Der Tagebau hat Spuren hinterlassen, erkennt Bürgermeister Andreas Heller an. Das See-Projekt soll der Region zu neuer Strahlkraft verhelfen.
Tagebaue werden zu SeenSymbolischer Baustart für die Rheinwasserleitung in Elsdorf

Vertreter von RWE, der Kommunen und Kreise im Rheinischen Revier setzten symbolisch den ersten Spatenstich für den Bau der Leitung.
Copyright: Rafael Greboggy
Es ist ein Projekt von nationaler Bedeutung, wie der Elsdorfer Bürgermeister Andreas Heller betonte: Am Dienstag (17. März) hat RWE mit Vertretern der Kommunen und Kreise im Rheinischen Revier den symbolischen Spatenstich für die Rheinwassertransportleitung gesetzt. Durch die Leitung soll über Jahrzehnte Wasser vom Rhein bis in die Tagebaue Garzweiler und Hambach fließen. So sollen aus den Restlöchern zwei der größten Seen in Deutschland entstehen.

Die verbliebenen Löcher, wie hier am Tagebau Hambach, sollen zu zwei der größten Seen Deutschlands werden.
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„Aus unserem Rheinischen Revier wird das Rheinische Seenland“, sagte Dr. Lars Kulik, Vorstandsmitglied Braunkohle der RWE Power AG, bei der Veranstaltung.
RWE plant mit fünf Jahren Bauzeit
Requisit des ersten Spatenstichs ist eines der ersten der insgesamt rund 10.000 Rohre, die von Dormagen bis in die Tagebaue verlegt werden. Laut RWE haben die Stahlrohre einen Durchmesser von 2,20 oder 1,40 Metern. Die rund 45 Kilometer lange Leitung werde überwiegend über landwirtschaftliche Flächen sowie entlang bestehender Infrastrukturen verlaufen, so auch über den „Speedway“, die frühere Fernbandtrasse, die für das Projekt voraussichtlich bis Ende 2027 gesperrt sein wird.

Die Leitung wird aus Rohren mit Durchmesser von 2,20 und 1,40 Metern bestehen.
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Der Energiekonzern plant mit einer Bauzeit der Rheinwasserleitung von rund fünf Jahren. Ab 2030 soll dann das Wasser in den Tagebau Hambach fließen, ab 2036 in den Tagebau Garzweiler. Der Tagebau in Inden soll ab 2030 mit Wasser aus der Rur befüllt werden.
See soll Elsdorf zu neuer Strahlkraft verhelfen
Bürgermeister Heller blickte beim Spatenstich auch zurück auf Jahrzehnte, in denen Bagger, Förderbänder, Staub und eine Industriekulisse die Gegend geprägt hätten. Ganze Dörfer seien gewichen, auch Umsiedlungen gehörten zur Geschichte der Region dazu. „Das hat Spuren hinterlassen – in der Landschaft und natürlich auch in den Herzen der Menschen“, so Heller, der auf der anderen Seite den Wohlstand betont, der mit dem Tagebau einhergegangen sei. „Unsere Heimat war Motor der Energieversorgung unseres Landes. Und darauf können wir stolz sein.“

Elsdorfer Bürgermeister Andreas Heller sieht das Projekt als wichtigen Schritt für den Strukturwandel in der Region.
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Nun ruht auf dem See die Hoffnung, der Region eine neue Strahlkraft zu verleihen – in Zukunft werden Menschen womöglich nach Elsdorf in den Urlaub fahren, meint Andreas Heller. Lars Kulik von RWE betont: „Mit diesen neuen Tagebauseen schaffen wir einen sich selbst tragenden Wasserhaushalt in unserer Region, schaffen neue Lebensräume für Flora und Fauna und eröffnen Perspektiven für Freizeit, Tourismus und für neue Arbeitsplätze.“
Kritik an der Wasserqualität des Rheins
Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ und das Wasserbündnis Rheinisches Revier sehen das Projekt dagegen kritisch. „Die Versprechungen in den Hochglanzprospekten von RWE klingen natürlich verlockend. Wir machen uns jedoch große Sorgen, dass der Traum vom See zum Albtraum wird“, sagt Antje Bußberg von „Alle Dörfer bleiben“. Die Kritik: RWE will das Rheinwasser ohne vorherige Aufbereitung in die Tagebaue leiten, obwohl dieses unter anderem mit Ewigkeitschemikalien wie PFAS belastet sei. Timon Mario Aydin Turban vom Wasserbündnis erklärte, dass keine Alternativen zu den Restseen geprüft worden sind. „Die Restlöcher zu fluten ist für RWE schlichtweg die billigste Lösung“. Auch der Bau der Pipeline vom Rhein hin zum Tagebau bewerten die Bündnisse als massiven Eingriff in die Umwelt.
Dirk Jansen vom BUND NRW sprach von einer Salami-Taktik, da Bau und Pipeline bereits genehmigt seien, allerdings noch nicht klar sei, welche Anforderungen für das Wasser gelten müssen, das in den Tagebau fließen soll. „Dieses Verfahren müsste formal ergebnisoffen geführt werden. Stattdessen wird alles dafür getan, die Pläne von RWE und die seit langem feststehenden Absichten für die Restlöcher möglich zu machen“, sagt Jansen. Er kritisierte bei den Plänen, dass die Ökologie nie im Vordergrund gestanden habe, sondern nur die schnellere Nutzung des Areals, etwa für Tourismus.
Auf die Frage nach der Wasserqualität angesprochen, betonte Bürgermeister Andreas Heller: „Kritik in allen Ehren – aber was ist denn die Alternative? Soll da dauerhaft ein Loch bleiben? Wir haben Vertrauen in die Behörden, die dafür zuständig sind, dass da etwas entsteht, was einen guten Lebensraum schaffen wird.“

