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Schüsse auf WohnhausKöttinger trauen sich nachts nicht mehr allein auf die Straße

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Die Tat hat die Siedlung in Erftstadt-Köttingen erschüttert. Nachts traut sich kaum jemand mehr auf die Straße, sagt ein Anwohner.

Die Tat hat die Siedlung in Erftstadt-Köttingen erschüttert. Nachts traut sich kaum jemand mehr auf die Straße, sagt ein Anwohner.

Der Angriff auf das Haus eines erfolgreichen Geschäftsmanns hat Spuren hinterlassen. Anwohner fürchten, dass die Täter zurückkommen könnten.

Zweieinhalb Wochen sind seit den Schüssen auf ein Einfamilienhaus in Erftstadt-Köttingen vergangen. Die Polizeiwagen der Ermittler, die tagelang vor dem Haus und in der Umgebung nach Spuren suchten, sind weg. Und Handwerker haben sich daran gemacht, die Einschusslöcher in Wänden und der Regenrinne zu beseitigen.

Normalität ist in dem Viertel jedoch nicht wieder eingezogen. 

Anwohner befürchten, dass die Tat nur eine Warnung gewesen sein könnte und dass weitere Anschläge folgen könnten. „Solche Täter steigern die Intensität ihrer Angriffe höchstens noch – bis sie erreicht haben, was sie wollen“, sagt ein Anwohner, der aus Angst vor Konsequenzen unerkannt bleiben möchte. Er betont auch: „Solche Erpressungen können jeden erfolgreichen Unternehmer treffen.“

Erftstadt: Teil einer Serie von Anschlägen auf eine Imbiss-Kette?

Die Polizei hat derweil Fotos der beiden Täter veröffentlicht, die in der Nacht zum 30. August gegen 4.45 Uhr das Wohnhaus des Inhabers einer erfolgreichen Imbisskette unter Beschuss genommen hatten. Informationen dieser Zeitung zufolge lebt der Geschäftsmann dort mit seiner Familie. Das Haus hatte er vor etwa zwei Jahren gekauft und umgebaut.

Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei laufen unter Hochdruck. „Wir nehmen den besorgniserregenden Vorfall äußerst ernst“, betont Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer auf Nachfrage. Es werde geprüft, ob es eine Verbindung zwischen der Tat und weiteren Vorfällen in Köln gibt und ob organisierte Kriminalität dahintersteckt – zum Beispiel Erpressung. Unmittelbar nach der Tat hatte Bremer angekündigt, dass auch untersucht werde, ob die Schüsse im Zusammenhang mit einem Erpressungsversuch zum Nachteil eines Imbissketten-Besitzers stehen könnten – und inwieweit sich die Tat in ein Raster vergleichbarer Angriffe in NRW und anderswo einordnen lässt.

Über diesen Feldweg sollen die Täter Richtung Kierdorf geflüchtet sein.

Über diesen Feldweg sollen die Täter Richtung Kierdorf geflüchtet sein.

„Dass solche Taten hier in Deutschland, bei uns im Ort in Köttingen möglich sind, ist erschreckend“, erklärte ein Anwohner, der die Schießerei in der Nacht gehört hat. Er ist sich auch sicher, dass die Erpressung der Polizei bekannt gewesen sein muss und dass sie und der Hausbewohner sogar einen Angriff wie auch immer für möglich gehalten haben könnten. Warum sonst sei bereits Wochen vor der Tat nachts stündlich ein Streifenwagen der Polizei durch die Wohnstraße gefahren? Zusätzlich hatte der Hausbewohner ein privates Sicherheitsunternehmen beauftragt.

Für die Ausgestaltung der polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen auf Kreisebene ist die Polizei des Rhein-Erft-Kreises zuständig. Wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärte, unterliegen sämtliche Maßnahmen zum Schutz von Personen oder Objekten der Geheimhaltung. Das gelte nicht nur für die sicherheitsrelevanten Informationen, sondern auch für Angaben zur Anzahl der Einsatzmittel und Einsatzkräfte.

