Musik in ErftstadtOrganist und Chorleiter Theo Balkhausen freut sich auf die Rente

Nach 41 Jahren geht der Lechenicher Kirchenmusiker Theo Balkhausen Ende September in den Ruhestand.
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Erftstadt – Ein Blick in Theo Balkhausens Musikzimmer genügt, um eine Vorstellung davon zu gewinnen, mit welcher Leidenschaft er sein Metier betreibt.
Neben dem Konzertflügel, einem Klavier, einem Keyboard und einem Cembalo stehen hier eine elektronische Heimorgel, eine Pfeifenorgel und eine 4-manualige Digitalorgel des amerikanischen Herstellers Rodgers, „ein Mega-Instrument“, so der Kirchenmusiker begeistert.
Künftig wird er mehr Zeit haben, darauf zu spielen: Nach 41 Jahren als Organist und Chorleiter an St. Kilian in Lechenich und seit 1999 auch an St. Johannes in Ahrem geht Balkhausen Ende September in Rente. „Ich hatte hier alles, was ich mir vorgestellt hatte, warum hätte ich da die Stelle wechseln sollen“, stellt er nüchtern fest. Ein großes Abschiedsfest hat der 65-Jährige sich verbeten. „Ich bin ja nicht weg, sondern werde weiterhin Orgeldienste übernehmen“, sagt der Musiker, der 1952 als ältestes von fünf Kindern in Weilerswist zur Welt kam.
Schöne Singstimme
Durch den Vater, einen Bäcker, der über eine auffallend schöne Singstimme verfügte, kam er früh mit der Musik in Berührung und erhielt als Neunjähriger den ersten Klavierunterricht. „Mein Vater hat damals 30 Dosen Apfelmark für ein Klavier bezahlt“, erinnert er sich schmunzelnd an seine Anfänge. Häufig hat er den musikbegeisterten Bäckermeister bei Gesangsauftritten und Liederabenden begleitet.
Mit 17 Jahren begann er das Studium der Kirchenmusik und Musikpädagogik an der Hochschule für Musik in Köln. Am 1. November 1976 -sein Vorgänger war unerwartet verstorben - hat er dann die Kirchenmusiker-Stelle in Lechenich angetreten, wo die musikalische Gestaltung der Gottesdienste und die Leitung des Kirchenchores seine Hauptaufgaben waren.
Unvergessliche Uraufführung
Ein besonderes Anliegen war es ihm in all den Jahren, „Farbe in die Musik zu bringen“. Das gelang ihm vor allem mit dem 1986 gegründeten Folklorechor und später mit dem Chor 2000, den er auch weiterhin leiten wird. „Da wird alles gesungen, was den Sängern gefällt“, so Balkhausen.
Unvergesslich ist ihm die Uraufführung der „Missa romantica“ von Ulrich Harbecke; mit diesem Werk für Soli, Chor und Orchester ging er dann auf Chorreise. 2009 rief er den „Erftstädter Orgelsommer“ ins Leben. Seither finden von Juli bis Oktober Orgelkonzerte in den Kirchen der Erftstädter Ortsteile statt, deren Gestaltung bei den jeweiligen Kantoren liegt. Balkhausen selbst kann man am 24. September unter freien Himmel auf Burg Konradsheim erleben, wo er auf der Rodgers-Orgel musizieren wird.
Freude auf den Ruhestand
Bei der Frage nach seinen Lieblingskomponisten „rangiert Johann Sebastian Bach ganz oben“. Dann nennt Balkhausen auch den russischen Komonisten Sergej Rachmaninoff als Favoriten, weil er „gigantische Chorwerke“ geschrieben hat. Nur „die konstruierte Musik“ à la Karlheinz Stockhausen liegt ihm nicht.
Allmählich freut er sich auf den Ruhestand. „Es wird guttun, nicht mehr so eingeengt zu sein“, sagt Balkhausen, der weiterhin Klavier- und Orgelunterricht erteilen wird. Ein ehemaliger Schüler ist auch Johannes Speckamp, der ihm im Amt folgen wird. „Das wird ein nahtloser Übergang“, versichert Balkhausen, der sich künftig verstärkt der eigenen Konzerttätigkeit widmen wird.
