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„Schöne Frauen und dicke Rohre“Sexismus-Vorwurf gegen Elsdorfs Bürgermeister Heller

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Die Leitung, die das Wasser aus dem Rhein in den Tagebau transportiert, wird aus Rohren mit Durchmessern von 2,20 und 1,40 Metern bestehen.

Die Leitung, die das Wasser aus dem Rhein in den Tagebau transportiert, wird aus Rohren mit Durchmessern von 2,20 und 1,40 Metern bestehen.

Frauenverbände sind empört über Andreas Hellers (CDU) Wortwahl. Auch seine Partei zeigt sich irritiert. Er sagt, seine Äußerung sei humoristisch gemeint gewesen.

Für einen munteren Spruch ist Andreas Heller bekannt. Damit schafft Elsdorfs Bürgermeister Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern seiner Stadt. Auch dadurch, dass er selten im Anzug und mit Schlips zu sehen ist – der 49-Jährige zieht ein lässiges, bequemes Outfit vor. Es sei denn, der Ministerpräsident kommt zu Besuch, so wie vorige Woche; dann muss es doch etwas Feineres sein. 

Zudem lässt Heller die Elsdorfer (und andere) in sozialen Netzwerken daran teilhaben, welche Veranstaltungen er samstags und sonntags besucht hat. All das unter dem Motto „Elsdorf läuft!“ Der CDU-Politiker ist der oberste Marketingchef der Stadt im Norden des Rhein-Erft-Kreises – und dabei scheut er mitunter auch nicht die Konfrontation mit Kreis oder Land, Provokation inklusive.

Wir haben in Elsdorf nicht nur weit und breit die schönsten Frauen, sondern auch mit Abstand die dicksten Rohre
Andreas Heller

Das bleibt meistens ohne Folgen. Doch dieses Mal ist der Mann mit einer offenbar flapsig gemeinten Bemerkung übers Ziel hinausgeschossen. Das jedenfalls finden Frauenverbände und Vertreterinnen politischer Parteien. Bei einem Ortstermin auf der Baustelle der künftigen Pipeline vom Rhein zum Braunkohletagebau kam Andreas Heller Folgendes über die Lippen: „Wir haben in Elsdorf nicht nur weit und breit die schönsten Frauen, sondern auch mit Abstand die dicksten Rohre. “ Auf Facebook hat er die „schönsten Frauen“ zudem mit einem Smiley versehen, der ein verschwitztes Grinsen symbolisiert; die „dicksten Rohre“ wiederum werden durch ein Bizeps-Symbol ergänzt.

Sonja Seidel vom Frauenforum Rhein-Erft in Hürth sagt, die Formulierung des Beitrags bediene eine sexistische und sexualisierte Doppeldeutigkeit: „Auch wenn sie humorvoll gemeint sein mag, ist aus unserer Sicht entscheidend, welche gesellschaftlichen Bilder durch solche Aussagen weitergetragen und normalisiert werden.“

Sexismus sei ein Werkzeug patriarchaler Strukturen und trage dazu bei, bestehende Machtungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufrechtzuerhalten. Diese Strukturen bildeten zugleich einen Nährboden für geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt.

Zum Baustart im März 2026 signierte der Elsdorfer Bürgermeister Andreas Heller eines der Rohre.

Zum Baustart im März 2026 signierte der Elsdorfer Bürgermeister Andreas Heller eines der Rohre.

Seidel findet zudem, dass Heller und alle, die öffentliche Ämter bekleiden, in einer Zeit, in der Gleichstellung und bereits erreichte gesellschaftliche Errungenschaften zunehmend infrage gestellt würden, eine besondere Verantwortung trügen. Ihre Sprache könne dazu beitragen, stereotype Geschlechterbilder zu verfestigen – oder sie aufzubrechen.

Ähnlich äußert sich Anita Breit, die Geschäftsführerin der Frauen Union der CDU im Rhein-Erft-Kreis. Der gewählte Vergleich mag als humorvolle Anspielung gedacht gewesen sein, heißt es in einer Stellungnahme der kreisweiten Vereinigung, er sei jedoch unglücklich formuliert und bediene Stammtischklischees: „Wir schätzen die fachliche Arbeit vor Ort beim wichtigen Projekt der Rheinwassertransportleitung, appellieren jedoch an alle Akteure, bei der öffentlichen Kommunikation das nötige Fingerspitzengefühl zu wahren.“ Die Frauen Union Rhein-Erft-Kreis stehe für Respekt, moderne Kommunikation und ein angemessenes Frauenbild in der Öffentlichkeit. 