Erftstadt: Anwohner sah, wie die Täter mit den Gewehren aufs Haus zielten

Der Anwohner berichtet, auch die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes seien machtlos gegen diese Art des Angriffs gewesen. „Sie standen ja auch in der Anschlagsnacht draußen auf der Straße vor dem Haus“, sagt er. Nach den ersten Schüssen seien sie um ihr Leben gerannt und hätten sich in Sicherheit gebracht – einer zu Fuß, der zweite mit dem Auto. Er selber sei durch die Schüsse aufgeschreckt.

Und er habe aus der Entfernung sehen können, wie die beiden Täter mit den Gewehren auf das Wohnhaus zielten – er hörte die lauten, knalligen Geräusche der Waffe, hörte auch, wie die Kugeln in den Porsche, die Hauswand und in die Haustür des Wohnhauses einschlugen. Er beobachtete auch, wie die Täter unmittelbar nach der Schießerei über den Feldweg am Ortsausgang Richtung Erftstadt-Kierdorf wegliefen. „Die Täter haben ihre Tat sogar gefilmt“, erzählte er. Wenige Tage nach den nächtlichen Schüssen sei der nur wenige Sekunden dauernde Clip online aufgetaucht.  

Das muss ein großkalibriges Maschinengewehr gewesen sein. Ich habe 18 Schüsse gezählt
Ein Anwohner

„Das muss ein großkalibriges Maschinengewehr gewesen sein“, vermutet er. Möglicherweise eine Kalaschnikow – auf Einzelschuss eingestellt. „Ich habe 18 Schüsse gezählt.“ Die Täter hätten das komplette Magazin leergeschossen. „Auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben sie gestanden und sich von links nach rechts bewegend auf das Haus geschossen“, beschreibt er die Szene.

Ein Querschläger sei in ein benachbartes Wohnhaus – oben in den ersten Stock geraten – und knapp über dem Bett der Bewohner in die Wand geschlagen. „Die Täter wollen Angst machen“, ist er sich sicher. Was ihn betrifft, sei den Tätern das gelungen: „Die Täter nehmen ja sogar Kollateralschäden hin, wenn bei ihren Taten auch unbeteiligte Menschen zu Schaden kommen“, sagt er. In Köttingen traue sich zurzeit in der Dunkelheit kaum mehr einer vor die Türe. Das unsichere Gefühl bleibe sogar tagsüber. Auch er drehe sich sicherheitshalber lieber zweimal um, wenn er Geräusche hinter sich höre.  


Die Kriminalpolizei fahndet mit Aufnahmen aus einer privaten Überwachungskamera nach den beiden mutmaßlichen Schützen. Polizei und Staatsanwaltschaft bewerten die Tat als versuchtes Tötungsdelikt – zumal zur Tatzeit mehrere Personen im Haus waren. Die Polizei hat die Bilder der Männer veröffentlicht und fragt: Wer hat die beiden auffällig gekleideten Männer am frühen Morgen des 30. August im Bereich Köttingen gesehen? Hinweise nehmen die Ermittler unter 0221 229-0 oder per E-Mail entgegen. (mkl)

Die Polizei markierte mehrere Einschusslöcher an der Hausfassade.

Die Polizei markierte mehrere Einschusslöcher an der Hausfassade.


Die Schüsse auf das Wohnhaus beschäftigen auch die Erftstädter CDU. „Es macht einen Unterschied, ob man von solchen Vorfällen nur liest oder ob sie plötzlich im eigenen Ort, in der eigenen Nachbarschaft passieren. Wir als CDU nehmen es sehr ernst, dass dieser Vorfall die Menschen in Köttingen verunsichert“, heißt es in einer Mitteilung. Unterzeichnet haben sie Florian von Ley, Ortsbürgermeister von Köttingen, JU-Vorsitzender Maximilian Glaubitz, und Stephan D. Bremer, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes.

Angesichts mehrerer ähnlicher Vorkommnisse in der Region in der jüngeren Vergangenheit halte man „es für dringend notwendig, dass solche Ereignisse und negativen Entwicklungen als solche erkannt und ernstgenommen werden. Gerade mit Blick darauf, was sie für das Sicherheitsgefühl der Bürger in unseren Städten und Gemeinden bedeuten“. (wok)