Die zuständigen Abgeordneten sind nicht vernehmbar. Beschämend ist auch das Schweigen Wesselinger Politiker zum Tod Erwin Essers.

Keine RückendeckungKlinik in Erftstadt insolvent – Politiker schweigen

Der MGV Lechenich begleitete die kleine Wiedereröffnungsfeier des Marien-Hospitals in Erftstadt-Frauenthal. Unter den Gästen: Gregor Golland und Detlef Seif (vorne rechts).
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Auf einmal sind sie alle weg, scheinbar unsichtbar: politisch Verantwortliche, die sich gerne persönlich für Erfolge ihrer Regierungen feiern lassen und es nicht versäumen, die Öffentlichkeit auf verschiedenen Kanälen daran teilhaben zu lassen.
Sie waren natürlich da, als das von der Flutkatastrophe im Juli 2021 so schwer getroffene Marien-Hospital in Erftstadt-Frauenthal Ende 2023 endlich wieder eröffnet werden konnte – als eines der modernsten Häuser landauf landab. Der Landtagsabgeordnete Gregor Golland nahm ebenso an der Feierstunde teil wie der Bundestagsabgeordnete Detlef Seif (beide CDU). Sie vertreten in ihren jeweiligen Parlamenten auch die Interessen Erftstadts.
Bund und Land machen es Kliniken schwer – Abgeordnete tauchen ab
Tun sie das wirklich? Zehn Tage sind seit Bekanntgabe der Insolvenz des Krankenhauses vergangen, aber von keinem der beiden Politiker, die schon so lange im Geschäft sind, ward ein Wort vernommen: keines des Bedauerns, dass eine der modernsten Kliniken unverständlicherweise so eklatant in Notlage geraten ist und innerhalb dieses Jahres die finanziellen Ressourcen aufgebraucht sein werden, um die Gehälter der rund 400 Mitarbeitenden zu zahlen; keines, das ihnen Mut machen könnte (so denn die Hoffnungen des Insolvenzverwalters auf eine Übernahme berechtigt sind).
Golland und Seif verloren auch kein Wort darüber, dass sie alles in ihrer Macht stehende unternehmen werden, sich für den Erhalt des Marien-Hospitals einzusetzen.
Kippels wollte sich schlau machen – ein Ergebnis gibt es nicht
Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft mit Dr. Georg Kippels. Der CDU-Mann ist ebenfalls Bundestagsabgeordneter aus dem Rhein-Erft-Kreis, auch wenn er den nördlichen und mittleren Teil vertritt. Doch in Gesundheitsfragen kennt sich der Jurist aus. Er wurde nach der Bundestagswahl im Februar 2025 zum Parlamentarischen Staatssekretär im Gesundheitsministerium ernannt. Bei Foren und Kongressen ist der Bedburger gern gesehener Gast und als Experte gefragt.
Eine Anfrage dieser Redaktion zur Einschätzung der Situation am Marien-Hospital erreichte Kippels unmittelbar nach Bekanntwerden dessen finanzieller Schieflage am Tag vor Heiligabend. Er wurde von dieser Nachricht kalt erwischt.

Im Rathaus Wesseling wird des verstorbenen Altbürgermeisters Erwin Esser gedacht.
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Offenbar hatte es sich bis zum Gesundheitspolitiker noch nicht herumgesprochen, dass die 30 Kilometer von Bedburg entfernte Klinik schwere Tage durchmacht. Er werde sich schlau machen, versicherte der 66-Jährige. Vermutlich sind ihm Weihnachten und der Jahreswechsel dazwischen gekommen – die Stellungnahme kam auch in der zurückliegenden Woche bisher nicht.
Ortswechsel, aber kein Themenwechsel – denn auch in Wesseling herrscht Schweigen: Unverständlicherweise halten sich sonst so redselige Vertreter politischer Parteien bedeckt. Weder CDU, noch FDP haben öffentlich vernehmbar ihr Bedauern über den Tod von Altbürgermeister Erwin Esser zum Ausdruck gebracht. Der 66-Jährige war am zweiten Weihnachtstag nach langer, schwerer Krankheit gestorben; in der kommenden Woche wird der beliebte Wesselinger in seiner Heimatstadt beigesetzt.
Einer, der im wahren Sinne des Wortes ein Meister für die Bürger gewesen ist. Das haben zeitnah Vertreter von Kirchen, Vereinen, Feuerwehr, aus der Wirtschaft und zahlreiche Privatleute zum Ausdruck gebracht. Das Schweigen derer, die der SPD-Mann Esser stets versucht hat einzubeziehen, hat mit Christlichkeit und Menschliebe nichts gemein.
Es ist nur beschämend.
In einer früheren Version des Kommentars hatte es geheißen, die Grünen in Wesseling hätten ihr Bedauern über den Tod von Altbürgermeister Erwin Esser (SPD) öffentlich nicht zum Ausdruck gebracht. Sie legen Wert auf die Feststellung, dass dies doch geschehen sei, auf den Kanälen der Partei bei Instagram und Facebook. So steht beispielsweise bei Facebook: „Unser aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie und allen Angehörigen. Möge er in Frieden ruhen.“
Auf die Nachricht der Stadt Wesseling, dass der 66-Jährige am zweiten Weihnachtstag gestorben war, hatten auf der Facebook-Seite der Stadt unmittelbar unter anderem die SPD, Vertreter von Glaubensgemeinschaften, Vereinen, Feuerwehr, aus der Wirtschaft und zahlreiche Privatleute ihr Bedauern geäußert. Einige von ihnen hatten zudem Pressemitteilungen an diese Redaktion geschickt, um den beliebten Altbürgermeister (2014-2022) zu würdigen.
Dass die Posts der Grünen auf ihren eigenen Kanälen nicht berücksichtigt worden sind, bitten wir zu entschuldigen. (jtü)
