef Kaiser als weitere Gründe. „Etzweiler war wie eine Einheit, in der man sich einbringen musste. Ich habe das immer mit großer Freude getan, auch wenn es manchmal für meine Frau und die Familie schon belastend war.“