Gudrun Baer ist stellvertretende CDU-Vorsitzende im Rhein-Erft-Kreis.

Gudrun Baer ist stellvertretende CDU-Vorsitzende im Rhein-Erft-Kreis.

Auch in der Kreis-CDU wird die Formulierung ihres Parteimitglieds als unglücklich betrachtet, sagte Parteivize Gudrun Baer. Auch humorvolle politische Kommunikation sollte dem Anspruch eines respektvollen und wertschätzenden Umgangs gerecht werden. Sie mahnt jedoch: „Gleichzeitig sollte die Äußerung aus unserer Sicht angemessen eingeordnet werden – entscheidend ist, künftig bei solchen Formulierungen die notwendige Sensibilität walten zu lassen.“

Elsdorf: Grüne fordern Heller auf, seine Wortwahl sensibler zu prüfen

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Elsdorf, Melanie Heller, äußert sich zurückhaltend. Sie werde sich umfassend mit dem Sachverhalt „in angemessener Weise auseinandersetzen“ und prüfen, ob und in welchem Umfang hierzu überhaupt eine Stellungnahme möglich und angezeigt ist. Grundsätzlich würden Sachverhalte zunächst intern besprochen. 

Kritik kommt von den Elsdorfer Grünen. Bürgermeister Heller bediene mit seiner Aussage über „die schönsten Frauen und die dicksten Rohre“ eine plumpe, sexistische Doppeldeutigkeit. Für ein solches Auftreten fehle dem rein weiblich besetzten Vorstand jedes Verständnis. Humor dürfe frech, doppeldeutig und auch mal provokant sein, sagt Anna Riese stellvertretend, „aber Frauen auf ein billiges Wortspiel und optische Attribute zu reduzieren, gehört in die Mottenkiste der Altherrenwitze und hat in einer modernen, respektvollen Kommunalpolitik nichts verloren“. 

Am Kraftwerk Niederaußem lagern tausende Rohre für die Rheinwassertransportleitung, die nach und nach per Lkw zum Bauplatz transportiert werden.

Am Kraftwerk Niederaußem in Bergheim lagern tausende Rohre für die Rheinwassertransportleitung, die nach und nach per Lkw zum Bauplatz transportiert werden.

Die Elsdorfer Grünen fordern Heller dazu auf, seine Wortwahl künftig sensibler zu prüfen und sich seiner Verantwortung für ein zeitgemäßes und respektvolles Bild der Stadt bewusst zu sein.

Heller ließ durch seinen Sprecher mitteilen, der Beitrag sei erkennbar humoristisch formuliert und eingebettet in einen insgesamt augenzwinkernden Social-Media-Post zum Bau der Rheinwassertransportleitung gewesen. Auch Formulierungen wie „Hier küsst in Zukunft der Rhein unser Städtchen“ oder „Elsdorf am Rhein kann man wohl bald sagen“ verdeutlichten diesen Charakter.

Heller selbst äußerte sich zur Kritik der Grünen: „Damit kann ich gut leben. Schließlich hat uns die grüne Moral in diesem Land erst an diesen katastrophalen Punkt gebracht, wie man an den aktuellen Umfragewerten sieht. Da bin ich ganz froh, eine andere Meinung zu vertreten.“ Wer ihm Stammtisch-Parolen vorwerfe, solle sich öfter mal an Stammtischen aufhalten – „dann wüssten sie, was los ist im Land“.  

Rückendeckung erhält Elsdorfs Bürgermeister von seinem Stellvertreter Harald Könen (SPD). Er verteidigt Hellers „humorvollen Beitrag“. Und weiter: „Wir haben in unserem Land und insbesondere mitten im Strukturwandel in Elsdorf wichtigere und größere Aufgaben vor uns, statt den Menschen scheinbar nicht erlaubte Formulierungen oder künstliche Empörung zu diktieren.“