Rhiem & Sohn blickt in einer Doku auf die Flut und das Langzeitprojekt Kiesgrube Blessem, gedreht von Erftstädter Filmemachern.
Flut-DokumentationSo läuft die Verfüllung des Erosionskraters Blessem in Erftstadt

Vogelperspektive: So sieht der Krater in Erftstadt-Blessem derzeit aus.
Copyright: Roofless Production
Häuser, die in den Krater stürzten, Autowracks, riesige Berge aus Schutt und persönlichen Habseligkeiten: Die Flutkatastrophe hinterließ in Blessem 2021 eine gewaltige Zerstörung. Mit schwerem Gerät wurden die Schuttmassen abtransportiert, Häuser abgebrochen und Löcher nach und nach wieder verfüllt.
Auch das Erftstädter Unternehmen Rhiem & Sohn mit Sitz in Erp war damals im Einsatz und ist es bis heute. „Über zwei Wochen haben wir alle übrigen Projekte liegen lassen. Die Baustellen waren nicht mehr zu erreichen. Und die Auftraggeber haben gesagt: Der Katastrophenschutz geht vor“, sagt Rhiem & Sohn-Geschäftsführer Robert Küsters.
Seit der Flut sind wir als Rhiem und Sohn in Blessem nicht mehr abgerückt
Bis heute ist das Unternehmen vor Ort. „Seit der Flut sind wir als Firma in Blessem nicht mehr abgerückt“, berichtet Küsters weiter. Die Arbeiten dort seien nahtlos übergegangen in die Abbrüche, die Verfüllungen und schließlich in den Kanalbau zur Burg Blessem.
Blessem: Verfüllung des Kraters soll nach jetziger Kalkulation Ende 2028 abgeschlossen sein
In einem rund zwölf Minuten langen Video blickt das Unternehmen auf die Flutkatastrophe zurück und nach vorne: auf die Entwicklung des Flutkraters in Blessem, dessen Verfüllung weit fortgeschritten ist. Die Dokumentation haben die beiden Erftstädter Filmproduzenten Malte Krause und Philipp Sterk, die sich mit der Produktionsfirma „Roofless Production“ selbstständig gemacht haben, im Auftrag des Unternehmens gedreht.
„Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe haben wir uns mit Rhiem & Sohn überlegt, den Rückblick mit dem Langzeitprojekt Kiesgrube zu verbinden“, erläutert Philipp Sterk. „Wir wollten zurückblicken. Wie ist die Baumaßnahme entstanden? Wie hat das Erper Unternehmen die Flut erlebt? Wie konnte die Firma helfen? Welche einzelnen Schicksale gab es?“, fügt Malte Krause hinzu.

Blessem nach der Flutkatastrophe 2021.
Copyright: Roofless Production
Nach der jetzigen Kalkulation soll die Verfüllung des Kraters Ende 2028 abgeschlossen sein, erläutert Küsters weiter. Damit sei die Baumaßnahme für das Unternehmen beendet. Der Zeitpunkt sei davon abhängig, wie schnell man geeignetes Material bekomme. Der Krater werde sowohl mit Fremdmaterial als auch mit Material von den eigenen Baustellen verfüllt.
Die Herausforderung: „Nur ein ganz spezialisiertes Material darf dorthin. Wir müssen die beste Bodenklasse einbauen, völlig unbelasteter Boden, der sehr schwer auf dem Markt zu kriegen ist, weil er einfach wenig anfällt.“ Insgesamt hat der Erftstädter Betrieb bereits 180.000 bis 200.000 Kubikmeter verfüllt, es fehlen noch etwa 100.000 bis 120.000, lautet es im Video.

Malte Krause und Robert Küsters.
Copyright: Eva-Maria Zumbé
Für den Dreh der Dokumentation haben die beiden Erftstädter Filmemacher Interviews mit Mitarbeitenden des Unternehmens geführt. Dabei kamen auch persönliche Schicksale zur Sprache. So hielt ein Angestellter Schafe, deren Gehege längst unter Wasser stand. Die Tiere konnten schließlich im Arm ihres Besitzers auf der Schaufel eines Radladers gerettet werden, wie in der Doku zu sehen ist. In den Gesprächen hätten sie gemerkt, dass sie selbst einiges aus der Flut-Zeit verdrängt hätten, betont Filmemacher Philipp Sterk.
Denn im neuen Video sind auch Ausschnitte ihrer Flut-Dokumentation „Unser Heimatfilm – Eine Nahaufnahme“ über Blessem und Frauenthal zu sehen, mit der die beiden Filmproduzenten im Mai 2024 Premiere feierten. Damals wollten sie eigentlich einen kurzen Image-Film über Blessem drehen, wo sie aufgewachsen sind. Doch dann kam die Flut, und aus dem geplanten Heimatfilm wurde ein Katastrophenfilm. Besonders der Schnitt der Videos der Kiesfirma sei für die beiden daher sehr intensiv gewesen, sagt Malte Krause: „Es war sehr emotional.“
Viele Mitarbeitende habe die Flut emotional sehr getroffen, erläutert Robert Küsters weiter. Sie blicken im Video auf die vergangenen fünf Jahre zurück: „Was hat sich in Erftstadt bewegt? Und was hat sich nicht so bewegt?“, sagt er. Das Erftstädter Kies- und Sand-Unternehmen beschäftigt laut Küsters inzwischen etwa 220 Mitarbeitende. Zum Vergleich: 2017 waren es 70. Der Geschäftsführer betont: „Uns als Mannschaft hat die Flut enger zusammengeschweißt.“
Die Dokumentation über den Rückblick auf die Katastrophe in Erftstadt und die Verfüllung des Kraters kann man bei YouTube sehen, hier.
Zur Historie
Die Flutkatastrophe 2021 hatte in Blessem einen massiven Erdrutsch ausgelöst. Neben der Kiesgrube hatte sich ein Krater gebildet. Mehrere Gebäude stürzten hinein. Die Kiesgrube wurde stillgelegt.
Nach Abschluss der Verfüllung soll die Gestaltung der Sekundäraue beginnen. Die Fläche soll als Naherholungsgebiet und als Überschwemmungsgebiet dienen.
Fünf Jahre nach der Flut führt die Kölner Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen zum Einsturz der Kiesgrube fort. Ermittelt wird weiter gegen zwölf Verdächtige. (eva)
