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Sportfischer schlagen AlarmMassives Fischsterben in Elsdorfer Teichen befürchtet

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Zu sehen ist ein kleiner, von Bäumen gesäumter Teich.

Der Tümpel, genannt „Märchen“, ist über einen längst trocken gefallenen Überlauf mit der Grouv verbunden.

Die Wiebachleitung speist den sogenannten Märchen-Tümpel und den Grouvener Weiher nicht mehr, daher sinkt der Wasserstand rapide.

Die Uferränder ragen deutlich höher aus dem Wasser als üblich. Der Wasserspiegel des Grouvener Weihers sinkt rapide. Und auch im benachbarten Tümpel, dem „Märchen“, droht die Verlandung, hier noch deutlicher erkennbar an breiten Uferbereichen, zwischen denen Wasservögel ihre kleiner werdenden Kreise ziehen. Grund ist, dass laut RWE Power Sümpfungswasser aus dem Tagebau über die Wiebachleitung zur Versorgung des Weihers „aufgrund sich verändernder Sümpfungswassermengen“ nicht mehr zur Verfügung steht.

Seitdem der natürliche Wiebach tagebaubedingt kein Wasser mehr liefert, sprang jahrzehntelang die Wiebachleitung ein, die auf dem Weg nach Bergheim-Kenten zum Erftflutkanal am See vorbeiführt. Jetzt muss erneut ein Ersatz gesucht werden, um die Grouv als beliebtes Naherholungsgebiet, als kleines Paradies für Flora und Fauna und als Areal des Sportfischereivereins zu erhalten.

Ende Januar half das THW und pumpte Wasser in das Feuchtgebiet

Schon Ende Januar hatte die Stadt, alarmiert durch den Sportfischereiverein Elsdorf, das THW in Bergheim um Unterstützung gebeten. Die Helfer kamen umgehend und pumpten aus dem Wassernetz etliche Kubikmeter Frischwasser in den See, der mit dem Nebentümpel über einen – inzwischen auch trockenen – Überlauf verbunden ist.

Die Aktion musste jedoch abgebrochen werden, weil ein zufällig anwesender Mitarbeiter von Westnetz festgestellt hatte, dass Wasser über ein Standrohr ohne Zähler aus dem öffentlichen Netz entnommen wurde. Dies sei, so informiert der Wasserversorger, der den Vorgang auf Anfrage bestätigt, nur bei Feuerlösch-Einsätzen und -übungen erlaubt. Nur gut drei Wochen später schlägt André Kunkel, Chef der Sportfischer, erneut Alarm: „Es kann sich nur noch um Tage oder wenige Wochen handeln, bis ein massives Fischsterben, allein durch fehlenden Sauerstoff vom Frischwasser, eintreten wird“, befürchtet er.

Es gelte, eine „Umweltkatastrophe“ abzuwenden. RWE Power teilte Kunkel auf dessen Hilfeersuchen mit, man prüfe derzeit, „ob und gegebenenfalls wie zumindest mittelfristig Abhilfe geschaffen werden könnte“. Auf die tatsächliche Dauer für die Umsetzung einer solchen Maßnahme habe RWE allerdings nur begrenzt Einfluss. Zudem sei dem Unternehmen „eine diesbezügliche vertragliche Verpflichtung der RWE Power gegenüber der Stadt Elsdorf oder gegenüber dem Sportfischereiverein Elsdorf nicht bekannt“.

Dennoch bot der Tagebaubetreiber an, „auf Einladung“, im Rahmen einer Begehung vor Ort „das weitere Vorgehen, auch vor dem Hintergrund der zukünftigen bergbaulichen Entwicklung der RWE Power, gemeinsam zu besprechen“. RWE Power teilte der Redaktion auf Anfrage mit, dass man im Rahmen der Nachbarschaftshilfe bereit sei, den Sportfischereiverein „im begrenzten Umfang weiter zu unterstützen“.

In der Vergangenheit leistete RWE Nachbarschaftshilfe

Nach Auskunft des zuständigen Wasserversorgers könne der Verein zudem etwa eine befristete Versorgung über ein Standrohr aus dem Trinkwassernetz als kurzfristige Lösung anfragen. In der Vergangenheit habe RWE Wasser aus der Wiebachleitung „als Nachbarschaftshilfe freiwillig und unentgeltlich zur Verfügung gestellt“.

Diese Wassermenge steht im Zuge des Kohleausstiegs nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Auch ein Anschluss an andere Sümpfungswasser-Leitungen könne aus dem gleichen Grund nur eine vorübergehende Lösung sein. Die Stadtverwaltung hat inzwischen erneut das THW um Hilfe gebeten. Eine weitere Infusion soll den Wasserspiegel vorübergehend wieder anheben. Auch stehen laut Stadt Gespräche mit RWE Power an, um nachhaltige Lösungen für das Problem zu suchen.