Am 3. Januar schlug Feuer aus der Gasheizung ihres Hauses in Gymnich. Die Eheleute blieben unverletzt, ihr Zuhause ist seitdem unbewohnbar.
Heizungsbrand in GymnichEhepaar aus Erftstadt: „Von jetzt auf gleich waren wir obdachlos“

Sie leben und hatten großes Glück – Malte Kubinetz und Bettina Tanneberger. Nur in Schutzanzügen können sie sich zurzeit in ihrem Haus aufhalten.
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„Malte“, schrie Bettina Tanneberger so laut sie konnte. „Malte, komm da raus.“ Sekunden zuvor war ihr Mann im Flur des gemeinsamen Hauses in einer schwarzen Wand aus Rauch und beißendem Qualm verschwunden. „Ich dachte in diesem Moment, dass er tot ist“, erinnert sich die 59-Jährige. Malte Kubinetz war durch den stark verrauchten Flur ins Wohnzimmer und dort zur Terrassentür gerannt, um draußen am Kellereingang das Gas abzudrehen. „Er hat mir auch geantwortet, aber ich konnte ihn nicht hören“, so Tanneberger.
Am Samstag, 3. Januar, gegen 17 Uhr, habe sie im Wohnzimmer gesessen, als es plötzlich merkwürdig roch. „Ich hatte direkt ein komisches Gefühl“, erinnert sich die Erftstädterin. Im nächsten Augenblick sah sie auch schon die erst noch dünnen Rauchschwaden aus dem Keller ins Treppenhaus steigen. Vorsichtig ging sie zusammen mit ihrem Mann die Kellertreppe herunter, der Rauch kam aus dem Heizungsraum. „Hohe Flammen schlugen dort aus dem Heizkessel“, schildert sie die Situation. Zuerst habe ihr Mann sogar noch versucht, das Feuer mit dem Feuerlöscher zu beseitigen. Beiden blieb schließlich nur die Flucht aus ihrem Haus.
Erftstadt: Gasheizung könnte wegen eines technischen Defekts in Brand geraten sein
Später erklärte ein Polizeisprecher, dass die Gasheizung aufgrund eines technischen Defekts in Brand geraten sein könnte. „Sie war doch erst drei Jahre alt“, merkt Bettina Tanneberger an. „Und dann standen wir draußen wie Zuschauer und haben mit angesehen, wie die Feuerwehrleute unser Haus retteten. Ich bewundere diese Menschen, die nie wissen, was sie erwartet. Immer haben die Einsatzkräfte auch mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun“, sagt die 59-Jährige. Sie habe sich gefühlt wie in einem Film.

Die Gasheizung ist vermutlich durch einen Defekt in Brand geraten.
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Um sicher zu gehen, dass weder Bettina Tanneberger noch ihr Mann eine mögliche Rauchgasvergiftung erlitten hatten, wurden beide vom Notarzt vor Ort untersucht. „Wir hatten wirklich großes Glück.“
Doch der giftige, schwarze Ruß hatte sich überall im Haus abgelagert und ist sogar durch die kleinsten Ritzen bis in die Wäsche- und Kleiderschränke gedrungen. „Von jetzt auf gleich waren wir obdachlos und hatten nur noch das, was wir am Leibe trugen“, sagt Bettina Tanneberger.
Erftstadt: Ehepaar wohnt nach Brand in Ferienwohnung
Auch zwei Wochen nach dem Feuer zittert ihre Stimme noch, wenn sie über die Ereignisse spricht. „Eine ganze Woche habe ich gar nicht weinen können, weil ich wie erstarrt war. Ich habe funktioniert und gleichzeitig fühlte ich mich total überfordert.“

Der schwarze Ruß hat alle Möbel und Gegenstände, sogar Wände und Decken bedeckt.
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Nachbarn haben ihnen warme Jacken und in der ersten Nacht sogar ein Quartier gegeben, danach halfen Freunde aus Hürth. „Inzwischen haben wir eine Ferienwohnung anmieten können“, berichtet das Ehepaar.
Diese werde wohl die nächsten Monate ihr zu Hause werden. Schätzungen der Gutachter zufolge sollen die Renovierungsarbeiten bis in den Herbst hineingehen. Zurzeit fühle es sich für sie an, als habe sich der Teufel die Seele ihres Hauses geholt, sagt Tanneberger.
Nur in Schutzanzügen mit Staubmaske betreten die Eheleute aktuell ihr Haus, um Gutachter hereinzulassen und um Bestandsaufnahme zu machen, bevor das Haus leergeräumt und kernsaniert wird. Nicht alles müsse auf den Müll, sagt sie. Experten entscheiden darüber, was speziell gereinigt werden kann und was entsorgt werden muss. „Die Kontamination macht mir Angst“, sagt Bettina Tanneberger.
Der Ruß sei einfach überall. „Und wie schwarze Spinnengewebe hängen die Ruß-Fäden von der Decke im Wohnzimmer, im Treppenhaus und ganz extrem im Keller.“
Dann hellt sich das Gesicht von Bettina Tanneberger auf. Und auch ihr Mann lächelt: „Wir leben und hatten großes Glück.“ Und sie seien ja nicht alleine, sagen sie. Ein Stück weit fühlen sie sich vom Mitgefühl und der Hilfsbereitschaft ihrer Freunde, Nachbarn und sogar von ihnen ganz unbekannte Menschen durch diese schlimme Zeit getragen: „Diese Hilfsbereitschaft ist ein ganz großes und wunderbares Geschenk.“

